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Gedenken an Badetoten aus Kenia vor Anpfiff

Jüterboger Asylbewerber ertrunken – Spenden für Überführung Gedenken an Badetoten aus Kenia vor Anpfiff

Ein Asylbewerber, der in der Aufnahmestelle in Jüterbog untergebracht war, ist vergangene Woche in einem See in Elbe-Elster ertrunken. Nun wurde bei einem Benefiz-Fußballspiel an ihn erinnert und Spenden für die Rückführung seines Leichnams gesammelt. Im Internet kursieren außerdem Gerüchte zum Tod von Asylbewerber Steve Kinyanjui Njuguna.

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Beim Fußballspiel traten die Asylbewerber mit schwarzen Armbinden in Gedenken an den Verstorbenen an.

Jüterbog. Es hätte auch für Steve Kinyanjui Njuguna schön werden können. Am Sonnabend fand in Berkenbrück ein von Hertha-Fans organisiertes kleines Fußballturnier mit Flüchtlingen aus Jüterbog statt. Viele der jungen Männer aus acht Ländern kamen mit schwarzen Armbinden. „Für alle wichtig war der Beginn des Turniers mit einer Schweigeminute“ berichtet Jüterbogs Pfarrerin Mechthild Falk. Sie gedachten des Todes von Steve Kinyanjui Njuguna.

Der 23-jährige Kenianer aus dem Jüterboger Flüchtlingsheim wurde drei Tage nach seinem Geburtstag tot im Rückersdorfer See aufgefunden. „Betroffenheit und Trauer der Mitbewohner sind sehr groß. Sie haben sich vorgenommen, dem Wunsch der Familie in Kenia zu erfüllen, den Leichnam nach Kenia zu überführen“, sagt die Pfarrerin. Eine Spendenaktion ist bereits gestartet worden. „Die ersten, die spendeten, waren die Flüchtlinge selbst“, ergänzt sie. Auch die Kirchgemeinde St. Nikolai ist Ansprechpartner für Helfer. Wer die Überführung des jungen Mannes unterstützen möchte, kann sich im Übergangswohnheim Jüterbog im Waldauer Weg oder bei der St. Nikolaigemeinde melden.

Der Kenianer war seit Mai in Jüterbog. Er benötigte keine Genehmigung, um nach Rückersdorf zu fahren. „Er konnte sich frei in Berlin und Brandenburg aufhalten“, so Falk. Sie kennt die Internetseite, auf der der Verdacht geäußert wurde, dass es sich nicht um einen Unfall handelt. Es falle auf, dass bereits vier Afrikaner in Ostdeutschland ertrunken seien, ist dort geschrieben. Alle hätten gewusst, dass er nicht schwimmen könne. Bezweifelt wird, dass er alleine ins Wasser gegangen sei.

Und doch soll es so gewesen sein. Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizei in Cottbus, erinnert sich sofort an den Fall. „Der Unfall ereignete sich am 14. August im Landkreis Elbe-Elster. Der junge Mann hatte die Situation falsch eingeschätzt; er sprang ins tiefe Wasser. Wir wurden um 20.30 Uhr gerufen. Wir werden nur hinzugerufen, um ein Fremdverschulden auszuschließen. Ein Taucher fand den Kenianer am nächsten Tag. Für uns ist der Fall abgeschlossen“, sagte sie und bestätigt, dass es im Kreis Elbe-Elster vorher einen ähnlichen Unfall gegeben habe, aber nicht im selben See. Es gebe viele Kiesgruben dort. Auch der Rückersdorfer See bei Doberlug-Kirchhain ist durch Kiesabbau entstanden.

Beim Landkreis wird auf die Zuständigkeit der Polizei verwiesen. Der Asylantrag werde beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bearbeitet, hieß es lediglich.

Der Tote hat eine Schwester. „Sie lebt als Flüchtling in Berlin und kümmert sich wohl um alles“, so Mechthild Falk. Erste Spenden seien ihr bei einer Gedenkveranstaltung am Sonntag in Berlin übergeben worden. Es waren etwas über 1000 Euro, und sie kamen von Freunden, Bekannten und Mitgliedern der Kirchen. „Von unseren Leuten im Heim waren zwei Afrikaner dabei.“ 6000 Euro soll die Überführung kosten.

Natürlich war der aktuelle Fall Anlass, am Rande und beim anschließenden gemeinsamen Grillen in Berkenbrück über Fluchtursachen und Fluchtwege zu berichten. „Die Hertha-Fans waren erschüttert, als sie hören mussten, was Männer in ihrem Alter auf Booten im Mittelmeer miterlebten und seither in ihrer Seele tragen“, so Falk. Sie hofft sehr, dass es weitere Begegnungen geben wird. Gerade bei solchen Abwechslungen im sonst eintönigen Flüchtlingsalltag sei ein Gedankenaustausch mit Nicht-Flüchtlingen wichtig, betont Falk. Gerade in Zeiten wie diesen.

Kontaktaufnahme ist auch möglich über www.facebook.com/kenyanconnectionsgermany.de

Von Gertraud Behrendt

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