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Gefährliche Blindgänger in Glücksburger Heide

Jüterbog (Teltow-Fläming) Gefährliche Blindgänger in Glücksburger Heide

Noch immer wird auf ehemaligen Truppenübungsplätzen Restmunition geborgen. Auch in der Glücksburger Heide südlich von Jüterbog (Teltow-Fläming). Dort wurden bereits 400 Kilogramm Munition gesprengt – und die Suche geht weiter.

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Uwe Theilemann beim Verkabeln der zur Sprengung vorgesehenen Blindgänger.

Quelle: Rebecca Rathmann

Jüterbog/Mügeln. Noch immer wird auf ehemaligen Übungsplätzen, wo Nationale Volksarmee oder Rote Armee das Schießen mit scharfer Munition trainierten, Restmunition geborgen. Auch die Glücksburger Heide, südlich von Jüterbog hinter der Landesgrenze gelegen, die sich im Besitz der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Nationales Naturerbe, befindet, macht da keine Ausnahme.

Seit Anfang Mai werden in der Glücksburger Heide mehrere Flächen gezielt nach Munition und Munitionsteilen abgesucht. Eine Arbeit, für die Mitarbeiter der Munitionsbergung GmbH Rhöll verantwortlich sind. Die von ihnen aufgespürten und geborgenen Munitionsreste werden anschließend durch den Kampfmittelbeseitigungsdie

men.

Großteil der Funde als transportfähig eingestuft

„Neben Granatsplittern und Stahlschrott, etwa Führungsschienen für Ziele, Rohre, Panzerkettenglieder, Handgranatenstifte, war darunter auch Munition unterschiedlichster Kaliber“, erläutert Revierleiterin Rebecca Rathmann. Hierbei, fügt sie hinzu, handelte es sich oftmals um bereits abgeschossene Munition wie Panzergranaten, Wurfgranaten, Panzersprenggranaten der Kaliber 23 Millimeter, 30, 76, 85, 100 bis 125 Millimeter oder um Übungsmunition. „Diese breite Palette zeigt, dass man in Teilen der Heide nach wie vor von versteckten Gefahren ausgehen muss, dass einzelne Bereiche des Waldes keineswegs als sicher anzusehen sind“, sagt sie.

Der Großteil der bisher gefundenen Munitionsbestände wurde als transportfähig eingestuft. Dies zu beurteilen oblag in erster Linie Bettina Vöge von der Firma Rhöll, die den Einsatz vor Ort leitet. „Bei einigen der gefundenen Panzersprenggranaten handelte es sich zwar um Blindgänger, für Laien ist aber kein Unterschied zu anderer Munition zu erkennen“, klärt Vöge auf. Denn obwohl die Blindgänger bereits seit Jahrzehnten im Boden liegen, geht von ihnen noch immer ein hohes Risiko aus. Ihr Transport im öffentlichen Straßenverkehr sei daher ausgeschlossen.

Kontrollierte Sprengung mit lautem Knall

Der KBD entschied sich deshalb für eine Sprengung der scharfen Munition vor Ort. Ein lauter, weithin wahrnehmbarer Knall ertönte deshalb vor wenigen Tagen auf der Naturerbefläche. Der Sprengverantwortliche, Uwe Theilemann vom KBD, hatte die Blindgänger für die Vernichtung vorbereitet und anschließend gemeinsam mit seinem Kollegen Denny Knabe gesprengt.

Nur für Experten

Kampfmittel wie Bomben, Granaten, Panzerfäuste oder Patronenmunition sind zur Kriegsführung bestimmt. Sie können daher ein erhebliches Gefährdungspotenzial aufweisen. Unsachgemäßes Hantieren, auch unbeabsichtigt etwa bei notwendigen Bodeneingriffen, birgt erhebliche Risiken und führt zu entsprechenden Gefahren.

Wichtig ist es deshalb, Munitionsfunde in der vorgefundenen Lage zu belassen und sofort die Polizei zu verständigen. Diese unternimmt die erforderlichen Schritte, um die Gefahr zu beseitigen.

Wer ohne Sachkenntnis mit Kampfmitteln hantiert, gefährdet sein Leben und häufig das anderer. Solche Handlungen können strafrechtlich geahndet werden.

Die Glücksburger Heide wurde seit 1936 militärisch genutzt, 2002 wurde die Mittlere Heide Naturschutzgebiet.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat sich im Rahmen ihrer Verantwortung für die Naturerbefläche dafür entschieden, wertvolle Heide-Offenlandlebensräume der Glücksburger Heide zu erhalten oder wieder herzustellen. Eine der dabei zu meisternden Schwierigkeiten liegt in der noch immer hohen Munitionsbelastung der Fläche. Zwar wurde bereits in den 1990er Jahren großflächig Munition beräumt, doch aufgrund der hohen Munitionsbelastung und steigender Kosten war eine flächendeckende gründliche Räumung finanziell unmöglich. Zudem werden viele Munitionsreste durch Baumwurzeln erst nach und nach an die Oberfläche gedrückt.

Vollständige Räumung vorerst ausgeschlossen

Eine vollständige Beräumung scheint somit vorerst noch ausgeschlossen. Deshalb unterliegt die Glücksburger Heide auch weiterhin der Gefahrenabwehrverordnung des Landes Sachsen-Anhalt. Das Betreten und Befahren der Fläche abseits der freigegebenen Rad- und Wanderwege ist für die Bevölkerung daher grundsätzlich verboten.

Alle vorgesehenen Forstarbeiten und Maßnahmen zum Erhalt und zur Pflege der Heide stehen immer unter dem Genehmigungsvorbehalt der zuständigen Ordnungsbehörde des Landkreises Wittenberg. Die durchgeführte Entmunitionierung durch die Firma Rhöll erweitere nun den Handlungsspielraum für zwingend notwendige Maßnahmen ein wenig, so Rebecca Rathmann.

Von Sven Gückel

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