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Teltow-Fläming Gefangen in der virtuellen Parallelwelt
Lokales Teltow-Fläming Gefangen in der virtuellen Parallelwelt
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00:33 19.09.2015
Franziska Weise berät suchtgefährdete Menschen in Mahlow. Quelle: Christian Zielke
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Mahlow

Kaum ein Jugendlicher geht heute noch ohne Smartphone vor die Tür. Die Alleskönner sind Begleiter in allen Lebenslagen. Ein besonders beliebter Zeitvertreib sind Online-Spiele. Als App kann man sie sich in wenigen Sekunden auf das Smartphone laden.

Der erste Spaß ist meistens kostenlos, doch damit auf Dauer keine Langeweile aufkommt, muss man bezahlen. Meist sind die Beträge klein, doch schnell kommen hunderte Euro zusammen – für Jugendliche oft ein Vielfaches des Taschengeldes oder Azubi-Gehalts. Im schlimmsten Fall tauchen die Spieler so tief in die virtuelle Parallelwelt der Internetspiele ein, dass man von einer Sucht sprechen kann.

Beim Beratungszentrum Ichthys in Mahlow gibt es seit kurzem ein Angebot speziell für diese relativ neue Suchtform. Sozialarbeiterin und Verhaltenstherapeutin Franziska Weise hat sich auf dieses Gebiet spezialisiert, das bisher noch weitgehend unerforscht ist und zu dem es kaum konkrete Zahlen gibt. Aus ihrer bisherigen Arbeit weiß die 41-Jährige aber, dass die Mehrheit der Online-Spielsüchtigen männlich und unter 30 Jahre alt ist. Einige verbringen bis zu 16 Stunden hintereinander am Computer oder Smartphone. „Viele kommen mit dem Alltag nicht mehr klar“, sagt die studierte Sozialpädagogin. Schule, Ausbildung, Familie und Freunde – alles muss sich der Sucht unterordnen. Anders als bei Automaten in Spielcasinos gibt es im Internet kaum Regeln und noch weniger Kontrolle. In Gesprächen hilft Franziska Weise den Betroffenen, ihren Konsum auf ein gesundes Maß zurückzuschrauben. Dabei spielen die Angehörigen eine wichtige Rolle. Eltern sind mit der Situation oft überfordert und versuchen es mit Verboten oder der Drohung, das Smartphone wegzunehmen. Das bringe in den meisten Fällen nichts. „Computer und Smartphones gehören zur Kultur der Jugendlichen“, sagt Franziska Weise. Sie sind meistens fitter mit der modernen Technik als ihre Eltern und hebeln Kontrollprogramme einfach aus. Es bringe auch nichts, den Kindern die ganze Zeit über die Schulter zu schauen. Eher sollten die Angehörigen fragen, was ihre Kinder spielen und warum sie scheinbar nur durchs Spielen die nötige Selbstbestätigung bekommen. Verteufeln sei auch nicht sinnvoll. Oft verabreden sich Freunde nach der Schule im Netz und entwickeln im Spiel gemeinsam Strategien zur Lösung eines Problems, sagt Franziska Weise. Wie bei stoffgebundenen Süchten macht auch im Internet die Dosis das Gift.

Kontakt: www.ichthys-mahlow.de, 0 33 79/ 2 02 78 79.

Von Christian Zielke

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