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Geflüchtet und traumatisiert

Luckenwalde Geflüchtet und traumatisiert

Die Hilfe für junge Menschen, die auf ihrer Flucht nach Europa den Tod von Angehörigen oder Mitflüchtlingen erleben mussten, die verletzt wurden oder inhaftiert waren, muss ganz verschieden sein. Am schwierigsten zu helfen ist es für das Jugendamt Teltow-Fläming, wenn Minderjährige allein ankommen und noch nie eine Schule sahen.

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TF-Jugendamtsleiter Swen Ennullat

Quelle: Jutta Abromeit

Luckenwalde. Nach den Sommerferien soll es am Oberstufenzentrum Teltow-Fläming im Ludwigsfelder Birkengrund eine dritte Klasse „Grundbildung plus“ für Flüchtlinge unter 18 Jahren geben. Bisher gibt es je zwei Klassen mit 20 bis 25  Schülern sowohl in Ludwigsfelde als auch in Luckenwalde. Diese Klassen vermitteln jungen, nach Deutschland geflohenen Menschen aus aller Welt, die nicht mehr schulpflichtig sind, neben Deutsch auch Grundlagen in Mathematik, Sachkunde, Sport und Kunst. Damit sollen sie in zwei Jahren möglichst die Voraussetzungen erlangt haben, eine Berufsausbildung beginnen zu können.

Analphabeten fallen erstmal ganz raus

„Das Problem für uns sind nicht die ,umAs’ ohne Familie, also die unbegleiteten minderjährigen Ausländer, die keine Angehörigen mehr haben; die sind von uns betreut. Schwierig ist es mit den unter 18-Jährigen mit Begleitperson. Die wurden von ihren Familien hierher geschickt und sollen möglichst sofort Geld nach Hause überweisen“, sagt Swen Ennulat, Leiter des Jugendamts Teltow-Fläming. „Oder sie wollen eine Freundin beeindrucken, sie wollen studieren – doch für alles brauchen sie Geld.“ Und das fließt nicht vom ersten Tag an in Deutschland. Vor dem Geldverdienen steht einiges an Bürokratie. „Hinzu kommt, dass wir leider ein wirklich ziemlich starres Bildungssystem haben. Analphabeten fallen da erst mal ganz raus“, sagt der Jugendamtsleiter. Das seien Riesenhindernisse zum Beispiel für junge Syrer, die ihr Bürgerkriegsland mitten im Studium verlassen mussten.

Mitte Juli waren im Jugendamt Teltow-Fläming 180 minderjährige Ausländer aus 20 Staaten registriert, 164 männliche und 16 weibliche. Die meisten von ihnen, 78, kamen aus Afghanistan, 46 aus Syrien, zehn aus Guinea, sieben aus dem Irak, fünf aus Gambia. Der größte Teil dieser jungen Menschen zwischen zehn und 18 Jahren ist 17 und 18 Jahre alt.

Prüfungsphase kann zwölf Wochen dauern

Um 94 von ihnen muss sich das Jugendamt kümmern. Die meisten von ihnen, 43, haben den Aufenthaltsstatus Duldung, 21 leben im Status Aufenthaltsgestattung; nur fünf haben bereits eine Aufenthaltsgenehmigung, die anderen befinden sich in der sogenannten Clearing-Phase, also in der Prüfung, die bis zu zwölf Wochen dauern kann - beziehungsweise haben eine Fiktionsbescheinigung.

Für sie alle geht es aber außerdem um solche Kategorien der deutschen Sozialgesetzgebung wie Amtsvormundschaft, betreutes Wohnen, vorläufige Inobhutnahme, Vollzeitpflege, Heimerziehung oder sozialpädagogische Einzelbetreuung. Ennullat zählt auf, mit welchen Belastungen junge unbegleitete Flüchtlinge hier ankommen: „Sie haben vielfältige Traumata, sowohl aus der Vergangenheit als auch aktuelle. Wenn sie zum Beispiel aus ihren Heimatländern fliehen und zum Teil das Töten naher Verwandter miterleben mussten oder selbst Misshandlungen erlitten haben.“ Hinzu kämen teils traumatische Fluchterlebnisse, wenn Leidensgenossen neben ihnen die Flucht nicht oder nur mit Verletzungen überlebten. „Manche waren auch selbst verletzt oder trotz ihrer Jugend inhaftiert“, sagt Ennullat.

Das Hauptproblem: ein Drittel sah noch nie eine Schule

In Europa angekommen, gebe es neben der Sprachbarriere weitere Belastungen: ständige Wohnortwechsel, das Nichtverstehen hiesiger Abläufe oder die Erwartungen aus dem Heimatland. Psychische Hilfe funktioniere aber nur mit Dolmetschern. Es sei sehr, sehr vielschichtig, was organisiert werden müsse, sagt der Mann aus der Kreisverwaltung.

„Das Hauptproblem für uns als Jugendamt ist aber, dass ein Drittel dieser Minderjährigen noch nie eine Schule besucht hat“, so der Jugendamtsleiter. Er erklärt: „Wir versuchen natürlich mit allen Behörden, Einrichtungen und ehrenamtlichen Helfern hier in der Region, diesen Jugendlichen trotz dieser unterschiedlichen Bildungsbiografien den Weg in eine Berufsausbildung zu ermöglichen.“

Von Jutta Abromeit

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