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Teltow-Fläming Gekreuzt und verdreht
Lokales Teltow-Fläming Gekreuzt und verdreht
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00:16 04.07.2017
Anita Mudrich mit Klöppelrolle und ihrem Altartuch. Quelle: Uwe Klemens
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Waltersdorf

Zwei Wochen ist es her, dass in dem oft als „schönste Kirche“ gepriesenen Waltersdorfer Gotteshaus Gedränge herrschte. Während das Saxofon-Ensemble „Tonfall“ auftrat, konnten die Besucher die Kostbarkeiten des Gotteshauses bewundern.

Einen kleinen Anteil daran hat auch die 81-jährige Waltersdorferin Anita Mudrich, die direkt neben der Kirche wohnt. Denn die schneeweiße, mit einem feinen Spitzensaum versehene Altardecke stammt aus ihrer Hand und war gerade noch rechtzeitig vor dem Konzert fertig geworden. Dass sie dafür nicht öffentlich gelobt wurde, hat Anita Mudrich nicht gestört. „Ich hab es für unsere Kirche und gerne gemacht und brauche kein Extralob“, sagt die ehemalige Bäuerin, die noch heute in ihrem Elternhaus wohnt und zur Kirchgemeinde gehört.

Zerschlissenes Tuch sollte ersetzt werden

Lange haben die Waltersdorfer darauf gewartet, dass es für das von außen eher unscheinbare Gotteshaus Geld zur Sanierung gibt. Als im vergangenen Jahr tatsächlich die Arbeiten begannen und das undichte Notdach endlich ordentlich gedeckt wurde, war man im Dorf mehr als erleichtert.

„Schon ein Jahr zuvor haben wir Frauen beim Saubermachen festgestellt, dass die Altardecke verschlissen ist“, sagt Mudrich, die sich prompt dazu entschloss, selbst Hand anzulegen. Zwei Jahre hat sie gebraucht, um das 1,40 Meter mal 1,16 Meter große Tuch mit einem etwa zehn Zentimeter breiten Spitzenband zu umsäumen. Mehrere Abende pro Woche verwendete sie darauf. Auf die Idee, die in die Altardecke investierten Stunden zu zählen, ist sie nicht gekommen.

Klöppeln als Ausgleich

„Für Handarbeit, auch als Ausgleich zur schweren körperlichen Arbeit, habe ich mich schon immer interessiert“, blickt Anita Mudrich zurück. Bei einem Besuch in der Wahlsdorfer Kreativbude sah sie zum ersten Mal, wie Klöppelspitze entsteht. Auf einem MAZ-Foto vom Februar 1995 ist zu sehen, wie sie dort zum ersten Mal die Klöppel durch ihre Finger gleiten lässt. Wenige Monate später gehörte sie zu den Teilnehmerinnen eines ins Leben gerufenen Klöppel-Kreises, der heute noch existiert.

„Das, was man am meisten braucht, ist Geduld“, sagt Mudrich. „Am Anfang hab ich mich noch gefragt, auf was ich mich da eingelassen habe. Irgendwann konnte ich es nicht mehr lassen“, beschreibt sie die Freude, wenn die filigrane Arbeit Millimeter für Millimeter entsteht. Aus mindestens vier hölzernen Spulen, den so genannten Klöppeln, laufen die Fäden, die nach exaktem Plan gekreuzt und verdreht werden. Je nach Können des Klöpplers kann die Zahl der Spulen-Paare erhöht werden.

Bei ihrer Altardecke hat Anita Mudrich insgesamt 36 Klöppel-Paare, also 72 Spulen, verwendet. Die Ergebnisse ihres Fleißes kann der Besucher überall im Haus in Form von Fensterbildern und Spitzendeckchen bewundern.

Wer bei der Klöppelgruppe mitmachen möchte, kann sich unter Tel. 01 60/94 97 63 54 informieren.

Von Uwe Klemens

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