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Gelungenes Tetzel-Spektakel

Jüterbog Gelungenes Tetzel-Spektakel

„Stadt des Anstoßes“ wird Jüterbog seit einiger Zeit genannt, denn das Ereignis, das die Reformation ins Rollen brachte, fand hier statt. Eine Ahnung davon, wie es damals in der Stadt zugegangen sein könnte, vermittelte das Fest „Tetzel kommt“.

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Zu Tetzels Zeiten herrschten überall auf der Welt raue Sitten. Die Berliner Rittergilde vermittelte einen kleinen Geschmack davon.

Quelle: Uwe Klemens

Jüterbog. Der Wettergott war wohl der einzige, der am Wochenende das irdische Treiben und den Tetzelkult in der Jüterboger Altstadt kritisch sah. Zum Glück für die Initiatoren des Jüterboger Heimatvereins ließen sich zahlreiche Menschen aus nah und fern davon nicht abschrecken und bevölkerten, zumindest am Haupttag des Festes, die „Stadt des Anstoßes“.

Kurztrips in die Vergangenheit

Wer mittelalterliches Flair und informative Kurztrips in die Vergangenheit mag, bekam bei freiem Eintritt zwei Tage lang mehr als auf seine Kosten. Der Einzug des Ablasshändlers und seines Fußvolks aus Adligen, Kirchenfürsten und Rittern am Dammtor war am Samstagvormittag der erste Höhepunkt. Hunderte Schaulustige säumten, bewaffnet mit Fotohandys, das Tor. Bürgermeister Arne Raue (parteilos) als oberster Würdenträger der Stadt übernahm die Begrüßung. Kabarettist Gunter Böhnke in der Tetzel-Rolle entsprach, zumindest rein äußerlich, genau dem Klischee-Bild, auch wenn man sich gerade von ihm etwas mehr Ansprache ans Volk gewünscht hätte.

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Nach 500 Jahren kommt der Ablasshändler zurück in die „Stadt des Anstoßes“

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Kaum in der Stadt, begann der Ablasshändler mit dem, was er immer am besten konnte: Dem kaufmännisch organisierten Seelenhandel. Karola Paschen war die erste, die sich von ihren Sünden freikaufte. Rund 700 Mal sollte es an diesem Tag noch in der großen Tetzeltruhe klimpern, womit angesichts der weitaus höheren Besucherzahl bewiesen ist, dass Jüterboger tugendhaft sind und vor dem Höllenfeuer keine Angst zu haben brauchen.

Umjubelte Darbietungen

Auch Arne Feuerschlund, dessen umjubelte Darbietungen jedem Feuerwehrmann die Haare zu Berge stehen lassen, gehört zu denen, die das Feuer nie fürchten. Nicht nur wegen seiner akrobatischen Künste, sondern vor allem wegen der Spielfreude, mit der er vom Krabbelkind bis zum Greis jeden Zuschauer entflammt, galt er als ein Liebling des Festes.

Spielleute, Gaukler und Artisten standen ihm zur Seite. Dass die Zeit Tetzels bei weitem nicht immer so lustig war, demonstrierten die Mitglieder der Berliner Rittergilde eindrucksvoll mit ihren Darbietungen.

Namensvetterin ersteigert Tetzel-Truhe

Beim Schlendern über die offenen Höfe der Anwohner und die mittelalterliche Flaniermeile gab es allerhand Handwerks- und Kochkunst zu entdecken. Streitgespräche zwischen Tetzel und seinen Widersachern, Falknershow, Tanzdarbietungen und dergleichen mehr machten das Tetzelfest unvergesslich. Dass die versteigerte Tetzeltruhe an eine Namensvetterin des Ablasshändlers ging, war beileibe nicht die einzige Überraschung des Festes. „Gelungen“, lautete am Abend nicht nur das Urteil von Besucher Jürgen Schreiber. „Wer wollte, konnte ausgelassen feiern. Man lebt schließlich nur ein Mal.“

Von Uwe Klemens

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