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Gericht verurteilt Hells-Angels-Freunde

Schutzgelderpressung in Ludwigsfelde Gericht verurteilt Hells-Angels-Freunde

Sich wehren hilft – das zeigt der Fall, der am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Zossen verhandelt wurde. Der Tätowierer, der zuvor von drei Männern aus dem Umfeld der Rockerbande Hells Angels bedroht worden war, zeigte den Fall an. Mit Erfolg.

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Drei Männer aus dem Umfeld der Rockerbande wegen Angriff auf Ludwigsfelder Tätowierer standen am Donnerstag vor dem Amtsgericht Zossen.

Quelle: dpa

Zossen. Als Andy S., Lee Henry S. und Martin M. am 17.  Oktober 2014 das Tattoostudio von R. in Ludwigsfelde betraten, hatten sie nur eins im Sinn: abkassieren. 600 Euro Schutzgeld monatlich forderten sie von dem Inhaber des Geschäfts. „Wenn die Kohle nicht kommt, brenne ich deinen Laden ab und ficke deine Kinder“, drohte Andy S. Als der Tätowierer sich weigerte, das Geld zu zahlen, schlug ihm der 37-jährige Hells Angel mehrfach ins Gesicht. Der Inhaber willigte ein. Ein Termin für die Geldübergabe wurde vereinbart.

Bedrohter Mann zeigt Täter an

Am Donnerstag mussten sich die drei Männer aus Cottbus und Ludwigsfelde für ihre mehr als eineinhalb Jahre zurückliegende Tat vor dem Amtsgericht Zossen verantworten. Ihr Geschäft mit dem Inhaber des Tattoostudios war 2014 nach hinten losgegangen: Dieser hatte den Vorfall angezeigt. Die Polizei ließ die geplante Geldübergabe platzen.

Obwohl Andy S., Lee Henry S. und Martin M. damals selbst nicht zum vereinbarten Treffpunkt erschienen waren, kamen die Beamten den Männern schnell auf die Schliche. Der 26-jährige Mitangeklagte, Lee Henry S., hatte vorsorglich seine ahnungslose Freundin zum Abkassieren geschickt. Die junge Frau aus Cottbus dürfte einen gewaltigen Schreck bekommen haben, als Polizisten des Mobilen Einsatzkommandos sie in voller Montur überwältigten.

Drei Täter zeigen sich geständig

Dass sie für ihren Freund unwissend den Kopf hinhalten musste, hat der Beziehung nicht geschadet. Im Gegenteil, die beiden sind mittlerweile sogar verlobt. Aussagen musste die Verlobte am Donnerstag nicht. Andy S., Hauptangeklagter in dem Fall, und seine Helfer Lee Henry S. und Martin M. zeigten sich vor dem Schöffengericht geständig. Das Gericht verzichtete daraufhin, weitere Zeugen zu vernehmen, und verurteilte die Angeklagten wegen „versuchter gemeinsamer räuberischer Erpressung mit gefährlicher Körperverletzung“ zu unterschiedlichen Freiheitsstrafen.

Einigermaßen glimpflich kam Martin M. davon: Anders als seine Mitangeklagten hat sich der 30-Jährige bislang nichts zu Schulden kommen lassen. Das Gericht verurteilte ihn deshalb zu eineinhalb Jahren Haftstrafe, setzte diese aber zur Bewährung aus. Zudem muss M. 900 Euro an den Martin-Heinze-Fonds zahlen. Die Stiftung hilft Verbliebenen von im Dienst ums Leben gekommenen Polizisten.

Langes Vorstrafenregister

Anführer Andy S. wird seine Tat indes hinter Gittern verbüßen. Das Vorstrafenregister des Hells Angel ist lang: Elfmal stand er seit 1994 schon vor Gericht, unter anderem wegen Diebstahls, Hehlerei, gefährlicher Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Im aktuellen Verfahren ist Andy S. nicht nur wegen Erpressung und Körperverletzung angeklagt, er hat zudem gegen das Kennzeichenverbot verstoßen: Demnach trug der Hells Angel am 29. Oktober 2014 eine Gürteltasche mit geflügelten Totenschädel, dem verbotenen Symbol der Rockerbande, in der Öffentlichkeit. Das Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Haft. Der ebenfalls vorbestrafte Lee Henry S. wurde zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Seine an das Opfer gerichtete Entschuldigung, die er über seinen Anwalt verlesen ließ, half ihm kaum. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Haft gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Josefine Sack

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