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Geschichtsunterricht hautnah

Roland Jahn in Jüterbog Geschichtsunterricht hautnah

Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, und Angela Marquardt, die die meisten Menschen als Bundestagsabgeordnete der PDS kennen, berichteten in Jüterbog aus ihrem Leben und zeigten die Vorteile der Demokratie. Marquardt hat in ihrem Buch „Vater, Mutter, Stasi“ ihre Vergangenheit in einer systemtreuen Familie aufgearbeitet.

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Roland Jahn, Chef der Behörde für Stasi-Unterlagen, wurde vom SPD-Landtagsabgeordneten Erik Stohn nach Jüterbog eingeladen.

Quelle: Victoria Barnack

Jüterbog. Angela Marquardt hat zwei Namen. Die meisten Menschen kennen sie als Bundestagsabgeordnete der PDS und heutige SPD-Politikerin unter ihrem gebürtigen Namen. Ihr zweiter Name Katrin Brandt war ihr Deckname bei der Stasi gewesen. Die Lebensgeschichte rund um beide Namen beschreibt sie in einem Buch: „Vater, Mutter, Stasi“.

Mit dem Inhalt des Buches machte Marquardt auch die noch vorhandenen Teile ihrer Stasi-Akte öffentlich. Laut Gesetz dürfen die von der Geheimpolizei der DDR angelegten Unterlagen über Jugendliche eigentlich nicht eingesehen werden – auch nicht von deren Zielpersonen. Und obwohl Marquardt mit der im vergangenen Jahr erschienenen Autobiografie ein Stück Zeitgeschichte für die nachfolgenden Generationen festhält, schrieb sie eigentlich nur für sich selbst. „Die Stasi hätte ewig Macht über mich gehabt, wenn ich dieses Buch nicht geschrieben hätte“, erklärte sie am Donnerstagabend bei einem offenen Gespräch im Jüterboger Kulturquartier.

Wandel im Selbstverständnis

Ihren Gesprächspartnern und Parteikollegen Erik Stohn und Clemens Neumann erklärte sie auch den Wandel in ihrem Selbstverständnis. Hilfe hatte sie dabei vom Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. „Er war der Erste, der damals zu mir gesagt hat, ich solle aufhören, von mir selbst als Täterin zu sprechen“, berichtete sie.

Marquardt war in einer „systemtreuen“ Familie aufgewachsen. Stasi-Mitarbeiter gehörten zu ihrem familiären Umfeld, ohne dass sie es wusste. An den Moment, als sie mit 15 Jahren die Verpflichtungserklärung unterschrieb, kann sie sich bis heute nicht erinnern, obwohl ihr das Original vorliegt.

Jahn berichtete nicht nur von eigenen Erfahrungen

Vor allem das Wieso treibt die mittlerweile 44-Jährige noch immer um. „Aber genau dieselben Fragen können wir auch an 15-Jährige von heute stellen“, sagte Roland Jahn, der ebenfalls an dem Gespräch in Jüterbog teilnahm. Jahn war Bürgerrechtler in Jena, wurde von der Universität aufgrund „marxistischer Wissenslücken“ exmatrikuliert und 1983 zwangsausgebürgert.

Jahn berichtete nicht nur von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Staatssicherheitsdienst. Er wendete sich als Verfechter der Demokratie und der freien Willensäußerung auch konkret an eine anwesende Schulklasse des Goethe-Schiller-Gymnasiums. „Stellt euch die Frage, was ihr tun würdet, wenn eure Clique auf die Idee kommt, ein Asylbewerberheim anzuzünden“, mahnte Jahn, „würdet ihr zur Polizei gehen und sie verraten oder würdet ihr weiter Teil eurer Freunde sein wollen.“ Diese Lehre aus der Vergangenheit ist es, der Jahn die größte Bedeutung zuschriebt. „Wir haben die Möglichkeit, unsere Chance auf Gerechtigkeit besser zu nutzen, weil wir wissen, was andere Menschen erlebt haben“, resümierte Jahn.

Von Victoria Barnack

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