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Geschmust, geurteilt und geschossen

Premiere in Jüterbog Geschmust, geurteilt und geschossen

Das „Theater der Werktätigen“ meldet sich mit einem sehr erwachsenen Märchen wieder zurück auf der Bühne des Jüterboger Kulturquartiers. Mit „Das gewöhnliche Wunder“ beweisen die Laiendarsteller des traditionsreichen Ensembles ihr Slapstick-Talent in einer vielschichtigen Materie.

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Gewöhnliche Menschen mit gewöhnlichen Motiven? König, Minister und ein verzauberter Jüngling suchen Macht, Geld oder auch Liebe.

Quelle: Peter Degener

Jüterbog. Gewöhnlich war an dieser Theaterpremiere höchstens der Titel des aufgeführten Stücks. Auf dem Spielplan stand „Das gewöhnliche Wunder“ vom russischen Dramatiker Jewgeni Schwarz, mit dem das Jüterboger „Theater der Werktätigen“ am Freitagabend erstmals seit zwei Jahren wieder den Weg auf die Bühne des Kulturquartiers fand.

Slapstick und die Fragen der Liebe

Die dreizehn Laiendarsteller unter Leitung von Ernst Werner amüsierten bei der ausverkauften Vorstellung zweieinhalb Stunden lang das Publikum mit großartigem Slapstick, Timing und den ewigen Fragen der Liebe gleichermaßen. „Ein junger Mann und ein Mädchen verlieben sich. Das ist gewöhnlich. Sie zerstreiten sich. Auch das ist nicht selten. Die Liebe tötest sie fast und dann erreichen ihre Gefühle eine ungekannte Größe und die Wunder beginnen. Das ist gewöhnlich und ungewöhnlich zugleich“, sagt der Scharfrichter im Vorspann.

Der Schankwirt mit dem Alu-Hut ist kein Verschwörungstheoretiker, sondern nimmt auf ungewöhnliche Art Kontakt mit der Außenwelt auf

Der Schankwirt mit dem Alu-Hut ist kein Verschwörungstheoretiker, sondern nimmt auf ungewöhnliche Art Kontakt mit der Außenwelt auf.

Quelle: Peter Degener

Das Stück, ein Märchen für Erwachsene und Kinder, handelt von klassischen Charakteren: Der König und sein Hofstaat mit einem intrigierendem und einem devotem Minister, mit einer Prinzessin und ihren Hofdamen stehen auf der einen Seite. Andererseits treten ein ruhmsüchtiger Jäger und sein Schüler, ein Schankwirt und ein Zauberer samt seiner Frau auf. Fehlt noch ein Prinz, der in diesem Fall ein echter Bär ist – allerdings verzaubert in einen liebevollen jungen Mann. Und wenn der einmal eine Prinzessin küssen sollte, verwandelt er sich sofort in das wilde Tier zurück.

Wenn der Bär zum Tier wird

Man ahnt als Zuschauer, worauf das hinausläuft, doch auf dem Weg dorthin, verhandeln Autor Jewgeni Schwarz und die Theatertruppe unter Ernst Werner ganz kurzweilig, woran Liebe scheitern kann, wie alte Ehepaare miteinander umgehen, wer Herr oder Frau im Haus ist und wie viel Tier doch in manch zivilisiert daherkommenden Menschen noch steckt. Es wird geschmust, verurteilt und scharf geschossen. Am Ende hält sich nicht nur ein prinzliches Liebespaar allein in den Armen, denn die Formen der Zuneigung sind doch sehr unterschiedlich in der Welt.

Überzeichnete Figuren im ganzen Stück

Allen Charakteren von Schwarz gemein ist, dass sie stark überzeichnet werden. Der König, der schnell mal zum Gifttrunk für seine Gegner oder zum Todesurteil für seine Untertanen greift, ist nicht bloß Tyrann, sondern in Momenten auch herzlicher Vater.

Regisseur Ernst Werner

Regisseur Ernst Werner

Quelle: Matthias Butsch

„Diese Charaktere vergehen in unserer Gesellschaft nie“, sagt Ernst Werner, „man findet durch die Überhöhung schnell bestimmte Eigenschaften von sich selbst oder seinem Nachbarn in den Menschen auf der Bühne wieder und merkt, dass man eigentlich nicht zaubern können muss, um eine bessere Gesellschaft zu erlangen. Es würde reichen, wenn man sich gern hat.“ Die Erfüllung dieses Wunsches wäre ein wahres Wunder.

Aufführung: „Das gewöhnliche Wunder“ wird im Januar 2018 noch vier Mal aufgeführt, die genauen Daten stehen noch nicht fest.

Interview mit Regisseur Ernst Werner

Sind Sie mit der Premiere zufrieden gewesen?

Ernst Werner: Ja, ich fand es gelungen und ich habe gesehen, dass die meisten Zuschauer den Raum schmunzelnd und amüsiert verlassen haben.

Haben Sie schon mit der Arbeit am nächsten Stück begonnen?

Ich bin auf der Suche und lese bestimmte Dinge, um mir etwas aussuchen zu können. Wir wechseln gern zwischen Drama und Komödie und ich gehe jetzt von einem ernsten Stück aus.

Wieso muss es ernst sein?

Die Komik, die wir gerade auf die Bühne bringen, braucht viel mehr Energie. Dann muss ich sehen, wie ich die Rollen besetzt bekomme. Ich habe keine Berufsschauspieler, das sind Laien.

Wann geht es wieder los?

Wenn ich mich entschieden habe, werden wir wohl im Februar mit der Arbeit beginnen. Die nächste Premiere soll Ende 2018 stattfinden. Es kommt dabei auch auf das Stück an. Sollte ich mich für „Die Goldberg-Variationen“ von George Tabori entscheiden, wäre ein Termin um Totensonntag angemessen, denn darin geht es thematisch um Ende und Anfang. Ich lese aber auch gerade Shakespeare und bei so einem Stück ist der Premierentermin nicht ganz so wichtig.

Gibt es Bedarf an neuen Gesichtern im Theater der Werktätigen?

Ich verliere natürlich immer wieder Schauspieler, die wegen dem Studium oder der Arbeit weggehen. Immer wenn jemand kommt, schauen wir uns die Person an und dann sehe ich, ob wir sie irgendwo unterbekommen. Beim aktuellen Stück habe ich händeringend gesucht, weil vier Darsteller auf einen Schlag wegen künstlerischer Meinungsverschiedenheiten mit mir aufgehört hatten. Das hatte auch zur Verzögerung der Premiere geführt.

Was unterscheidet Ihr Theater von anderen Laienensembles?

Ein guter Freund, der Direktor der Ernst-Busch-Schauspielschule war, schaute sich unsere Stücke häufig an. Er meinte, die Qualität unseres Theaters sei erheblich. Unsere Figuren sind auch frischer größer als beim Berufstheater. Ich selbst denke, dass wir uns immer das Ziel setzen, die Stücke in großer Disziplin und Qualität über die Bühne zu bringen.

Interview: Peter Degener

Von Peter Degener

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