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Teltow-Fläming Gespräche am Gartenzaun
Lokales Teltow-Fläming Gespräche am Gartenzaun
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00:33 19.09.2015
Wahlkampftour am Finkenschlag in Klausdorf. Bürgermeisterkandidat Bernd Setny (SPD, r.) spricht mit Anwohner Manuel Krawczyk. Quelle: Frank Pechhold
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Klausdorf

Würde Bernd Setny für seine im Wahlkampf zu Fuß zurückgelegten Kilometer vom Finanzamt Geld erstattet bekommen, hätte er vermutlich vorerst ausgesorgt. Seit zwei Monaten stellt sich der SPD-Bürgermeisterkandidat Wählern in der Gemeinde Am Mellensee bei Gesprächen über’n Gartenzaun vor. So wie am Finkenschlag im Ortsteil Klausdorf. Vergeblich sucht Setny bei den ersten beiden Grundstücken nach einer Klingel. Erst am dritten Zaun hat er Glück und läutet. Manuel Krawczyk öffnet die Haustür und kommt auf ihn zu. „Ich kenne Sie irgendwo her. Sind Sie nicht der Mann von einem dieser Wahlplakate?“ Seit die Plakate mit seinem Konterfei hängen, hat es Setny leichter. „Viele Leute haben sich mein Gesicht gemerkt und wissen, wer ich bin.“

Als das noch nicht so war, standen oft Hunde kläffend und fassbereit am Grundstückszaun und Herrchen oder Frauchen in sicherem Abstand an der Haustür. „Verständlicherweise sind die Leute erst einmal vorsichtig, weil sie nicht wissen, ob ich ein Vertreter bin, der ihnen irgendwas verkaufen will, oder ob ich von den Zeugen Jehovas komme.“

Zur Person

Bernd Setny ist gebürtiger Sperenberger, 53 Jahre alt und von Beruf Nachrichtentechniker.

Er ist verheiratet und hat einen Sohn.

Der SPD gehört er seit März 1998 an. Er ist ehrenamtliches Vorstandsmitglied der SPD Teltow-Fläming und stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Am Mellensee.


Als sachkundiger Einwohner engagiert sich Setny im Bauausschuss der Gemeindevertretung Am Mellensee.

In seiner Freizeit fährt er leidenschaftlich gerne Motorrad.

Deshalb kommt Setny auch bei jedem angetroffenen Finkenschlag-Anwohner schnell auf den Punkt: „Ich kandidiere für die Wahl zum Bürgermeister. Darf ich Ihnen meine Visitenkarte überreichen?“ Gern nimmt Marlis Hoffmann dieses Angebot an. Einen Moment lang unterbricht sie ihre Gartenarbeit, wischt sich den Sand von den Händen ab und spricht mit Setny über den schlechten Zustand der Finkenschlag-Straße. Neugierig geworden lugt ihr Mann um die Hausecke. „Manfred, komm mal her“, ruft ihm Marlis Hoffmann zu, „unser neuer Bürgermeister stellt sich vor“.

Am nächsten Grundstück erhält Setny eine freundliche, aber bestimmte Abfuhr, als er sich vorstellen will. „Das tut mir leid. Meine Entscheidung ist schon gefallen“, sagt ein älterer Herr. Damit ist das Gespräch für ihn beendet. „Es gibt natürlich auch Leute, die sich von vorn herein auf jemand anders festgelegt haben“, sagt Setny. Trotzdem wünsche er jedem einen angenehmen Tag. „Das gehört sich einfach.“

Ganz anders als der ältere Herr reagiert Ilse Hahn auf den überraschenden Kurzbesuch. Als Setny ihr sagt, dass er Bürgermeister werden möchte, antwortet die 86-Jährige: „Das werden Sie wohl auch schaffen. Sie sehen gut aus und wissen sich zu benehmen.“ Wenn er Bürgermeister werde, „dann komme ich mit einem Blumenstrauß zu ihrem 90. Geburtstag“, verspricht Setny der freundlichen alten Dame und geht weiter.

Vor dem Gartenzaun von Lilli Kelch sieht Setny, was ihr auf den Nägeln brennt. „Die Baumwurzeln heben die Begrenzungssteine, Gehwegplatten und Grundstückseinfassungen an“, sagt Kelch. „Und auch die Bäume müssten mal beschnitten werden, damit die wilden Äste nicht weiter in den Gehweg reinwachsen.“

Nach rund zwei Stunden hat Setny erst die Hälfte aller Finkenschlag-Grundstücke abgelaufen. Etliche Anwohner, die arbeiten, einkaufen oder verreist waren, traf er nicht an. „Man kann nicht alle Bürger erreichen“, weiß er. Wäre dem so, würde ihm die Zeit noch mehr davonrennen.

„Bei meinem Von-Tür-zu-Tür-Wahlkampf habe ich anfangs mit fünf Minuten pro Besuch gerechnet.“ Weiter dachte Setny, alle Straßen der Gemeinde Am Mellensee komplett ablaufen zu können. Aber bald wurde ihm klar, dass das nicht geht. Beispielsweise war er allein im Ortsteil Kummersdorf-Gut drei mal vier Stunden unterwegs. Einmal musste er seine Tippel-Tappel-Tour bei 38 Grad im Schatten völlig geschafft abbrechen. Dann wiederum zwang ihn ein kräftiges Gewitter zur Aufgabe. Wenn das Wetter es zulässt, will er bis zum Wahlsonntag weiter von Grundstück zu Grundstück gehen, „um an der Haustür von den Leuten zu erfahren, was sie bewegt“.

Von Frank Pechhold

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