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Gestatten, der Maserati-Mann

Niederlehme Gestatten, der Maserati-Mann

Hartmut Ahrens aus Niederlehme hat vor 30 Jahren seine große Liebe gefunden: einen Maserati Khamsin mit Fünf-Liter-Maschine, acht Zylindern und weißen Ledersitzen. Heute ist Ahrens Schatzmeister des Deutschen Maserati Clubs, und seine Begeisterung für den Flitzer hat nicht nachgelassen.

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320 PS, hydraulische Lampen, Rennsportbremse: Hartmut Ahrens und sein Maserati Khamsin

Quelle: G.I.

Niederlehme. Wenn Hartmut Ahrens das Gaspedal durchtritt, dauert es nur ein paar Sekunden, bis er links und rechts keine Bäume mehr erkennt. Die Landschaft verzieht sich zu unscharfen Streifen, und es macht auch keinen Unterschied mehr, ob die anderen Autos auf der Autobahn 120 oder 160 fahren. Ahrens fliegt einfach an ihnen vorbei. Das Adrenalin steigt ihm dann bis in die Nasenspitze.

„Man muss sehr konzentriert fahren, nicht nur auf den Vordermann achten, sondern auch auf den zweiten und den dritten Fahrer“, sagt er. Wenn einen halben Kilometer vor ihm einer ausschert, kann das für Ahrens schon bedeuten, dass er mit seinen Rennbremsbelägen – extra aus England importiert – aufs Ganze gehen muss. „Aber ich brauche das“, sagt Ahrens. Deshalb fährt er auch keinen Opel, keinen Golf und keinen Kia. Er fährt Maserati.

Herz an Sportwagen verloren

Ahrens, Unternehmer aus Niederlehme, Schatzmeister des einzigen deutschen Maserati-Clubs und 69 Jahre alt, ist nicht nur Geschwindigkeitsfanatiker. Er ist auch Autonarr, und er hat sein Herz an Sportwagen verloren, die schnittig designt sind und mehr PS auf die Straße bringen als die meisten handelsüblichen Kleinwagen im Fünferpack. Sein Maserati Khamsin etwa, 73er Baujahr, ein weißes Geschoss mit weißen Ledersitzen und Sportschaltung, fährt 275 in der Spitze. Natürlich verbraucht er dann auch 25 Liter auf 100 Kilometer. Das gehört dazu, sagt Ahrens. Einen Maserati fährt man nicht, wenn man ihn sich nicht leisten kann.

Hintergrund

Die Luxusmarke Maserati vermeldete zuletzt Zulassungsrekorde für Deutschland. Im Jahr 2016 wurden 1655 Autos neu zugelassen. Das sind 50 Prozent mehr als im Jahr 2015.

In Brandenburg waren Ende vorigen Jahres 63 Maserati angemeldet. Zum Vergleich: In märkischen Garagen standen zum gleichen Zeitpunkt 81 Ferrari und 2146 Porsche.

Das günstigste Maserati-Modell ist derzeit ab 66 000 Euro zu haben.

Hartmut Ahrens kann. Seit Anfang der 70er Jahre ist er Eigentümer einer Firma, die Großküchen plant und einrichtet und Tresen, Zapfanlagen und Stahlspülen an Gastronomen verkauft. Mit der Firma hatte Ahrens, der damals in Westberlin lebte, schon Mitte der 80er Jahre genug verdient, um ein kleines Achtzylinder-Spielzeug anschaffen zu können. Auf Maserati brachten ihn die Brüder seiner Frau. „Die waren Kfz-Mechaniker, hatten eigentlich mit normalen Automarken zu schaffen, aber dann haben sie sich auch Maserati angelacht und mich bequatscht, dass ich mir auch einen kaufe“, erzählt Ahrens.

Klang kam mit der Zeit

Der Name Maserati hatte damals freilich nicht ganz den Klang, den er heute hat. Der Autohersteller aus dem italienischen Modena war in den 1970er Jahren wirtschaftlich ins Schlingern geraten. Er wurde damals zwar von einem Investor gerettet, aber die Fahrzeuge, die anschließend bis Mitte der 80er produziert wurden, litten unter erheblichen Qualitätsmängeln. „Damals wollte kein Mensch Maserati fahren“, erinnert sich Ahrens. Entsprechend günstig waren die Flitzer zu haben. Für seinen Khamsin blätterte er damals etwa 40 000 Mark hin. Heute ist das Auto das sechsfache wert: rund 120 000 Euro.

Sitze, Lenkrad, Armaturenbrett

Sitze, Lenkrad, Armaturenbrett: alles weiß. Selbst der Fußraum ist mit weißem Leder ausgekleidet.

Quelle: Irmscher

Für Helmut Ahrens blieb es aber nicht bei dem Khamsin. Ende der 80er erweiterte er seinen Fuhrpark um einen Quattroporte III, eine 250 PS starke Luxuslimousine, die zeitweilig auch unter dem Namen „Maserati Royale“ verkauft wurde. Auch der geht bei Bedarf ab, aber eigentlich ist er eher ein Auto zum Repräsentieren. „Der fährt sich wie ein Clubsofa“, sagt Ahrens.

Der Unternehmer liebt seine Maseratis. Aber sie sind für ihn trotzdem keine Wagen des täglichen Gebrauchs. Für die Arbeit, fürs Einkaufen oder für den Urlaub nimmt er den Citroën C5, der zur Not auch 240 Kilometer in der Stunde schafft. „Maseratifahren ist mein Hobby. Wenn ich täglich damit unterwegs wäre, dann würde der Reiz verloren gehen“, sagt Ahrens. Den weißen Khamsin holt er deshalb nur bei Sonnenschein aus der Garage und auch nur am Wochenende. Er lädt dann seine Frau ein, mal sitzt er selbst am Steuer, mal lässt er sich von ihr fahren. Und alle paar Wochen geht es auch mal quer durch Deutschland zu einer Veranstaltung des Maserati-Clubs.

Ein Blick in den Motorraum

Ein Blick in den Motorraum.

Quelle: Irmscher.

Pflichttermin für Clubmitglieder

Der hat ungefähr 180 Mitglieder, alles Enthusiasten, die gerne über technische Details reden, Ausfahrten machen und ihre Boliden auf Rennstrecken auch mal ans Limit bringen. Der Nürburgring etwa ist ein jährlicher Pflichttermin für die Clubmitglieder. Hin und wieder finden auch internationale Treffen von Maserati-Freunden statt, das nächste 2018 in Berlin. Ahrens organisiert es. 120 Fahrzeuge werden kommen, sagt er. Sie werden eine Rallye fahren und ansonsten auch viel beisammensitzen und erzählen. Man kennt und schätzt sich. Nichts gegen Porsche oder Ferrari, sagt Ahrens. Das seien auch schöne Autos, aber mit zu viel Imageballast. Im Maserati dagegen fühle man sich wie ein Teil einer netten Familie. EIner schrecklich schnellen Familie.

Von Oliver Fischer

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