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Teltow-Fläming Getöteter Flüchtling war ein „ganz Ruhiger“
Lokales Teltow-Fläming Getöteter Flüchtling war ein „ganz Ruhiger“
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20:46 03.10.2016
Am Tatort erinnern Kerzen,Blumen und ein Foto mit Trauerflor an den getöteten jungen Mann aus Afghanistan. Quelle: Frank Pechhold
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Ludwigsfelde

Kerzen, Blumen und ein Foto mit schwarzem Trauerflor erinnern am Tatort an einen Flüchtling aus Afghanistan (18), der am Sonntag in Ludwigsfelde von einem Flüchtling aus Gambia (17) erstochen worden sein soll. Die Bluttat ereignete sich auf dem Parkplatz Robert-Koch-/Ecke Märkische Straße.

Flüchtling tötet Flüchtling: Motiv weiter unklar

Alessio: „Das war so ein ganz Ruhiger“

Eigentlich möchte Alessio (17) nur schnell am Tatort vorbei nach Hause. Aber dann bleibt er stehen, sprudeln die Worte nur so aus ihm heraus. „Das war so ein ganz Ruhiger. Noch Sonntag habe ich mit ihm Fußball gespielt“, sagt Alessio und weist mit dem Kopf auf das Trauerflor-Foto mit dem getöteten Afghanen. Beim Fußballspielen habe er ihn gefragt, wie es ihm gehe. „Gut“ habe er gesagt. Was hier geschehen sei, wäre auf jeden Fall krass, so Alessio. „Da kommt jemand aus Afghanistan nach Deutschland, um Schutz zu suchen, und dann wird er hier ermordet.“

Tatort gegenüber der Kita Märchenland

Gleich gegenüber dem Tatort liegt die Kita „Märchenland“. Wie wollen die Eltern ihren Kindern erklären, warum dort Kerzen brennen, Blumen liegen und ein schwarz gerahmtes Foto steht? Die Anregung dazu gab der Ludwigsfelder Bürgermeister Andreas Igel (SPD). Er war am Montag in die Produktionsschule, Ecke Brandenburgische Straße/Straße der Jugend, geeilt. In dieser Unterkunft für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge hatte das Opfer bis vor kurzem, der mutmaßliche Täter bis zu seiner Festnahme gelebt. „Die Leiterin der Einrichtung Ria von Schrötter hat mich über den Vorfall informiert und gefragt, ob ich nicht kommen könne. Das war für mich in diesem Augenblick selbstverständlich“, sagt Igel.

Bereitschaftspolizisten suchten die Umgebung des Tatorts ab, hier vor dem Evangelischen Krankenhaus. Quelle: Pechhold

Nach Gesprächen der anwesenden Betreuer und Seelsorger mit den jungen Leuten habe er den Flüchtlingen vorgeschlagen, „gemeinsam zum Ort des Geschehens zu gehen“. Auf diese Weise hätten sie die Gelegenheit, von ihrem ehemaligen Mitbewohner und Freund Abschied zu nehmen. Nach der gemeinsamen Trauer am Tatort war Andreas Igel zum Feiern wahrlich nicht mehr zumute. „Eigentlich wollte ich noch zum Glockenfest gehen. Aber da habe ich mich entschuldigen lassen.“

Bürgermeister: Vorfall wird uns noch beschäftigen

Dirk Krause, Flüchtlingshelfer-Koordinator in Ludwigsfelde, kann „sich nicht vorstellen, was der Auslöser für diese grauenvolle Tat gewesen ist“. Bürgermeister Igel denkt, „dass uns der Vorfall in den nächsten Wochen beschäftigen wird“. Vor allem komme es darauf an, der minderjährigen Flüchtlingsgruppe in der betroffenen Unterkunft Halt zu geben, „damit sie diese Schreckenstat auch verarbeiten kann“. Das sei auch für die Betreuer eine ganze schwierige Situation, so Kreis-Sozialdezernentin Kisten Gurske (Linke): „Beide – Flüchtlinge und Betreuer – brauchen unsere ganze Zuwendung.“

Von Frank Pechhold

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