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Gigantische Triebwerke gehen in Produktion

Rolly Royce in Dahlewitz Gigantische Triebwerke gehen in Produktion

Sie sind größer als alle Triebwerke, die bisher das Dahlewitzer Werk verlassen haben. Am Mittwoch begann Rolls Royce offiziell mit der Produktion der neuen XWB-Reihe, die im Airbus A350 zum Einsatz kommt. Während der feierlichen Eröffnung ging es auch um internationale Politik und regionale Infrastrukturwünsche.

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Klein wie eine Ameise wirkt der Mitarbeiter angesichts des gigantisch großen Triebwerks.

Quelle: dpa

Dahlewitz. Kleine Gesten sagen oft mehr als große Worte. So wirkt fast wichtiger als der Inhalt der Reden von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) die Tatsache, dass beide auf Englisch gesprochen haben. Anlässlich des Produktionsstarts der Trent-XWB-Großtriebwerke bei Rolls-Royce in Dahlewitz war der – manchmal etwas holprige – Sprachwechsel nicht nur als Dankeschön für die Investition des britischen Unternehmens in Brandenburg gedacht, sondern auch als Schulterschluss in ungewissen Zeiten.

Während Großbritannien derzeit darüber streitet, ob der Austritt aus der Europäischen Union auf die harte oder sanfte Tour geschehen soll, wurden die Rolls-Royce-Führung und die deutsche Politik am Mittwoch in Dahlewitz nicht müde, sich der gegenseitigen Wertschätzung zu versichern.

Das Brexit-Gespenst lag im Raum

„Deutschland ist ein Zuhause für uns. Wir sind stolz hier zu sein“, sagte Eric Schulz, der Präsident für die zivile Luftfahrt bei Rolls-Royce. Er sprach von politischen Schwierigkeiten und großen Herausforderungen, die vor dem Unternehmen stehen. Auch ohne das Wort Brexit explizit zu erwähnen, wusste jeder im Raum, was gemeint war. Trotz des Votums wolle Rolls Royce mit seinen Triebwerken die Welt kleiner machen und Menschen zusammen bringen.

Gruppenbild mit Großtriebwerk – Die Belegschaft, die an dem neuen XWB-Triebwerk arbeitet, durfte mit auf die Bühne – zusammen mit Ministerp

Gruppenbild mit Großtriebwerk – Die Belegschaft, die an dem neuen XWB-Triebwerk arbeitet, durfte mit auf die Bühne – zusammen mit Ministerpräsident Woidke und Bundeswirtschaftsministerin Zypries.

Quelle: Christian Zielke

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) betonte in ihrer Ansprache, wie wichtig freier Handel sei. Sie nahm das Wort Brexit unumwunden in den Mund. „Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden.“ Damit das gelingt, sollen die Unternehmen der Bundesregierung sagen, was aus ihrer Sicht wichtig für die Ausstiegsverhandlungen mit Großbritannien sind.

Ministerpräsident Woidke lobt den britischen Pioniergeist

In der Ansprache von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) schwang die Hoffnung mit, dass der Brexit nicht allzu hart ausfällt. „Die Tür ist nicht verschlossen. Großbritannien gehört zu Europa“, sagte er. Woidke lobte den Pioniergeist der Briten, die vor 25 Jahren den Mut hatten, auf einem brandenburgischen Acker ein Werk für Flugzeugtriebwerke zu bauen. „Damals waren hier nur Schafe und Kühe“, sagt Woidke. Es war auch eine Zeit, in der fast jeder Dritte Brandenburger ohne Arbeit war. Nach der Wiedervereinigung gingen reihenweise Industriebetriebe den Bach runter.

Dass Rolls Royce sich in dieser Zeit im Land niederließ, sei ein Zeichen der Hoffnung gewesen, sagt Woidke und fügt hinzu „Ich bin stolz“. Aus dem märkischen Acker ist mittlerweile der drittgrößte Fertigungsstandort des Unternehmens nach dem Stammwerk im britischen Derby und Singapur geworden. Mit der Produktion der XWB-Triebwerke, die vor allem im Airbus A350 eingesetzt werden, verlagert Rolls-Royce keine Kapazitäten, sondern baut neue auf, sagte Geschäftsführer Paul O’Neil. Weltweit liegen mehr als 1600 Bestellungen von Flugzeugherstellern vor – genug Arbeit bis Mitte der 2020er Jahre. Zwei Triebwerke pro Woche werden in Dahlewitz gebaut, zusätzlich zu den fünf in Derby. Bisher wurden in Dahlewitz Triebwerke für kleine und mittlere Jets wie den A320 hergestellt.

Mit kleinen Gesten wird an das Thema S-Bahn erinnert

Dass Rolls-Royce ebenfalls sehr gut auf der Klaviatur der kleinen Gesten spielt, zeigt sich an der Auswahl der Gäste. Neben den üblichen Verdächtigen aus regionaler und lokaler Politik und Wirtschaft waren auch der Vorstand des Vereins Bisar und Clemens Wudel aus Rangsdorf eingeladen. Sie machen sich für eine Verlängerung der S-Bahn bis Rangsdorf stark – ein Anliegen, das auch Rolls-Royce teilt. Von den 2500 Beschäftigten kommen viele mit dem Auto, der Firmenparkplatz ist stets rappelvoll. „Die S-Bahn ist für uns nach wie vor ein Thema“, sagt Rolls-Royce-Sprecher Stefan Wriege. Auf das Thema angesprochen, hält sich der Ministerpräsident zurück: „Es gibt viele Wünsche rund um Berlin.“ Im November werde Infrastrukturministerin die Pläne zur Verbesserung der Infrastruktur vorstellen. Ein paar Worte ins Radio-Mikrophon könnten Bisar und Co. optimistisch stimmen: „Es gibt gute Gründe für eine S-Bahn nach Dahlewitz“, sagt Woidke. Für Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) wäre ein Ja der Landesregierung zur S-Bahn das Richtige Signal für die „Powerregion“, die mit Rolls-Royce einen großen Impulsgeber habe. „Die dicken Bretter müssen wir in Berlin bohren“, sagt sie. Wegen der Eigentümerstruktur der S-Bahn sei in der Hauptstadt noch Überzeugungsarbeit zu leisten, so Wehlan. „Berlin muss verstehen, dass es sich nur zusammen mit Brandenburg entwickeln kann.“

Von Christian Zielke

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