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Girls Day bei Rolls Royce

Dahlewitz Girls Day bei Rolls Royce

Um mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern, wirbt der Triebwerkshersteller Rolls Royce schon in der Schule um Nachwuchs. Am Donnerstag bekamen zwölf Mädchen einen Einblick in die Arbeitswelt eines Flugzeugmechanikers. Im aktuellen ersten Lehrjahr ist die Hälfte der Azubis weiblich.

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Bei Rolls Royce durften die Teilnehmerinnen zum Werkzeug greifen.

Quelle: Christian Zielke

Dahlewitz. Etwas Mut gehört dazu, das Werkzeug an ein mehrere Millionen Euro teures Flugzeugtriebwerk anzulegen. Die zwölf Teilnehmerinnen des Girls Days im Rolls-Royce-Werk in Dahlewitz beobachten zunächst aus sicherer Entfernung, wie Gina Walluga den Schraubenschlüssel ansetzt. Die Schrauben legt sie akkurat in einer genau dafür vorgesehenen Kiste ab. Präzision geht über alles, kein Teil darf verloren oder kaputt gehen. Vorsichtig zieht Gina Walluga die Treibwerksschaufel heraus. Nun trauen sich auch die Zuschauerinnen an die eindrucksvolle Maschine. „Ist gar nicht so schwer“, sagt Gina Walluga.

Geschlecht spielt keine Rolle

Die 23-Jährige macht seit zwei Jahren eine Ausbildung zur Flugzeugmechanikerin mit der Fachrichtung Triebwerksbau bei Rolls-Royce in Dahlewitz. Am Donnerstag zeigte sie den zwölf jungen Mädchen, die am Girls Day teilnahmen, dass das Geschlecht keine Rolle spielt, wenn man es in einem technischen Beruf zu etwas bringen möchte. Sie selbst hatte sich eher spontan für einer Ausbildung bei dem Triebwerkshersteller entschieden, nachdem sie bei einem Ausbildungstag reingeschnuppert hatte. Schon immer hat sie mit ihrem Vater zusammen an Autos und Motorrädern geschraubt. Bereut hat sie den Schritt zu einer Karriere in einem Hochtechnologie-Unternehmen nie. „Es ist viel besser, als ich erwartet hatte“, sagt sie. Auch der Vater, der die Grundlage für die Schrauber-Qualitäten gelegt hat, sei sehr stolz.

Technikbegeisterung wecken

Dass Mädchen einen solchen Schritt wagen, liegt auch an der Unternehmensphilosophie. Mit dem Haus der kleinen Forscher will Rolls-Royce schon bei Grundschülern die Begeisterung für Technik wecken. „Vielfalt ist einer unserer Erfolgsfaktoren“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Wriege. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei ein wichtiges Anliegen, deshalb hat Rolls-Royce stets ein festes Kontingent in der Dahlewitzer Kita Blausternchen für seine Beschäftigten reserviert. Männer in Elternzeit gehörten mittlerweile auch nicht mehr zu den Exoten und auch Arbeit von zuhause ist ein wichtiges Thema. „Oft spielt es kaum eine Rolle, wo das Laptop steht“, sagt Wriege. Letztlich gehe es auch um den Erfolg des Unternehmens. „Wir wollen kein Potenzial verschenken. Bei uns sollen die besten Leute an die richtige Position kommen.“

Dass Rolls-Royce mit seiner Strategie erfolgreich ist, zeige sich daran, dass im derzeitigen ersten Lehrjahr die Hälfte der zwölf Triebwerkmechaniker-Azubis weiblich sind. „Die Mischung ist toll“, sagt Stefan Wriege. Die Belegschaft ist ein bunter Haufen aus mehr als 50 Nationen, die daran arbeiten, immer leisere und effizientere Flugzeugmotoren zu bauen. Frauen spielen dabei allerdings noch immer eine untergeordnete Rolle. 14 Prozent der Beschäftigten sind weiblich, in der Produktion sind es sogar nur vier Prozent.

Gleichstellung ist selbstverständlich

Als Barbara Blume ihre Karriere begann, gab es noch keinen Girls Day. Die 53-Jährige machte in den 80er Jahren eine Ausbildung zur KFZ-Mechanikerin, mit 25 absolvierte sie ihre Meisterprüfung, studierte danach Fahrzeugtechnik, saß in Uni-Vorlesungen über Gasturbinen und paukte in der Abendschule die höhere Mathematik. Heute ist sie Chefkonstrukteurin im Dahlewitzer Werk, wo sie sich 1999 beworben hat. Nachteile aufgrund ihres Geschlechts habe sie nie gespürt, sagt sie. Das gab es zuletzt in ihrer KFZ-Mechaniker-Ausbildung, als der Ausbilder ihr deutlich gemacht hat, dass Frauen in der Küche besser aufgehoben sind als hinter der Werkbank.„Gleichstellung ist bei Rolls-Royce selbstverständlich. Hier geht es um Kompetenz und Leistung“, sagt sie. Neben dem Beruf managt sie eine Familie mit drei Kindern. „Ohne Unterstützung der Familie geht es nicht“, sagt Barbara Blume. Als Chefkonstrukteurin habe sie lernen müssen, Verantwortung zu übernehmen. „Technik ist logisch, Menschen nicht immer. Frauen sind gut für’s Betriebsklima“, sagt sie. Unter Männern herrsche stärkerer Konkurrenzdruck. Da täte Weiblichkeit gut.

Monika von der Lippe, die Gleichstellungsbeauftragte der Landesregierung hört solche Worte gerne: „Hier funktioniert es so, wie man es sich wünscht.“

Von Christian Zielke

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