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Gleichbehandlung von „Alt- und Neukunden“

Jobcenter und Polizei Gleichbehandlung von „Alt- und Neukunden“

Die „Kunden“ des Jobcenters bräuchten sich wegen der „Neukunden“, also wegen der Flüchtlinge, keine Sorgen zu machen, dass sie jetzt benachteiligt würden, sagte Anja Spiegel vom Jobcenter. Auch die Polizei behandle „Alt- und Neukunden“ gleich, entgegnete Hauptkommissar Sven Wagner dem Gerücht, dass die Polizei bei Straftaten durch Asylbewerber lieber wegschaue.

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Anja Spiegel, Geschäftsführerin Jobcenter Teltow-Fläming

Quelle: Elinor Wenke

Luckenwalde. „Altkunden sind uns genauso wichtig wie Neukunden“, sagte Anja Spiegel, Leiterin des Jobcenters Teltow-Fläming. Damit bezog sie sich auf Langzeitarbeitslose und neu auf den Arbeitsmarkt drängende Flüchtlinge, sobald sie eine Arbeitserlaubnis haben. Spiegel sprach zum Thema Integration auf dem Arbeitsmarkt bei der Informationsveranstaltung „Flüchten nach Luckenwalde – Zuflucht in Luckenwalde“ im Kreistagssaal der Kreisverwaltung.

Fachkräfte würden dringend gesucht, sagte Anja Spiegel. Da mache man keinen Unterschied zwischen Alteingesessenen und Neuhinzugekommenen. „Wir haben weiterhin sinkende Arbeitslosenzahlen trotz des Winters“, skizzierte sie den gegenwärtigen Boom auf dem Arbeitsmarkt, von dem aber viele langzeitarbeitslose „Kunden“ nicht profitieren könnten. Zwar gebe es rein statistisch für jeden dritten Arbeitslosen eine offene Stelle, sagte Spiegel, aber es fehle entweder an der passenden Qualifikation oder überhaupt an einer abgeschlossenen Schul- oder Berufsausbildung. Dies sei die Hauptursache für Arbeitslosigkeit.

„Wer schon am Anfang seines Berufslebens arbeitslos ist, wird es immer wieder sein“, so Spiegels Erfahrung. Dadurch stiegen auch die Risiken wie Sucht, Schulden, psychische Probleme und Vorstrafen, die die Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit erschweren würden. Diese Probleme unterschieden sich nicht von denen der Flüchtlinge. Diese hätten allerdings noch ein zusätzliches Problem: fehlende Sprachkenntnisse.

Der Vermutung vieler „Altkunden“, sie würden durch die „Neukunden“ Nachteile zu befürchten haben, widersprach Spiegel: „Niemand erhält weniger Arbeitslosengeld oder Förderung wegen der Flüchtlinge. Alle Maßnahmen für sie kriege das Jobcenter TF vom Bund extra bezahlt.“ Auch räumte Spiegel mit der Behauptung auf, Flüchtlinge nähmen Deutschen die Arbeit weg. Das Gegenteil sei der Fall: „Flüchtlinge schaffen Arbeitsplätze im Bau, im Handwerk, und auch Ausbildungsplätze sind für alle da.“

Zu einem weiteren vorurteilsbeladenen Thema sprach Polizeihauptkommissar Sven Wagner. Sein Part war die Entwicklung der Kriminalitäts- und Sicherheitslage. „Die Polizei behandelt ihre Alt- und Neukunden gleich“, sagte er unter dem Gelächter der etwa 60 Anwesenden. Damit meinte er natürlich die Verdächtigen von Straftaten, ob sie nun alteingesessene deutsche Staatsbürger sind, oder neu hier lebende Flüchtlinge. Natürlich habe auch die Polizei mit den Asylbewerbern zu tun. Wagner nannte es eine „Herausforderung für die Kollegen“, die oft Spannungen in den Übergangswohnheimen schlichten müssten. Dabei sei die Sprachbarriere ein Problem, aber auch die Akzeptanz von jungen Frauen in Polizeiuniform durch Männer aus arabischen oder asiatischen Ländern.

Zwar gebe es noch keine Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2015, aber eine Tendenz: „Die Fallzahlen zeigen keinen signifikanten Anstieg“, so der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Teltow-Fläming. Entschieden widersprach Wagner dem Gerücht, die Polizei drücke beide Augen zu, wenn Straftaten von Asylbewerbern begangen würden. „Wir machen keine Unterschiede“, betonte Wagner. „Haben wir Kenntnis von einer Straftat, gehen wir dagegen vor!“

Von Hartmut F. Reck

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