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Gottsdorfs verlorener Ort

Kunstverein auf Spurensuche Gottsdorfs verlorener Ort

Der Gottsdorfer Verein „Haus der Kultur der Welten“ hat neben seinem eigentlichen Jahresprogramm ein besonderes Projekt vor: Verlorene Orte sollen wiederentdeckt und daran soll erinnert werden. Das ehemalige Armenhaus des Dorfes, von dem nach der Wende noch eine Ruine existierte, ist derzeit das große Thema.

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Armard Stenzels Schattenspender für die Gottsdorfer Sonnenuhr.

Quelle: Karen Grunow

Gottsdorf. Ein roter Briefkasten steht jetzt da, wo sich einst das Armenhaus von Gottsdorf befand. Aufgestellt hat ihn der Künstler Detlef David, der mit seinen Mitstreitern des Gottsdorfer Vereins „Haus der Kultur der Welten“ (HKW) auf Spurensuche ist nach verlorenen Orten im Dorf. Er habe, erinnert sich David, sich früher gewundert, warum seine eigene Adresse Pekenbergweg 2 sei, wenn es doch gar keine Nummer 1 gebe. Doch längst weiß er, dass dort eben jenes Armenhaus war, das Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet worden war und noch vor 25 Jahren als Ruine mitten im Wald stand.

Vor einigen Wochen hat der HKW sich mit einem Rundschreiben an die Gottsdorfer gewandt, so um deren Erinnerungen an diesen ungewöhnlichen Ort gebeten. „Es gab so einige Rückläufe, die dazu geführt haben, dass ich jetzt schon ein bisschen schlauer bin, wer dort gelebt hat“, erzählt David. Kürzlich haben einige Vereinsmitglieder dort schon ein bisschen aufgeräumt. Im Juni dann sollen die Fundamente des einstigen Armenhauses freigelegt werden.

Bau des Armenhauses hat 2000 Goldmark gekostet

Das war offensichtlich einst entstanden auf Anordnung der Regierung. 2000 Goldmark, so wurde bereits ermittelt, habe der Bau des Gottsdorfer Armenhauses gekostet. An Detlef David wurden auch schon ganz persönliche Erinnerungen herangetragen. Auch später Hinzugezogene, die bis zu jenem Brief des Vereins gar nichts von diesem Teil der Gottsdorfer Geschichte wussten, haben sich gemeldet, loben das Engagement. „Schon jetzt ist es eine schöne, lebendige Geschichte geworden“, freut sich David, der es mag, wenn durch Kunstaktionen auch soziale Bewegungen entstehen.

Und sei es einfach nur so etwas wie die kleine charmante Wahrnehmung am Rande, dass die Gottsdorfer auf Spaziergängen mit ihren Kindern den kleinen Schattenspender der Sonnenuhr am Teich immer wieder aufrichten und zurechtrücken. Auch diese Sonnenuhr war mal ein Projekt des Künstlers, im ganzen Ort sollten welche entstehen. Für die am Teich hat die Luckenwalder Künstlerin Armard Stenzel kürzlich neue Schattenspender hergestellt, in ihrer ungewöhnlichen, weil sehr selten gewordenen Emaille-Technik. Sobald die etwas ramponierte Platte der Sonnenuhr wieder hergerichtet ist, sollen sie aufgestellt werden.

Wiesencafé am Himmelfahrtstag

Doch Sonnenuhr und Armenhaus-Projekt sind nicht die einzigen Aktivitäten des Vereins in diesem Jahr. Wie immer am Himmelfahrtstag soll es auch am 5. Mai ein Wiesencafé geben auf der Kunstwiese am Dorfrand mit dem Nachbau des Labyrinths der Kathedrale von Chartres. Im „Art(T)raum“ von Detlef David wird am 7. Mai eine Ausstellung mit Fluxus und Architekturen von Aram Peter Tunkel eröffnet, Inès Tesche wird dann ab dem 7. Juni Bilder aus Erde und Blüten zeigen. Langjährige Tradition ist der sommerliche Workshop zur Shibori-Färbetechnik, außerdem wird es Ende August einen Keramikworkshop geben. Der endet dann am 3. September mit dem musikalischen Sommerausklang des Vereins.

Bis dahin steht dann vielleicht auch schon fest, wie künftig mit dem Armenhaus umgegangen werden wird. Der Ort solle doch in Ruhe gelassen und der Natur überlassen bleiben, erhielt Detlef David auch als Ratschlag für den Umgang mit diesem verlorenen Ort, der nun gerade wieder gefunden wird. „Wenn wir im Juni die Fundamente ausbuddeln und dann präsentieren, was es an Informationen schon so gibt, wird sich auch herausstellen, ob man weitermacht oder den Ort so belässt“, sagt David. Er ist offen für den Prozess des Erinnerns. „Es ist wunderbar, dass die Menschen hier so mitmachen“, sagt er zufrieden.

Von Karen Grunow

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