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Fehlerhafte Baugenehmigung: Abriss droht!

Grafschaft Kloster Zinna Fehlerhafte Baugenehmigung: Abriss droht!

Die historische Grafschaft in Kloster Zinna (Teltow-Fläming) ist beliebt – nicht nur bei Touristen. Doch dem modernen Neubau an dem historischen Gebäude droht der Abriss. Das 2012 eröffnete Haus wurde aufgrund einer fehlerhaft erteilten Baugenehmigung errichtet, wie jetzt entschieden wurde. Die Nachbarn gehen nun auf die Barrikaden.

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Für die Nachbarn ist die 29 Meter lange Rückwand ein Ärgernis.

Quelle: Peter Degener

Kloster Zinna. Dem modernen Neubau der historischen, als Hotel genutzten „Grafschaft“ in Kloster Zinna droht der Abriss. Die Baugenehmigung des erst 2012 errichteten Gebäudes wurde vom Verwaltungsgericht Potsdam aufgehoben. Die zwei klagenden Nachbarn haben nun die Untere Bauaufsicht auf Erteilung einer Abrissverfügung an den Eigentümer verklagt.

Zu tief auf das Grundstück gebaut

Das Problem: Die sogenannte „Neue Remise“ sei ohne Abstand zum Nachbarn zu tief auf das Grundstück gebaut. Vor allem aber würde sich die moderne Architektur nicht an die denkmalgeschützte „Grafschaft“ und Umgebungsbebauung in der Jüterboger Straße einfügen. „Diese Dinge sind bei uns sehr wohl geprüft worden“, sagt Norbert Jurtzik, Leiter der Unteren Bauaufsicht. Doch das Gericht kam zu einem „für uns überraschenden Ergebnis“, so Jurtzik zur MAZ. Das Urteil des Richters, der sich bei einem Vor-Ort-Termin die Sache angeschaut hatte, wird auch vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) gestützt – eine Berufung wurde dort abgelehnt. „Wir werden das Gebäude auf keinen Fall abreißen, bevor ein Gericht sagt, dass das geschehen soll“, sagt Jurtzik. Wegen dieser Duldung des Schwarzbaus haben die Nachbarn, Jens Melcher und Renate Purkert, nun Untätigkeitsklage eingereicht.

Das Paar wohnt nebenan und sieht in dem Neubau eine „Fabrikhallenwand“. Es fühlt sich nicht nur durch den Bau gestört, sondern auch durch dessen Nutzung. Ein Veranstaltungssaal und vier Ferienwohnungen erzeugen regelmäßig Lärm. Im Ortsbeirat von Kloster Zinna, wo der Streit nun erstmals öffentlich wurde, forderten sie den Abriss – oder eine finanzielle Entschädigung.

Hofansicht

Hofansicht: Neubau und Altbau der Grafschaft in Kloster Zinna.

Quelle: Peter Degener

Dort meldete sich auch der Eigentümer der Remise zu Wort. „Ein Abriss wäre absurd“, sagt der Treuenbrietzener Unternehmer Andreas Bruns, der nicht nur eine Genehmigung für den Bau hatte, sondern darin auch 212 000 Euro Fördermittel der Investitions- und Landesbank Brandenburg verbaute. Da das Haus erst wenige Jahre alt ist, droht sogar eine Rückzahlung. Seinen Schaden durch einen Rückbau beziffert er auf mehr als eine Million Euro.

Gefahr für die „Grafschaft“

Vor allem wäre mit einem Abriss auch die historische „Grafschaft“ daneben wieder bedroht – nur im Zusammenhang mit den modernen Ferienwohnungen und dem Veranstaltungssaal rechne sich der Betrieb des Hotels, sagt Bruns. Weil ein erneuter Leerstand der „Grafschaft“, die noch bis vor wenigen Jahren völlig verfallen war, das Denkmal bedroht, sieht das Jüterboger Bauamt einen drohenden städtebaulichen Missstand.

Geschichte

Die „Grafschaft“ wurde in den 1770er Jahren errichtet und hat ihren Namen von alten Plänen, auf denen der Bau als „Etablissement des Grafen Heinze“ bezeichnet ist.

Dieser Heinze könnte ein Ingenieur und Festungsbauer der preußischen Armee gewesen sein, der beim König Friedrich II. in Ungnade gefallen war.

Das Gebäude stand viele Jahre leer, bevor es 2007 von der Stadt gekauft und 2008 von Andreas Bruns saniert und entwickelt worden ist.

Genau diese Gefahr könnte die Rettung für den Neubau sein. Die Verwaltung hat einen Bebauungsplan vorbereitet, der die Dimension und Nutzung des Neubaus erlauben würde und zu einer neuen Baugenehmigung führen könnte. Bei der Vorstellung dieser Idee im Ortsbeirat kündigte Nachbar Melcher sofort an, auch gegen einen solchen B-Plan zu klagen.

Eine finanzielle Einigung der Nachbarn mit dem Landkreis als Verursacher wäre der zweite Lösungsweg. Dies ist schwierig, weil der Versicherer der Behörde, der Kommunale Schadensausgleich, erst dann zahlt, wenn auch ein regulärer Schaden entstanden ist. Das wäre erst mit dem Abriss der Fall. Laut Jurtzik werde vom Versicherer geprüft, ob trotzdem eine außergerichtliche Klärung möglich ist, mit der man diesem Schadensfall zuvorkommen könnte.

Von Peter Degener

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