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Grippewelle hat Südbrandenburg erfasst

Dahmeland-Fläming Grippewelle hat Südbrandenburg erfasst

In den Arztpraxen schniefen, husten und keuchen die Patienten um die Wette, im Luckenwalder Krankenhaus wurde schon eine Isolierstation eingerichtet: Die Grippewelle hat die Region erreicht – und Experten gehen derzeit nicht von einem raschen Abklingen der Infektionen aus.

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Gegen eine Virus-Grippe hilft nur Bettruhe.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. In der Praxis des Jüterboger Allgemeinmediziners Steffen Thor herrscht seit Tagen das gleiche Bild: Dort sitzen Menschen im Warteraum, die sich irgendwie zum Arzt geschleppt haben, die aber eigentlich ins Bett gehören. Es sind Menschen mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, mit trockenem Husten, zugeschwollener Nase und Übelkeit.

Die Symptome sind meistens eindeutig, die Diagnose von Steffen Thor schnell gestellt: Influenza, Virusgrippe. „Derzeit haben wir täglich zehn bis zwölf Patienten bei uns, denen es richtig schlecht geht“, sagt Thor. Überproportional häufig seien es junge Menschen, nicht geimpft. Denen verschreibt er dann fiebersenkende Mittel und schickt sie nach Hause. Einige ältere Bewohner von Pflegeheimen musste der Hausarzt aber schon ins Krankenhaus überweisen. „Insgesamt ist das bei uns eine spürbare Zunahme von Grippe-Fällen gegenüber dem Vorjahr“, sagt Steffen Thor.

Grippewelle hat die Region voll erfasst

Die Grippewelle, die Anfang des Jahres vor allem in Süddeutschland wütete, hat nun auch die Region Dahmeland-Fläming voll erfasst. Das geht auch aus den Daten der Arbeitsgruppe Influenza des Robert-Koch-Instituts hervor, die mit Arztpraxen zusammenarbeitet und die Ergebnisse von virologischen Analysen auswertet und wöchentlich Berichte zur Ausbreitung der Grippe veröffentlicht. Deren Zahlen legen nahe, dass die Influenza-Fälle in den vergangenen beiden Wochen besonders in Südbrandenburg immens zugenommen haben.

Wie viele Menschen betroffen sind, lässt sich schwer benennen. Die Influenza ist nicht meldepflichtig. Nur wenn vom Arzt ein Rachenabstrich gemacht und zur Untersuchung eingereicht wird, geben die Labore die Ergebnisse an die Gesundheitsämter weiter. Deshalb gibt es eine hohe Dunkelziffer. Da die aber mutmaßlich immer gleich bleibt, lässt sich trotzdem anhand der Meldungen etwas über die Intensität der Welle sagen. Und die scheint enorm zu sein.

Im Januar richtig Fahrt aufgenommen

Bereits Ende Januar meldete der Landkreis Teltow-Fläming eine fünf mal so hohe Zahl von Influenza-Nachweisen wie im Vorjahr. Seit Beginn der Welle wurden Stand Freitag etwa 220 Nachweise ans Gesundheitsamt des Landkreises gemeldet. „Richtig Fahrt aufgenommen hat es im Januar“, sagt der Leiter des Sachgebiets für Hygiene und Umweltmedizin im Landkreis, Hans Floss. In Dahme-Spreewald sieht es auch nicht viel besser aus. Dort wurden innerhalb von zwei Wochen 69 Fälle von Influenza A gemeldet. Amtsärztin Astrid Schumann: „Das ist im Vergleich zu den Vorjahren viel. Die Aktivität der Influenza ist im gesamten Landkreis außergewöhnlich hoch.“

Am stärksten betroffen scheint derzeit der Süden von Teltow-Fläming zu sein. Im DRK-Krankenhaus in Luckenwalde mussten bis Ende dieser Woche bereits 15 Patienten mit nachgewiesener Virusinfektion und schweren Symptomen stationär versorgt werden. Darüber hinaus seien auch zahlreiche Verdachtsfälle aufgenommen worden, heißt es aus dem Klinikum. Die Zahl ist so hoch, dass man im Krankenhaus bereits eine Isolierstation eingerichtet und geplante Eingriffe verschoben hat, um Kapazitäten freizuräumen, wie das Krankenhaus am Donnerstag mitteilte. Geplante Veranstaltungen und Vorträge wurden abgesagt. Mitarbeitern wurde aus Gründen der Vorsicht sogar das Händeschütteln untersagt.

Im Norden der Region sieht die Lage nicht ganz so dramatisch aus. „Auch wir verzeichnen seit Mitte Januar eine Zunahme an Atemwegserkrankungen in allen Altersgruppen, aber wir bekommen die Patienten derzeit ohne besondere Maßnahmen versorgt“, sagt etwa die Sprecherin des Achenbach-Krankenhauses in Königs Wusterhausen, Ragnhild Münch.

Noch kein Fall in Ludwigsfelder Klinik

Im Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde wurde bisher noch gar kein Influenza-Virus nachgewiesen. „Wir wissen, dass wir es mit einer Grippewelle zu tun haben und sind gerüstet. Aber obwohl wir wachsam sind und alle Verdachtspatienten testen, haben wir bisher noch keinen Fall gehabt“, sagt der ärztliche Direktor, Burkhard Schult.

Das könnte sich allerdings noch ändern. Einschätzungen von Experten zufolge steht der Höhepunkt der Welle noch bevor. „Die Aktivität nimmt nach wie vor zu, wir gehen nicht davon aus, dass die Welle innerhalb der nächsten Tage wieder an Intensität verliert“, so Hans Floss

Ärtzte und Gesundheitsämter raten deshalb nach wie vor zur Impfung. Der Impfstoff sei zwar nicht perfekt, gewähren keinen 100-prozentigen Schutz und benötige auch etwa zwei Wochen, bis seine volle Wirkung erreicht wird. „Aber es ist gut möglich, dass die Grippe-Welle noch länger anhält. Wer sich impfen lassen möchte, der sollte daher nicht zögern“, sagt Hans Floss.

Von Oliver Fischer

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