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Groß-Klassen in der Schollschule

Petition der Jüterboger Eltern abgelehnt Groß-Klassen in der Schollschule

Alle Bemühungen der Eltern, die Klassenzusammenlegung ihrer Kinder zu verhindern, haben nichts genützt. Aus drei vierten wurden an der Geschwister-Scholl-Grundschule Jüterbog zwei fünfte Klassen. Mit 27 Kindern und jeweils drei Förderschülern ist zwar die Grenze erreicht, aber eben noch im gesetzlichen Rahmen.

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In der Geschwister-Scholl-Grundschule werden statt drei nun zwei fünfte Klassen unterrichtet.

Quelle: Martina Burghardt

Jüterbog . Fehlende Lehrer bereiten nicht nur den Schulleitungen Kopfzerbrechen. Auch die Eltern der jetzigen Fünftklässler in der Geschwister-Scholl-Schule Jüterbog stecken seit einem halben Jahr tief im Thema, denn die Klassen ihrer Kinder mussten zusammengelegt werden. Aus drei vierten wurden zwei fünfte Klassen mit je 27 Schülern (die MAZ berichtete). Der letzte Versuch, das zu verhindern, war kurz vor den Sommerferien eine Petition an den Landtag Brandenburg. Der Ausschussvorsitzende Henryk Wichmann (CDU) nahm sie in Jüterbog persönlich in Empfang. Die Ablehnung kam Mitte August. Der Petitionsausschuss könne die Bedenken durchaus nachvollziehen, die Klassenzusammenlegung sei jedoch rechtlich nicht zu beanstanden, heißt es in dem Schreiben.

Eltern bei der Übergabe der Petition an Henryk Wichmann (CDU) im Juni

Eltern bei der Übergabe der Petition an Henryk Wichmann (CDU) im Juni.

Quelle: Martina Burghardt

Manuela Marten steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Sie hatte gemeinsam mit anderen Müttern und Vätern an das Bildungsministerium, an den Ministerpräsidenten und an die Generalsekretärin der SPD geschrieben. In drei Tagen sammelten sie 275 Unterschriften in Jüterbog und holten sich dafür den Beistand von Kommunalpolitikern und Landtagsabgeordneten. „Uns geht es nicht allein so“, sagt Manuela Marten, „aber gerade, weil wir kein Einzelfall sind, verstehe ich nicht, dass unser Anliegen kein Gehör findet.“ Trotzdem glaubt sie, dass das Engagement nicht umsonst war. „Man muss zeigen, dass man nicht stillhält“, sagt Manuela Marten und bedankt sich bei allen Unterstützern. In den zwei fünften Klassen lernen nun je 27 Schüler, drei in jeder Klasse müssen besonders gefördert werden. Um vorbereitet zu sein, hatten die Elternvertreter noch vor den Ferien mit der Schulleitung über eine Aufteilung beraten. „Die Schule hat es sich nicht leicht gemacht und sowohl die Lernkompetenz als auch soziale Aspekte berücksichtigt“, berichtet Manuela Marten.

Trotzdem stehen Kinder, Lehrer und Eltern vor einer Herausforderung: neue, große Klassen, die sich erst neu zusammenfinden müssen, und sechs neue Unterrichtsfächer. Dass die zusätzlich gewährten Förderstunden den Bedarf decken, bezweifeln die Eltern. Sie befürchten, dass diese Stunden krankheitsbedingtem Unterrichtsausfall geopfert werden könnten. Außerdem brauchen noch mehr Schüler besondere Unterstützung, ohne dass der Förderbedarf anerkannt wäre.

Und tatsächlich ist eine Lehrerstelle an der Schollschule seit Schuljahresbeginn wegen Krankheit nicht besetzt, wie die Sozialausschussvorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Maritta Böttcher (Linke) jüngst im Hauptausschuss berichtete. Sie kündigte an, dass sich der Sozialausschuss damit beschäftigen wird.

Auch Bürgermeister Arne Raue (parteilos) hatte sich auf die Seite der Eltern gestellt und wird sich über die Situation an der Scholl-Grundschule auf dem Laufenden halten. Beide städtischen Grundschulen in Jüterbog sind voll ausgelastet.

Hintergrund

Das Brandenburger Bildungsministerium berichtet für dieses Schuljahr von 830 neu eingestellten Lehrern inklusive entfristeten Verträgen; 290 Lehrer wurden befristet eingestellt, darunter 46 Seiteneinsteiger.

Die Neueinstellungen zum Schuljahr 2015/16 ersetzen zum größten Teil die etwa 700 ausgeschiedenen Lehrkräfte.

Zusätzliche Lehrkräfte werden benötigt, um insbesondere den Bedarf für die ab diesem Schuljahr gültige Absenkung der Pflichtstundenzahl für Lehrkräfte zu decken.

Ein weiteres Argument, das die Eltern gegen die Klassenzusammenlegung ins Feld geführt hatten, wurde entkräftet: Kleinere Klassen auf dem Land ließen „keinen Schluss auf eine Ungleichbehandlung zu“, heißt es in dem Ablehnungsschreiben von Henryk Wichmann. „In ländlichen Regionen geht es vielfach um den grundsätzlichen Erhalt des Schulstandortes, auch mit im Verhältnis kleinen Klassen.“ Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema hat sich der Eindruck für die Eltern bestätigt: „In Brandenburg wird für die Bildung zu wenig getan“, stellt Manuela Marten fest und fordert mehr Mut zur Veränderung. „Wir werden die Situation beobachten und können jederzeit wieder aktiv werden“, kündigt die engagierte Mutter an.

Von Martina Burghardt

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