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Teltow-Fläming Großbeeren will sich selbst versorgen
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren will sich selbst versorgen
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00:30 26.06.2015
Bisher liefern drei Windräder und mehr als 39 000 Solarmodule Energie von ehemaligen Rieselflächen im Gleisring Neubeeren. Quelle: Jutta Abromeit
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Großbeeren

Solarmodule auf ehemaligen Rieselfeldern, dazwischen Windräder, Solarflächen auf Dächern öffentlicher Gebäude, auf den riesigen Lagerhallen im GVZ oder ganz regionale Blockheizkraftwerke in Neubaugebieten – dem Großbeerener Bürgermeister Carl Ahlgrimm (parteilos) fällt vieles ein, um Strom nicht nur von großen Energieversorgern zu bekommen. Auch wenn der deutsche Börsenstrompreis gerade auf ein 12-Jahres-Tief fiel – hiesige Haushalte zahlen EU-weit den zweithöchsten Betrag für Strom. „Und die nächste Preiserhöhung kommt bestimmt, das trifft Kommunen dann erheblich“, sagt Carl Ahlgrimm. Deshalb arbeite man in der aufstrebenden Gemeinde am Rand der Bundeshauptstadt daran, „energetisch autark zu werden“, erklärt er.

Allerdings dürfe sich das niemand so vorstellen, dass bisherige Versorgungsleitungen des Ortes gekappt würden. „Wir wollen auf unserem eigenen Gebiet in etwa so viel Energie erzeugen, wie der Ort verbraucht“, sagt Ahlgrimm. Ein Konzept Bioenergie-Region, wie es Ludwigsfelde und Trebbin anstrebten, greife für Großbeeren nicht, „weil unsere unbebauten zusammenhängenden Flächen in privater Hand sind“, sagt Ahlgrimm. Außerdem habe er ein Problem damit, das Lebensmittel Mais zur Energiegewinnung anzubauen.

Seine Überlegungen gehen in eine andere Richtung: „Wir haben im Güterverkehrszentrum riesige versiegelte Flächen mit Hallen unter riesigen Dachflächen. Zwar eignen sich die ersten Hallen der 1990er Jahre kaum für Solarmodule, weil die Wände für solche Dachlasten nicht ausgelegt sind, aber heutige Solarmodule sind viel leichter, sie haben keine verzinkten Eisenstreben mehr, sondern sind aus Aluminium“, so der Bürgermeister. „Deshalb suche ich den Tüftler, der Hallen nachträglich mit einer Stütze ausstatten kann, der könnte sich bei uns eine goldene Nase verdienen.“

Hintergrund

In Großbeeren mit seinen Ortsteilen Heinersdorf, Diedersdorf und Kleinbeeren leben derzeit rund 8600 Menschen auf einer Fläche von knapp 52 Quadratkilometern. Der Ort ist eine der Zuzugsgemeinden im sogenannten Berliner Speckgürtel, Anfang der 1990er Jahre hatte er nur 3000 Einwohner, damals noch ohne Ortsteile.

Mit einem Haltepunkt der Anhalter Bahn ist Großbeeren ans Regionalbahnnetz angeschlossen. Per Bus ist Großbeeren mit den Nachbarorten Teltow, Mahlow und Ludwigsfelde verbunden. Mit B 101, L 40, L 76 und Landstraßen ist der Ort für Kraftfahrer gut erschlossen, viele Straßen haben Radwege. Bekanntester touristischer Weg ist der Mauerradweg.


Die 39 215 Solarmodule im Gleisring Neubeeren liefern inzwischen jährlich mehr als zehn Millionen Kilowattstunden Strom, damit können rein rechnerisch 2877 Haushalte versorgt werden. Hinzu kommen 6500 Module auf der ehemaligen Aschedeponie B 101, die liefern rund 1,4 Millionen Kilowattstunden im Jahr – den Durchschnittsverbrauch von etwa 400 Haushalten. Allein das macht mehr Strom aus, als Großbeerens Einwohner verbrauchen, allerdings ohne Firmen.

Mehr Strom kommt von den Windkraftanlagen. Zu den dreien im Gleisring können nach Auskunft des Bürgermeisters noch maximal vier weitere hinzukommen, die Anträge dafür würden gerade gestellt.

Ahlgrimm glaubt, dass die Solar-Nachrüstung auch für private Hausbesitzer und für Dächer der kommunalen Wohnungsbaugenossenschaft lukrativ ist. „Man könnte damit 30 bis 50 Prozent seiner Stromkosten sparen, selbst auf dem Dach von ländlichen Anwesen“, sagt er. Den Gemeindevertretern hat er bereits vorgeschlagen, Investoren mit Vergünstigungen zu locken, wenn sie der Gemeinde ihre Dachfläche für Solarmodule zur Verfügung stellen.

Als weiteren Energie-Baustein sieht der Bürgermeister die Energieversorgung einzelner Komplexe mit der Kraft-Wärme-Kopplung, also mit Blockheizkraftwerken: „Das ist für unseren gesamten Schulkomplex mit Mehrzweckhalle und neuem Hort interessant. Daran ließen sich auch Feuerwehr, Rathaus und Bibliothek anbinden“, sagt er. Auch die Kirche habe bereits Interesse an einem solchen Energiekonzept bekundet.

Einen Zeitplan für das Vorhaben gibt es jedoch noch nicht.

Von Jutta Abromeit

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