Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Großbeeren Siegesfest in Großbeeren gefeiert
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren Siegesfest in Großbeeren gefeiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 31.08.2018
Siegesfest Großbeeren 2018 - 205. Jahrestag des Sieges über die napoleonischen Truppen, hier die Sächsische Artillerie „Alter Stolberg“. Quelle: Jutta Abromeit
Großbeeren

Sven und Christin Ziegler sind zum ersten Mal in Großbeeren, sie und ihre beiden Söhne Lars und Eric erleben, wie Napoleon besiegt wird. Wie andere Vereine und Traditionsgruppen aus Belgien und Tschechien, aus Leipzig oder Heidelberg kam die Sächsische Artillerie „Alter Stolberg“ zum Siegesfest nach Großbeeren.

Auch dieses Jahr haben die Alliierten bei Großbeeren Napoleons Truppen geschlagen – wie 1813 konnte der Kaiser Berlin nicht einnehmen. Das historische Gefecht wurde nachgestellt, der Sieg gefeiert.

Drei Tage lang feierten elf Mitglieder der Stolberg-Artillerie aus dem Südharz mit Akteuren und Gästen den Erfolg, der vor 205 Jahren gegen die napoleonischen Truppen erkämpft wurde. Der Sieg der Alliierten im August 1813 hatte verhindert, dass der französische Kaiser in Berlin einmarschieren konnte.

Erklärungen zwischen dem Gefechtsdonner

Der Sprecher, der am Samstagnachmittag die Gefechtsnachstellung kommentierte, erläuterte zwischen dem Gefechtsdonner einzelne Szenen. Und Besucher jenseits der rot-weißen Flatterbänder erfuhren, dass damals nach der Schlacht Berliner vor die Tore ihrer Stadt kamen; sie wollten beim Versorgen Verletzter helfen oder Verwundete, wenn möglich, zu sich holen. Die Preußen waren einfach dankbar, dass Napoleon Berlin nicht erobern konnte. „Sie wussten, er hätte ihre Stadt dem Erdboden gleichgemacht“, sagte der Sprecher am Rande des Gefechtsfeldes, mit dem Siegesfest werde das Gedenken an die Opfer wachgehalten.

Gestank von Schwarzpulver

Immer wieder donnerte es zwischen Wasserskianlage, Bülow-Pyramide und Kleingärten, immer wieder stank es nach Schwarzpulver, immer wieder vernebelte weißer Rauch die Szenerie. Wer genau in die Leiterwagen neben den Kanonen schaute, der sah dort auch Mehltüten. „Das ist vor allem für die Zuschauer, damit der Qualm besser zu sehen ist“, Christin Ziegler lacht. Während sie als Marketenderin zuschaut, spielen der sechsjährige Lars und die gleichaltrige Marie mit einem Filzmantel. Den Kindern macht es offensichtlich Spaß, dass „was los“ ist und dass sie herumtoben können.

Flaschen im Häkel-Look

Dann ist die Schlacht vorbei und alle ziehen mit Pferd und Kanone, Gewehr und Tornister ins Biwak am Küsterteich, der Zeltstadt aus hellen Baumwoll-Unterkünften für drei Tage. Wo jemand einen Fotoapparat zückt, verschwinden sofort die Flaschen im Häkel-Look. Alkohol-Verbot? Das nicht. Die Stolberg-Artilleristen erklären, dass es 1813 noch kein Flaschenbier und Cola in Plastikflaschen gab. Das Leben ohne Strom und Handy, das gemeinsame Hobby, das Schwatzen mit „Gefechtsgegnern“ und Zeltnachbarn, das sei es, was dieses Freizeit-Leben ausmache, erklärt Toni Fischer. Er ist für dieses Wochenende Chef der Truppe. Die hat genau genommen zwei Hobbys: Das Leben im 18. Jahrhundert, dafür treffen sich Gleichgesinnte in Erinnerung an den Siebenjährigen Krieg in verschiedenen Orten Europas, und das 19. Jahrhundert mit den Befreiungskriegen.

„Das ist Völkerverständigung“

Für beide Epochen haben die Südharzer Uniformen. Wieder lacht Christin Ziegler: „Damit wir uns das als vierköpfige Familie leisten können, haben wir Eltern mit dem Rauchen aufgehört, ein Jugendlicher aus der Gruppe hat sich in Geschichte um zwei Noten verbessert – hat also nur positive Effekte.“ Nach und nach kommen die anderen. Wolfgang Reinke erzählt: „Ich bin geborener Preuße und stelle hier eine Sachsen dar, der anfangs mit Napoleon gekämpft hat.“ Und erklärt, gefühlt zum 1000. Mal: „Was wir machen ist keine Kriegsverherrlichung. Wir treffen uns überall in Europa; wir haben tschechische und wir haben französische Freunde, das ist Völkerverständigung.“

Die wohl Verrücktesten in der Stolberg-Truppe sind Toni und Vanessa Fischer, beide Intensivkrankenpfleger auf derselben Station in Heidelberg. Der Sonnabend ist ihr erster Hochzeitstag. „Geheiratet haben wir auf der Festung Königstein“, erzählt sie. Er ergänzt: „Den Antrag hatte ich ihr vor zwei Jahren bei der Völkerschlacht in Leipzig gemacht, mit einem Dudelsackspieler und einem Trommler dabei.“ Kommen die Stolberger nächstes Jahr wieder nach Großbeeren – und dazu sind sie wild entschlossen – dann soll bei Fischers Nachwuchs dabei sein.

Von Jutta Abromeit

In der Nacht zu Sonntag ist ein 18-Jähriger in einem Auto auf einem Parkplatz an der Teltower Straße in Großbeeren von zwei Männern überfallen worden. Sie raubten eine Musikbox.

27.08.2018

Auch im 205. Jahr nach dem Sieg über die napoleonischen Truppen feiert Großbeeren. Und das ein ganzes Wochenende lang nicht nur mit militärischen Erinnerungen.

24.08.2018

Am Donnerstagabend ist ein Auto auf der B101 zwischen Großbeeren und Heinersdorf in die Leitplanke gefahren. Es wurde schwer beschädigt und musste abgeschleppt werden.

24.08.2018