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Großbeeren Fluch und Segen: das GVZ-Vermögen
Lokales Teltow-Fläming Großbeeren Fluch und Segen: das GVZ-Vermögen
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01:16 28.09.2018
Einer der beiden Portalkräne im GVZ Großbeeren. Dort werden Züge aus den Überseehäfen abgefertigt. Quelle: Jutta Abromeit
Großbeeren

Die relativ reiche Zuzugsgemeinde Großbeeren muss endlich ihre Finanzen auf Vordermann bringen. Darin ist man sich im Wirtschafts- und Finanzaussschuss einig. Doch es gibt ein Problem, das so kein anderer Ort in Brandenburg hat – das für die Gemeinde treuhänderisch verwaltete Güterverkehrszentrum (GVZ). Im Moment weiß immer noch niemand so genau, welchen Wert seine Infrastruktur hat. Doch ohne diese Zahlen geht es nicht weiter.

Eröffnungsbilanz fehlt

Es hängt alles an der sogenannten Eröffnungsbilanz, dem Start in die Doppik-Ära. Diese doppelte Buchführung hatte Brandenburg 2011 seinen Kommunen auferlegt; an einer solchen Eröffnungsbilanz hängen alle späteren Jahresabschlüsse. Auch die fehlen für Großbeeren deshalb noch. Doch für das Vermögen der Riesen-Infrastruktur im GVZ einschließlich der Schwerlast-Brücke über die Anhalter Bahn gibt es bisher keinen belastbaren Wert. Um wie viele Millionen Euro Sondervermögen geht es dabei? Geschätzt sollen es zehn sein.

Einer der beiden Portalkräne über den Gleisanlagen im Terminal für den kombinierten Verkehr Schiene/Straße. Hier werden die bis zu 700m langen Züge aus den Überseehäfen abgefertigt, die Waren vor den Toren der Hauptstadt umverteilt. Betreiber der Anlage ist die DB Netze-Tochter DUSS (Dt. Umschlaggeselslchaft Schien Straße) Foto: Abromeit Quelle: Jutta Abromeit

Das Rechnungsprüfungsamt (RPA) des Kreises Teltow-Fläming hatte die Gemeinde zwar wie berichtet bereits im April 2017 mit etlichen Hinweisen gemahnt. Doch inzwischen habe man auch dort die Dimension des Problems erkannt, wie so ein Vermögen in den Gemeindehaushalt von Großbeeren zu überführen sei, erklärte Sandra Bennek aus der Kämmerei Großbeeren am Dienstagabend den Ausschuss-Mitgliedern. Von 50 bis 60 Detailfragen seien inzwischen nur noch acht übrig, so Bennek, aber das Sondervermögen GVZ sei das gravierendste Problem dabei. Und sie sagte, das Rechnungsprüfungsamt habe sogar selbst vorgeschlagen, dieses Thema erst mal rauszulassen. „Doch das würde das ganze Problem nur verschieben“, so die Kämmerei-Vertreterin im Ausschuss.

Präzedenzfälle fehlen

Der Ausschussvorsitzende Helmut Barthel (SPD) erklärte, was noch an dieser Klärung hängt: „Würde sich der Fördermittelgeber, also das Land, stur stellen, müsste unter Umständen viel Geld zurück gezahlt werden.“ Auch das sei ein wichtiger Grund, weshalb die Eröffnungsbilanz endlich auf den Tisch kommen müsse. Weil sowohl Gemeinde als auch das RPA überfordert seien, soll nun ein privates Unternehmen beauftragt werden, so Barthel. „Dazu brauchen wir von der Verwaltung bis Oktober Angebote, damit der Auftrag rausgehen kann.“ Barthel betonte jedoch, es gehe nicht um Misstrauen. „Es ist alles sauber gelaufen, das ist nicht die Frage“, sagte er. „Aber wie wird Sondervermögen in einen offiziellen Gemeindehaushalt übertragen?“ In dieser Größenordnung gebe es keine Präzedenzfälle. Auf die MAZ-Nachfrage, wie das bei den anderen GVZ im Lande sei, sagt Barthel der auch im Landtag sitzt: „Bei denen gibt es andere finanzielle Konstellationen.“

Auch diese Brücke über die Anhalter Bahn gehört zum Sondervermögen der Gemeinde Großbeeren; hier der Blick im GVZ von einem der beiden Portalkräne über den Gleisanlagen im Terminal für den kombinierten Verkehr Schiene/Straße. Foto: Abromeit Quelle: Jutta Abromeit

Die Potsdamer Firma IPG ist im Auftrag der 8800-Einwohner-Gemeinde Großbeeren Projektentwickler und Betreiber des voll belegten GVZ mit seinen inzwischen fast 10 000 Arbeitskräften. Jährlich steht dafür etwa eine Viertelmillion Euro im Gemeindehaushalt, die Großbeerener Steuereinnahmen stammen zum Großteil von den GVZ-Firmen.

In diesem Jahr hatte die Gemeinde einen Rekord-Etat von 17 Millionen Euro plus mehr als zehn Millionen Euro an Investitionen verabschiedet.

Von Jutta Abromeit

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