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Großbeeren Neuer Bürgermeister Borstel 100 Tage im Amt
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01:17 10.09.2018
Tobias Borstel: „Leere Schränke – ich denke mir das nicht aus.“ Quelle: Foto: Abromeit
Großbeeren

Im Januar gewählt, seit 1. Juni im Amt – für Tobias Borstel (SPD), den Bürgermeister Großbeeren, sind am Samstag die ersten 100 Tage als Rathauschef vorbei. Wie mehrfach berichtet, ist die 8800-Einwohner-Gemeinde zurzeit politisch tief gespalten.

Vorige Woche hat Sie eine knappe Gemeinderatsmehrheit beauftragt, einen Beschluss zur
Beschneidung der Bürgermeister-Befugnisse
bei Personalentscheidungen vorzulegen – was tun Sie?

Tobias Borstel: Wie angekündigt lasse ich diesen von CDU, FDP und Linke initiierten Beschluss prüfen. Ich hoffe, das Ergebnis bestätigt die Unrechtmäßigkeit, dann werde ich die Beanstandung auf den Weg bringen. Das Umsetzen solch einer Beschränkung des Hauptverwaltungsbeamten einer Kommune wäre nicht nur völlig ungewöhnlich, damit könnte Großbeeren auch seinen Arbeitsstau auf vielen Gebieten nicht so schnell abbauen, wie es nötig ist.

Vita Tobias Borstel

Tobias Borstel ist 36 Jahre alt, verheiratet, hat drei Kinder, wohnt in Potsdam und lebt derzeit in Trennung.

2004 ist er in die SPD eingetreten.

Zwischen 2003 und 2009 ist er Mitarbeiter bei Fernsehproduktionen öffentlich-rechtlicher Sender, so bei „Sabine Christiansen“, „Anne Will“ und „Hart aber Fair“.

Ab 2003 arbeitet er im Deutschen Bundestag, so 2009 bei der SPD-Bundestagsabgeordneten Margrit Spielmann, 2009 bis 2017 bei Frank-Walter Steinmeier; 2009 und 2013 gehörte er zu dessen Wahlkampfstab.

2012 schließt er an der Universität Potsdam ein Studium als Diplom-Verwaltungswissenschaftler ab.

Den ersten Wahlgang um das Bürgermeisteramt in Großbeeren am 14. Januar gewinnt er mit 41,8 Prozent der Stimmen gegen CDU-Kandidat Uwe Fischer (41 Prozent) und FBB-Kandidat Michael Voigt (17,2 Prozent). Bei der Stichwahl am 28. Januar entfallen 52,2 Prozent der Stimmen auf Borstel, damit ist er Amtsnachfolger von Carl Ahlgrimm (CDU), der nicht für eine dritte Amtszeit kandidiert hatte.

Heißt das, das Sie bis zu einer Entscheidung kein Personal einstellen?

Um Himmels Willen. Die Verwaltung muss doch arbeiten können. Aktuell sind Protokolldienst und Buchhaltung neu besetzt, ausgeschrieben sind Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und ab kommender Woche auch eine geplante Stelle für Satzungsangelegenheiten.

Haben Sie oder die SPD im Ort organisiert, dass zu dieser Gemeinderatssitzung mehr als 100 Bürger kamen, die gegen diese Beschluss-Idee wetterten?

Nein, nicht dass ich wüsste. Davon war auch ich ehrlich überrascht. Gehofft hatte ich auf 30, vielleicht 40 Gäste.

Was ist aus der Strafanzeige Ihres Amtsvorgängers Carl Ahlgrimm (CDU) gegen Sie geworden, der Ihnen Verletzung im Umgang mit Verwaltungsdaten vorwirft?

Die Anzeige läuft, mein Anwalt informiert mich über den jeweiligen Stand.

Gab es angesichts der verbissen geführten Kommunalpolitik inzwischen Momente, in denen Sie Ihre Kandidatur bereuten?

Das nicht. Aber die ersten drei Tage kamen mir vor wie drei Wochen und die ersten drei Monate wie drei Jahre. Doch ich zweifle nicht, dass es besser wird. Nur, dass der tägliche Zeitaufwand wie in diesen ersten 100 Tagen kein Dauerzustand sein darf, das ist mir bewusst.

Waren bei Ihrem Amtsantritt im Rathaus die Aktenschränke wirklich leer?

Ich denke mir doch so was nicht aus. Hier – nur alte Haushaltspläne von Jahrzehnten und leere Ordner. Ich habe nach dem Einwurf meines Vorgängers, dass das nicht wahr sei, bei den Mitarbeitern intern abgefragt, ob sie die Schriftsätze wie erklärt in ihre Bereiche übergeben bekommen hatten. Es kamen nur Rückmeldungen mit „Nein“. Was ich im Moment hier im Rathaus an Aufbruchstimmung erlebe, lässt mich vorsichtig optimistisch sein. Etliche Mitarbeiter muss ich in ihrem Elan fast bremsen.

Viele Großbeerener befürchten, dass die politischen Grabenkämpfe noch bis zur Kommunalwahl im nächsten Jahr weitergehen. Wie wollen Sie die Situation befrieden?

Die Politik soll Politik machen. Wir im Rathaus müssen endlich arbeiten und die Herausforderungen meistern. In meinem ersten Monat habe ich zum Beispiel Dienstbesprechungen eingeführt, die gab es bisher nicht.

Das passiert im Rathaus. Wie wollen Sie die Situation im Ort befrieden?

Mit transparenter Verwaltungsarbeit, die hoffentlich bald Erfolge sichtbar werden lässt und damit auch Kritiker überzeugt. Ich wünsche mir eine Stimmung wie am 13. August beim Gedenken an den Jahrestag des Mauerbaus – da ging es ungeachtet aller Grabenkämpfe um eine Sache. Dieses Zusammenstehen wünsche ich mir auch für unsere anstehenden Großprojekte.

Sie meinen den Schulerweiterungsbau oder den Kita-Neubau an der Bahnhofstraße?

Zum Beispiel. Aus meiner Sicht ist es aber auch wichtig, den zurzeit unattraktiven Gutshof als Herz von Großbeeren gemeinsam zu gestalten. Dann erledigen sich vielleicht etliche derzeitige Sorgen von Vereinen und Initiativen, denen Veranstaltungsräume fehlen.

Und was ist mit Wohnbau-Entwicklungsflächen wie dem Gutspark Heinersdorf oder dem Areal An den Saufichten, das heute Nördliches Ruhlsdorfer Feld heißt? Daran hatte sich doch der ganze Streit vor Jahren entzündet, weil der Verkauf von 51 Prozent Anteilen der Wohnungsbaugesellschaft keine Mehrheit gefunden hatte.

Bei diesen Riesenvorhaben müssen wir Schritt für Schritt gehen. Zuerst muss der Gemeinderat eine Grundsatzentscheidung treffen, welche innerstädtische Entwicklung wir überhaupt nehmen wollen.

Und Projekte auf diesen bis zu 20 Hektar großen Arealen kann die kommunale Wohnungsbaugesellschaft stemmen?

Wenn sie entsprechend gestärkt wird, dann ist das durchaus möglich.

Sie waren von der SPD als Potsdamer und ganz bewusst als jemand von außen zum Bürgermeister-Kandidaten gekürt worden. Jetzt sind Sie Bürgermeister von Großbeeren – ziehen Sie dorthin um?

Warum fragen das immer alle... Wenn sich die politische Situation im Ort beruhigt hat und ich mich endgültig eingearbeitet habe, dann ist auch wieder Zeit für private Überlegungen.

Sie haben Ihr erstes Siegesfest in Großbeeren hinter sich – wie war es?

Beeindruckend. Tausende Menschen liefen beim Fackelumzug gemeinsam durch unseren Ort; die Gefechstsdarstellung, das Biwak, der Markt, das Volksfest, die Veranstaltungen in und an der Kirche – es gab so viel ehrenamtliches Engagement für ein in meinen Augen erfolgreiches Fest. Ich bin beeindruckt, wie sich alle ins Zeug gelegt haben, ob Feuerwehrförderverein, Kirchengemeinde, Bürgertisch oder Festkomitee, und ebenso von den Kräften, deren Einsatz wir immer für selbstverständlich halten: Polizei, Ordnungsamt und den Kameraden der Feuerwehren, die trotz der Einsätze in Treuenbrietzen auch hier vor Ort so viel geleistet haben. Diese Identität, dieses Wir-Gefühl sollten wir pflegen.

Von Jutta Abromeit

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