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Große Sorgen um die Heimat

Griechen in Dahmeland-Fläming sehen der Woche mit gemischten Gefühlen entgegen Große Sorgen um die Heimat

Griechenland steht vor dem finanziellen Kollaps. Es droht im schlimmsten Fall die Zahlungsunfähigkeit. Die Griechen in der Region Dahmeland-Fläming sehen der entscheidenden Woche im Poker mit der Europäischen Union gespalten entgegen. Einige befürworten den Austritt, andere erinnern an den europäischen Grundgedanken.

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Dahmeland-Fläming. Apostolos und Nektarios können die Bilder nicht mehr sehen. Bilder aus ihrer Heimat, aus dem derzeitigen Krisenland Griechenland. Menschen vor den Bankautomaten hoffen auf neues Geld, während das Land mehr oder weniger kurz vor der endgültigen Pleite steht. Und Europa den Griechen und Ministerpräsident Alexis Tsipras grade den Schwarzen Peter zuschiebt. Wieder einmal sind die Verhandlungen mit den Gläubigern gescheitert, seit Beginn der Woche haben die Banken deshalb dicht gemacht. Die Menschen kommen pro Tag nur noch an Mini-Beträge von bis zu 60 Euro heran. Gerade in den Großstädten führe das aufgrund der steigenden Preise für viele zu einer Katastrophe, sagt Nektarios, der ebenso wie sein Kollege seinen Nachnamen nicht nennen will.

„Eigentlich“, sagt Apostolos, „sind wir Griechen ein fröhliches Volk.“ Doch gerade jetzt hat Apostolos nichts zu lachen. Er und Nektarios arbeiten im Zeesener Restaurant „Ikaros“ und verfolgen die Neuigkeiten aus ihrem Heimatland permanent. „Immer wenn ich zuhause bin, läuft das griechische Fernsehen“, sagt Nektarios. Seit 1988 ist er in Deutschland und hat sich hier eine Existenz aufgebaut. Die Krise, sagt er, sei hausgemacht und beruhe vor allem auf den Fehlern der vorangegangenen Regierungen. Korruption, Vetternwirtschaft und falsche Entscheidungen in allen Bereichen hätten dazu beigetragen.

Auch die Maßnahmen der Troika, dem Konglomerat aus Internationalem Währungsfonds, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank, hält er für überhaupt nicht umsetzbar. „Wie soll man den Leuten noch mehr Geld nehmen, wenn sie eh nicht mehr viel haben“, sagt Nektarios. Die Durchschnittsrenten seien schon jetzt auf einem niedrigen Niveau. Da käme die Forderung von Tsipras schon gut im Volke an, das Geld von dort zu holen, wo es wirklich vorhanden sei. Bei den Reichen und denjenigen, die sich mit der Krise ein Vermögen angehäuft haben. Vor allem in den Gesprächen mit der Familie ist die Krise ein großes Thema. „Meine Eltern bekommen Rente und ich frage regelmäßig, ob ich ihnen Geld schicken soll“, sagt Apostolos. Bisher hätten seine Eltern die Hilfe noch nicht in Anspruch nehmen müssen. Zum Glück.

Beide haben bei den fast jährlichen Besuchen in der Heimat auch festgestellt: So richtig kalt lassen kann einen die Griechenkrise nicht. Im Zeesener Restaurant sind sie verschiedener Auffassung, wenn es um die Zukunft ihres Heimatlandes geht. Ein direkter Austritt aus dem Euro wäre für Nektarios der direkte Weg in die Katastrophe. Er befürwortet einen weiteren Verbleib in der Europäischen Währungsunion, während sein Kollege Apostolos die Rückkehr zur Drachme favorisiert. Es wäre nach seiner Ansicht ein Neustart. Aber ein Neustart, bei dem man nicht sagen könne, ob der Erfolg garantiert sei.

Dieser Ansicht ist auch Perikles Kesoglou. Der Restaurantinhaber aus Luckenwalde kennt derzeit auch nur ein Thema: die Schuldenkrise. „Die aufgenommenen Kredite sind nie bei den kleinen Leuten angekommen“, sagt der Geschäftsmann. Daher sei das Unverständnis groß bei den Griechen darüber, dass sie nun auf viel Geld verzichten sollen und stattdessen die defizitären Kassen zu füllen und die Gläubiger zu bedienen hätten.

Der aus Thessaloniki stammende Wirt fordert eine Rückkehr zur Drachme und hält die Euroeinführung in Griechenland für den größten Fehler. „Damals wurde es einfach durchgewunken, ohne auf irgendwelche Sicherheiten zu bestehen.“ Jetzt sorgt ihn die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 23 Prozent. Dies könne keiner so richtig verstehen. „Ich sehe, was los ist. Die Leute haben so oder so nichts vom Euro“, betont er. Daher sei der Austritt der einzig richtige Schritt.

Glücklicherweise, sagt er, sei seine Familie nicht so sehr von den Einsparungen und der wachsenden Armut betroffen. „Wir wohnen in einem kleinen Dorf. Da bauen wir selbst an, haben Tomaten, Käse, Milch. Uns geht es soweit gut.“, sagt er und die Erleichterung in seiner Stimme ist deutlich wahrzunehmen. Seit 1969 lebe er in Deutschland und schon damals war Griechenland in der Krise, erklärt Kesoglou. Was die Troika mit Griechenland vorhabe, das wisse er nicht. Ebenso wisse er nicht ,wie das Referendum am Sonntag ausgehen werde, bei dem Ministerpräsident Alexis Tsipras von der linken Syriza-Partei die Unterstützung für seine Politik erbittet.

Das Vertrauen in die Politik hat während der jahrelang andauernden Krise Georgis Iordanidis verloren. „Politik versteht man nicht, die Zeit ist viel zu kostbar, darüber zu reden“, sagt er. Iordanidis betreibt in Ludwigsfelde das Restaurant „Korfu“. Es sei einfach „totaler Schwachsinn“, was gerade in Griechenland passieren würde. Seine Idee lautet: so schnell wie möglich raus aus dem Euro. Dann müssten sich die Griechen nicht den Europäern beugen und vor allen Dingen nicht kontrollieren lassen.

Nektarios, der Kellner aus Zeesen, hält gerade die europäische Lösung für die richtige. „Wenn einer in der Familie Mist baut, muss man ihm helfen und ihn nicht fallen lassen“, sagt er und hofft, dass er Recht behalten wird.

Von Marcel Jarjour

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