Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Großfamilie mit kleinem Sorgenkind

Zossen Großfamilie mit kleinem Sorgenkind

Nach einem Unfall im Haushalt hat der kleine Joel Schwarze praktisch aufgehört zu sprechen. Ein Schlag für die Schwarzes, die schon so genug zu kämpfen haben, um den Alltag der Großfamilie zu bewältigen.

Voriger Artikel
KMS will zehn Millionen Euro investieren
Nächster Artikel
Bauarbeiten auf diversen Bahnstrecken

Diana, Pascal, Jasmin, Justin, Chantal und Andreas Schwarze (v. l.), der Joel auf dem Schoß hat.

Quelle: Oliver Fischer

Zossen. Joel ist ein kleiner Rabauke, rotbraune Haare, freches Grinsen, immer mobil, immer einen kleinen Streich im Sinn. Er ist aber auch das Sorgenkind von Familie Schwarze – und wer Joel eine Weile beobachtet, der weiß schnell warum. Der Junge spricht wenig, und was er sagt, versteht man kaum. Wenn man Joel nach seinem Alter fragt, hält er drei Finger in die Luft. Dabei ist er längst fünf. Er reiht keine Worte aneinander, wie andere Kinder seines Alters, er sagt höchstens eines. Onkel. Trinken. Tasse.

Verhängnisvoller Sturz

Das ist alles die Folge seines Unfalls, sagt Mama Diana Schwarze. Besagter Unfall liegt inzwischen drei Jahre zurück. Joel war damals noch ein Kleinkind. Er war im Haus mit einem Laufwagen unterwegs, der ihn allerdings mobiler machte, als es an diesem Tag gut war. Joel stürzte samt Laufwagen die Kellertreppe hinunter. „Wir dachten erst, der Sturz sei glimpflich ausgegangen und Joel hat nur ein blaues Auge abbekommen“, sagt Diana Schwarze. Aber das bis dahin durchaus plapperfreudige Kind hörte fortan auf zu sprechen – und mit der Zeit kristallisierte sich heraus, dass die Verletzung am Kopf wohl doch ernsterer Natur war.

Die Schwarzes brachten Joel zu mehreren Ärzten, sie fuhren nach Potsdam mit ihm, das Kind wurde in einer Klinik durchgecheckt, eine konkrete Diagnose steht immer noch aus. Klar ist aber schon jetzt: Joel hängt in der Entwicklung mindestens zwei Jahre hinterher, er wird wohl auch nie eine normale Schule besuchen können. Derzeit besucht er eine Integrationskita in Ludwigsfelde, die Familienhelferin rechnet damit, dass er später eine Einrichtung für Kinder mit geistiger Behinderung besuchen muss.

Das macht für Diana Schwarze einen Alltag komplizierter, der ohnehin schon nicht einfach ist. Die 35-Jährige muss schließlich eine Großfamilie managen. Da ist Sohn Pascal, 16, der viel Zeit bei der Zossener Feuerwehr verbringt, der gerade seine Schule beendet hat und gerne eine Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr machen möchte. Da sind die beiden Töchter Jasmin (14) und Chantal (12), die beide die Förderschule in Ludwigsfelde besuchen. Und da ist der achtjährige Justin, der in Zossen zur Schule geht, und den Mutter Diana in seinem Elan auch manchmal einbremsen muss.

Schwierige Arbeitssuche

Sie alle helfen, wenn es darum geht, sich um Joel zu kümmern, sie sind weitgehend selbstständig – aber trotzdem brauchen sie auch selbst eine Menge Fürsorge. Diana Schwarze ist deshalb seit nunmehr fünf Jahren zuhause, auch weil es schwer ist, eine Arbeit zu finden, die zu ihrer Situation passt, sagt sie. Die Zeiten müssten flexibel sein, damit sie bei Bedarf sofort zu Joel nach Ludwigsfelde fahren könnte. Der Job dürfte auch nicht bis in den Abend reichen und er müsste ihr überhaupt die Möglichkeit lassen, das Leben der Großfamilie zu organisieren. Die Branchen, in denen Diana Schwarze früher gearbeitet hat, fallen damit praktisch aus. Das waren der Verkauf und die Altenpflege.

Geld verdient derzeit im Hause Schwarze nur ihr Mann Andreas. Der arbeitet bei einer Reinigungsfirma und putzt im Schichtdienst das Edeka-Großlager in Mittenwalde. Mal früh, mal spät, dann wieder nachts.

Dass man dabei nicht reich wird, ist klar. Die Familie stockt auf, auch mit Kindergeld reicht es gerade so. „Wir müssen jeden Cent doppelt und dreifach umdrehen“, sagt Diana Schwarze. Wenn die Waschmaschine kaputt geht oder das Auto streikt, dann ist schon mal Krisenstimmung angesagt. Dass Pascal, der Große, hin und wieder eine Aufwandsentschädigung für seine Einsätze bei der Feuerwehr bekommt, hilft. Aber so viel ist das auch nicht. „Wenn dann die Kinder Dinge im Fernsehen oder bei ihren Freunden sehen und die Wunschlisten für Weihnachten lang und länger werden, bekomme ich natürlich ein Problem“, sagt Diana Schwarze.

Wünsche und Bedürfnisse

Chantal und Justin wünschen sich zum Beispiel Fahrräder, Jasmin ist großer Fan von Mark Forster und hätte gerne ein paar CDs. Jasmin liebt Lego, sie hätte auch gerne ein Telefon, um mit ihren Freundinnen kommunizieren zu können. Und Joel würde sich über neue Bettwäsche freuen.

Natürlich sind die Kinder das Wichtigste zu Weihnachten, aber auch die Eltern haben Bedürfnisse. Die Sofa-Landschaft etwa, auf der die Familie ihre Abende verbringt, war eine abgelegte Garnitur von Bekannten. Inzwischen sind die Nähte aufgeplatzt, das Füllmaterial quillt an einigen Stellen heraus. „Es wäre schon schön, wenn wir das mal ersetzen könnten“, sagt Diana Schwarze. Gleiches gilt für das elterliche Bett. Die Schwarzes träumen davon, sich mal ein neues leisten zu können. Am liebsten ein Futon.

Weihnachten für Familien in Not

Die Weihnachtsaktion der MAZ in Kooperation mit dem DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald soll Familien in Not unterstützen.

Weiterer Unterstützer ist in diesem Jahr der Shia-Landesverband. Hinter dem Kürzel Shia verbirgt sich der Vereinsname Selbsthilfeinitiative Alleinerziehender e. V. Dieser hat seinen Sitz in Königs Wusterhausen. Shia setzt sich auch in den Landkreisen Dahmeland-Fläming für Alleinerziehende ein.

In diesem Jahr führt der MAZ-Regionalverlag Dahmeland-Fläming die Sterntaler-Aktion bereits zum fünften Mal durch.

Das Spendenkonto wird vom DRK verwaltet, das auf Wunsch Spendenquittungen ausstellt.

Konto für die Sterntaler-Spenden: DRK Fläming-Spreewald. IBAN: DE30 1605 0000 3633 0275 39, Stichwort: Sterntaler.

Die MAZ veröffentlicht die Namen der Spender im Laufe der Aktion.

Ist das nicht gewünscht, kann dies bei der Überweisung entsprechend im Verwendungszweck angegeben werden.

Von Oliver Fischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg