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Gründerzeit 4.0

Dahmeland-Fläming Gründerzeit 4.0

Die Region Dahmeland-Fläming gilt auch deshalb als wirtschaftlich stärkste und dynamischste Region in Ostdeutschland, weil sie Firmengründern einiges zu bieten hat. Ein Jungunternehmer berichtet von seinen Erfahrungen.

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Seit Juli Geschäftsführer: Io-Serv-Mitgründer André Dworschak in seinem Büro in Wildau.

Quelle: Oliver Fischer

Dahmeland-Fläming. Dass seiner Firma noch der letzte Feinschliff fehlt, will André Dworschak, 39 Jahre alt und Geschäftsführer des Wildauer Unternehmens Io-Serv, gar nicht bestreiten. Gerade eben hat der Paketbote angerufen, weil er die Io-Serv-Zentrale mal wieder nicht gefunden hat. In den Büros sieht es auch noch etwas steril aus. In einer Ecke stehen volle Kisten, in der anderen strahlen die Wände noch etwas arg weiß. „Wir suchen noch Bilder“, sagt Dworschak.

Das hat nicht nur ästhetische Gründe, es muss auch etwas gegen den Hall getan werden, der besonders beim Telefonieren nervt. Ansonsten gibt es für André Dworschak und seinen Geschäftspartner Martin Kuhl aber wenig Grund zum Klagen. Die Auftragslage stimmt, die Firma hat schon vier Angestellte mehr als bei der Eröffnung im Juli. „Wir hatten sehr gute erste drei Monate und liegen voll im Businessplan“, sagt Dworschak zufrieden.

Eine von vielen Erfolgsgeschichten

Io-Serv, ein Unternehmen, das Planer und Bauherren zu technischer Gebäudeausrüstung berät, hat die Anfangsschwierigkeiten überwunden und ist nun bemüht, sich am Markt zu etablieren. Damit gehört die sieben Mann starke Firma zu den Erfolgsgeschichten der Wirtschaftsförderung in der Region Dahmeland-Fläming – und es ist eine von vielen.

In der Region, die gerade im aktuellen „Focus“ wieder als stärkste und wirtschaftlich dynamischste Region Ostdeutschlands gepriesen wird, kann das kaum verwundern. Zwar klagt die Wirtschaft auch im Berliner Speckgürtel fortwährend über Fachkräftemangel, die nahe gelegene Hauptstadt saugt Potenzial ab und im ländlichen Raum schließen Handwerksbetriebe, weil sie keine Nachfolge finden. Trotzdem gibt es zwischen Schönefeld und Dahme überall junge Leute, die selbst wirtschaftliche Verantwortung übernehmen und Unternehmen gründen wollen.

Allein in Teltow-Fläming sind in den vergangenen drei Jahren insgesamt 262 neue Handwerksbetriebe in die Handwerksrolle eingetragen worden. Die Tendenz ist zwar rückläufig - aber immerhin. Die Lotsendienste von Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald begleiten zusammengenommen jedes Jahr etwa 100 Unternehmen bis zur Büroeröffnung. Und das Potenzial für weitere Gründungen wird von der IHK als groß eingeschätzt. Die Rahmenbedingungen seien in der Region bestens, heißt es allerorten.

Gründerypen haben sich verändert

Zu denen, die diese Bedingungen schaffen, gehört Marion Schirmer. Als Ansprechpartnerin für den Lotsendienst Dahme-Spreewald begleitet sie seit 15 Jahren die Aspiranten durch den harten Teil der Gründungsphase. Sie vermittelt Fördermittelberatung und ein mehrtägiges Unternehmer-Training. Sie hilft bei Formalitäten und Papierkram. Die Gründer seien heute aber andere Typen als früher, sagt sie. „Vor zehn Jahren waren viele Leute dabei, die aus der Not heraus eine Ich-AG gegründet haben. Heute kommen viele aus einer Erwerbssituation, sie haben eine andere Motivationslage.“

Es ist weniger der Mut der Verzweiflung, der sie antreibt, als vielmehr eine Idee und der Glaube an die eigene Persönlichkeit. „Eine erfolgreiche Gründung ist heute auch weitaus anspruchsvoller, weil sich die Marktbedingungen geändert haben“, sagt sie. Wer kein Verständnis für die Digitalisierung aufbringt, habe es sogar als Handwerker schwer. „Selbst wenn ein Ladenbauer eine Geschäftseinrichtung konzipiert, wird das über 3-D-Animationen gemacht.“

André Dworschak und sein Geschäftspartner Martin Kuhl sind in dieser Hinsicht geradezu typische Gründer. Sie kommen beide aus der Technologie-Branche, haben zuvor mehrere Jahre bei einem großen Berliner Anbieter für digital gesteuerte Haustechnik gearbeitet und sich dann entschieden, eine eigene Firma auszugründen. Sie hätten dafür gut in Berlin bleiben können, sagt Dworschak. Berlin ist immerhin die Hauptstadt der Start-Ups. Wer im Internet groß werden will, kommt am dichten Netzwerk der Metropole kaum vorbei, und bei viel Publikumsverkehr macht sich eine Adresse in Friedrichshain ebenfalls gut. Für die Io-Serv-Gründer waren aber andere Aspekte wichtiger.

Gut angebunden und günstig

„Wir wollten einen Standort, der verkehrstechnisch gut angebunden und trotzdem nicht teuer ist“, sagt Dworschak. In dieser Hinsicht sei Wildau kaum zu schlagen gewesen. Das Technologie- und Gründerzentrum, in dem die Firma nun sitzt, hat die S-Bahn direkt vor der Tür. Wildau besitzt Autobahnanschluss, der Flughafen ist auch nicht weit. „Und nebenan liegt die Fachhochschule, die genau das ausbildet, was wir machen.“

Hinzu kämen die Angebote der Wirtschaftsförderung. Die Miete für die Gewerberäume liege zudem deutlich unter dem, was man etwa in Adlershof zahlt. Und auch sonst lohne sich der Standort. „Wildau hat europäische Förder­höchstsätze“, so Dworschak.

Wenn er über die Unterstützung für Unternehmer in der Region spricht, fallen deshalb auch Formulierungen wie „perfekt“, „fabelhaft“ und „sehr, sehr gut“. Eine Einschätzung, die viele teilen.

Beratung rundum

Tatsächlich kann, wer sich in der Region selbstständig machen will, sich seine Helfer, Berater und Unterstützer selbst aussuchen. Die Arbeitsagentur bietet einen Gründerservice für Arbeitslose an. Die Handwerkskammer stellt kostenlos Betriebsberater zur Verfügung. Die IHK bietet in ihren Regionalcentern ebenfalls einen Rundumservice für Neugründer. Und wer sich nirgends richtig aufgehoben fühlt, der kann zu den Wirtschaftsförderern der Landkreise gehen, die ebenfalls mit qualifizierten Beratern aufwarten. Beim Landkreis Dahme-Spreewald besteht da sogar noch die Chance, über das Kleinkreditprogramm ein Darlehen von bis zu 10 000 Euro zu bekommen.

Bertil Haack, Professor an der TH Wildau und Dekan im Fachbereich Wirtschaft, Informatik und Recht, hebt die individuelle Betreuung hervor, die junge Gründer in Brandenburg bekommen. Diese könne durchaus ein Argument dafür sein, seine Studenten in der Region zu halten, sagt er. Zwischen 20 und 40 Absolventen der TH wagen jedes Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit – und auch sie können in der Hochschule einen Gründerservice in Anspruch nehmen, nebst der guten technischen Infrastruktur.

Dass das alles noch kein Garant für den Erfolg ist, weiß auch André Dworschak. „Jetzt liegt es an uns“, sagt er. Die hoffnungsfrohe Botschaft kommt von Marion Schirmer. Sie sagt, dass 82 Prozent der Unternehmen, die ihr Lotsendienst seit dem Jahr 2000 begleitet hat, noch immer am Markt sind.

Von Oliver Fischer

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