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Grüne Berufe sind gefragt

Dahmeland-Fläming Grüne Berufe sind gefragt

Entgegen dem Trend freut sich die Agarbranche über steigendes Interesse an den sogenannten „Grünen Berufen“. Falsche Berufsvorstellungen führen jedoch häufig zum Abbruch der Ausbildung. Umso wichtiger ist eine gute Vorarbeit.

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Längst hat modernste Technik auch in der Landwirtschaft Einzug gehalten – dies macht den Beruf für viele Bewerber interessanter.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung in einem der sogenannten „Grünen Berufe“. Das geht aus einer Pressemitteilung des Verbandes Pro Agro zur Förderung des ländliches Raumes hervor. Demnach stieg in Brandenburg die Zahl der Auszubildenden in den „Grünen Berufen“ von 481 im Jahr 2014 auf 604 zum Jahresende 2015. Zu den „Grünen Berufen“ gehören vor allem die Land- und Forstwirtschaft, Gärtner, Revierjäger und Tierwirte. Aber auch die Brenner, Winzer und Milchtechnologen zählen dazu. Die gesamte Palette der Berufe in der Agarbranche ist aber noch weitaus größer.

Für die Kreisbauernverbände sind die Zahlen ein positives Zeichen. „Das steigende Interesse zeigt, dass unsere Arbeit nun endlich Früchte trägt“, sagt Borjana Dinewa vom Bauernverband Südbrandenburg. In der Vergangenheit hätten die Agrarverbände deutlich stärker als zuvor versucht, auf Messen und Ausbildungsbörsen für die „Grünen Berufe“ zu werben. Anscheinend mit Erfolg. „Bei einigen Betrieben hatten wir sogar einen Bewerberüberschuss und mussten die Kandidaten dann an andere Betriebe weiterleiten“, erläutert Borjana Dinewa. Eine solche Situation gab es schon länger nicht mehr.

Land- und Tierwirt sind beliebte Ausbildungsberufe

Derzeit werden im Einzugsgebiet des Bauernverbandes Südbrandenburg 71 junge Menschen in landwirtschaftlichen Berufen ausgebildet. Besonders beliebt sind die Berufe des Land- und Tierwirts. So lassen sich allein 54 zum Landwirt ausbilden. Auffällig ist, dass es insgesamt mehr Männer als Frauen sind, die es in die „Grünen Berufe“ zieht. Von den 71 Auszubildenden sind gerade einmal 14 weiblich.

Das Wichtigste sei immer wieder, den Bewerbern zu erklären, wie genau die einzelnen Berufsbilder aussehen und welche Aufgaben sie während ihrer Ausbildung und im späteren Berufsleben erwarten werden. „Viele denken, dass man beim Beruf des Tierwirts einfach den ganzen Tag Tiere füttert und streichelt. Das hat aber natürlich nichts mit der Realität zu tun“, sagt Borjana Dinewa.

Viele Azubis brechen die Ausbildung ab

Gehen Bewerber mit falschen Vorstellungen in die Ausbildung, stellen sie schnell fest, dass der Beruf eigentlich doch nicht zu ihnen passt. Die Folge ist oft genug: Sie brechen die Ausbildung ab. „Für diese Berufe benötigt man sehr viel Herz und vor allem Leidenschaft“, sagt Borjana Dinewa.

Diese Erfahrung macht auch Ute Thiele, Koordinatorin des Ausbildungsnetzwerks Mittelmark-Fläming beim Kreisbauernverband Teltow-Fläming. „Viele fangen mit der Ausbildung an, springen dann aber ab“, sagt sie. Gründe seien vor allem die ungünstigen Arbeitszeiten und die Wetterabhängigkeit. „Gerade während der Erntezeit können die Tage schon mal lang werden, Freizeit hat man dann nur selten“, sagt Ute Thiele. Dennoch stellt auch sie einen Anstieg bei den Neuzugängen im Ausbildungsbereich fest.

Auffällig sei auch, dass noch viele der Azubis, die im vergangenen Jahr ihre Ausbildung aufgenommen haben, weiterhin dabei sind. Zwölf Betriebe aus dem Landkreis Teltow-Fläming sind derzeit Teil des Ausbildungsnetzwerkes. In der Regel bietet jeder Betrieb ein bis zwei Ausbildungsplätze an.

Betriebe arbeiten mit modernster Technik

Trotz unvorteilhafter Arbeitszeiten und körperlicher Anstrengung biete speziell der Beruf des Landwirts heutzutage auch Vorteile. „Inzwischen arbeiten viele Betriebe ja mit modernster Technik, das kommt auch bei den potenziellen Bewerbern gut an“, sagt Ute Thiele. Und es widerlegt einen Spruch, den Ute Thiele gar nicht gerne hört. „Man sagt, jeder Dumme könne Bauer werden. Das stimmt aber überhaupt nicht“, sagt Thiele. Dennoch gibt sie zu, dass sich über einen längeren Zeitraum vor allem diejenigen in der Landwirtschaft beworben haben, die andernorts keine Lehrstelle gefunden hatten. Allerdings: „Seit dem letzten Jahr gibt es wieder ein deutlich stärkeres Interesse an einer Ausbildung in der Landwirtschaft“, sagt Ute Thiele.

Hintergrund

Voraussetzung für eine Ausbildung im Agrarbereich ist die Erfüllung der zehnjährigen Schulpflicht. Bei einer bereits erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung kann ein Agrarberuf auch als zweiter Beruf erlernt werden.

Im Land Brandenburg gibt es etwa 1000 anerkannte Ausbildungsbetriebe, in denen Jugendliche einen der „Grünen Berufe“ erlernen können.

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Für Abiturienten gibt es die Möglichkeit, die Ausbildung zu verkürzen. Die praktische Ausbildung in einem Betrieb wird meist durch weitere Fachlehrgänge in überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen ergänzt.

Zu den „Grünen Berufen“ zählen: Landwirt, Fachkraft für Agrarservice, Gärtner, Tierwirt, Pferdewirt, Fischwirt, Forstwirt, Molkereifachleute, Milchwirtschaftliche Laborantin, Hauswirtschafter, Landwirtschaftlichtechnischer Assistent, Lebensmitteltechnischer Assistent sowie Umweltschutztechnischer Assistent.

Das zeigen auch die Zahlen der Arbeitsagenturen. Im Agenturbezirk Potsdam, zu dem der Landkreis Teltow-Fläming gehört, ist die Zahl der Interessenten für den Beruf des Tierpflegers um mehr als 30 Prozent angestiegen. 42 Bewerber gibt es derzeit – bei nur fünf vorhandenen Stellen. Im Landkreis Dahme-Spreewald verzeichnet die Arbeitsagentur in sämtlichen Berufen der Land-, Forst- und Tierwirtschaft eine gestiegene Zahl von Interessenten für Ausbildungsstellen.

Größter Bewerberzuwachs direkt in der Landwirtschaft

47 Jugendliche aus Dahme-Spreewald haben bislang der Agentur mitgeteilt, dass sie eine Ausbildung in diesen Berufen anstreben. Das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Den größten Bewerberzuwachs gab es dabei tatsächlich direkt in der Landwirtschaft. (66 Prozent). Ausbildungsstellen wurden der Arbeitsagentur dagegen nur 41 gemeldet, das ist ein Rückgang um fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bedeutet rein statistisch, dass nicht alle Interessenten einen „Grünen Beruf“ ergreifen können. Das habe allerdings nicht viel zu sagen, so Agentursprecherin Anja Wierik. Denn während ein Großteil der Jugendlichen befragt wird und die Agentur deren Wünsche und Vorstellungen demzufolge auch sehr gut abbilden kann, gibt es auf Seiten der Unternehmen viele, die ihre freien Stellen an der Agentur vorbei besetzen. „Gerade in der Landwirtschaft dürfte das oft der Fall sein“, sagt Anja Wierik. Auf dem Dorf kenne man sich. Man weiß, wo es Ausbildungsplätze gibt, und man weiß auch, wer von den Jugendlichen sich vorstellen kann, den Job zu machen.

Das sind inzwischen wohl auch deshalb immer mehr, weil die Einsatzmöglichkeiten breit gefächert sind. Während Landwirtschaft früher gleichbedeutend war mit schwerer körperlicher Arbeit auf dem Feld oder im Stall, geht es heute neben der Erzeugung von Nahrungsmitteln auch um Themen wie Landschaftspflege und aktiven Umwelt- und Verbraucherschutz, um erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe und um Direktvermarktung. Selbst Tourismus spielt inzwischen eine Rolle, denn Urlaub auf dem Bauernhof ist ein Standard auf dem Urlaubsmarkt.

Von Danilo Hafer

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