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Teltow-Fläming Haben Flüchtlingshelfer Straftaten verheimlicht?
Lokales Teltow-Fläming Haben Flüchtlingshelfer Straftaten verheimlicht?
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00:36 25.04.2018
Die Flüchtlingshilfe in Jüterbog hat ihren Sitz in der Großen Straße. Hinter den Fenstern wurde am Montagabend heftig diskutiert. Quelle: Uwe Klemens

Wenn Flüchtlinge Straftaten begehen, werden diese von ehrenamtlichen Betreuern nicht immer angezeigt. Das wurde in einer hitzigen Diskussion bei der jüngsten Sitzung der Jüterboger Flüchtlingshilfe am Montagabend deutlich.

Den Vorwurf, Vergehen der Öffentlichkeit zu verschweigen, erhob Raban von Studnitz, selbst aktiver Flüchtlingshelfer. Konkret handele es sich dabei um Ordnungswidrigkeiten und Straftaten, die von Geflüchteten ausgingen.

Flüchtlingshelfer zieht Konsequenzen

Nach einer Abstimmung am Ende der Sitzung, bei der die Flüchtlingshelfer sich mehrheitlich dafür aussprachen, dass auch dieser Meinungsaustausch nicht in die Öffentlichkeit gehöre, zog Raban von Studnitz seine persönlichen Konsequenzen daraus.

„Ich finde das falsch“, sagte er abschließend bei der Sitzung und kündigte dazu am Dienstagmorgen seinen Rücktritt aus der Flüchtlingshilfe an.

Dass sich dadurch etwas ändert, bezweifelt er jedoch stark. Während der Auseinandersetzung am Montag sei ihm klar geworden, dass er mit seiner Forderung nach mehr Transparenz größtenteils allein dastehe.

Gesetzesbrüche werden nicht gemeldet

Die ihm bisher von anderen Flüchtlingshelfern bekannten Kriminalitätsfälle reichen vom Schwarzfahren in Bus und Bahn über das Fahren ohne Führerschein und Fahrzeugversicherung bis hin zu sexuellen Übergriffen.

Die Sprecherin der Flüchtlingshilfe, Mechthild Falk, gab zu, selbst von Rechtsverstößen zu wissen.

Kommentar

Vertrauen gegen Vertrauen

Uwe Klemens

Gastfreundschaft ist toll. Fast jeder von uns weiß über freundliche Gesten zu berichten, die ihm als Fremdem im Ausland zuteil wurden. An freundlichen Gesten und Gaben gegenüber fremden Menschen nicht zu sparen, macht auch den Gebenden glücklich, wie jeder weiß, der es selbst schon probiert hat. Gastfreundschaft zu missbrauchen, ist ein Unding. Wenn es geschieht, muss darüber gesprochen werden dürfen. Nur so besteht die Chance, dass sich jeder ein realistisches Urteil bilden kann. Wer Missbrauch und Straftaten, die von Flüchtlingen begangen werden, verschweigt, riskiert, dass das Misstrauen gegenüber Fremden auch bei jenen wächst, die dumpfe Stimmungsmache gegenüber Flüchtlingen nicht teilen. Der Vorwurf, dass kriminelle Flüchtlinge gedeckt anstatt bestraft werden, ist mit Schweigen nicht aus der Welt zu schaffen. Flüchtlingshelfer, die auf der einen Seite für Offenheit gegenüber Flüchtlingen werben, haben kein Recht darauf, auf der anderen Seite Informationen zu unterschlagen. Vertrauen gegen Vertrauen ist der beste Weg.

Raban von Studnitz warf ihr daraufhin vor, trotz ihrer Kenntnis darüber ausschließlich mit dem erhobenen Zeigefinger zu reagieren, statt die Personen anzuzeigen.

„Wir haben Regeln und Gesetze, an die sich alle halten müssen“, begründete von Studnitz seinen Standpunkt.

Würde ein nicht versicherter Flüchtling etwa einen Autounfall verursachen, müssten die Opfer hinterher selbst für den Schaden aufkommen. Dabei könnten so hohe Kosten entstehen, dass diese für einige Familien existenzbedrohend seien.

Konkrete Fälle aus Jüterbog bekannt

Auch im Bereich von Sexualdelikten gab es laut von Studnitz bereits Vorfälle. So sollen deutsche Frauen von ausländischen Männern begrapscht worden sein.

Zudem soll es einen Fall von zwar einvernehmlichem, aber verbotenem Geschlechtsverkehr zwischen einem 27-jährigen Migranten und einer 14-jährigen Deutschen gegeben haben.

Des Weiteren berichtet Raban von Studnitz von einem in der Flüchtlingshilfe bekannten Fall von häuslicher Gewalt, bei dem ebenfalls nicht eingegriffen wurde.

Helfer wollen friedliche Flüchtlinge schützen

Die Stadtverordnete und Flüchtlingshelferin Gabriele Dehn (SPD) erklärte zu den Vorwürfen: „Wir sind doch kein Polizeihilfsorgan.“

Aus ihrer Sicht könne man die Straftaten im Polizeibericht nachlesen. Sie sehe deshalb keinen Grund, die Taten auch noch über die Presse zu verbreiten.

Die Flüchtlingshelfer gaben zudem an, dass es sich bei den angesprochenen Straftaten um Einzelfälle handele. Zum Schutz der mehrheitlich friedlichen und rechtsbewussten Flüchtlinge wollte man die Stimmung gegenüber Flüchtlingen in der Stadt nicht mit den Negativmeldungen anheizen.

Statistik zu den Straftaten in der Stadt

Laut Statistik der Polizei gab es im Jahr 2016 843 Straftaten in Jüterbog, darunter 31 Straftaten mit 20 ausländischen Tatverdächtigen.

2017 zählte die Polizei von 704 Straftaten in Jüterbog 27 mit 17 Tatverdächtigen ohne deutsche Staatsbürgerschaft.

Zu den häufigsten Delikten zählten Körperverletzung und Diebstahl.

Bei den sexuellen Übergriffen gab es 2016 in Jüterbog eine Tat eines ausländischen Tatverdächtigen. 2017 waren es sechs Taten, bei denen fünf Ausländer zu den Tatverdächtigen zählen.

Von Isabelle Richter

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