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Häftlinge proben für „Die lächerliche Finsternis“

Großbeeren Häftlinge proben für „Die lächerliche Finsternis“

In wenigen Wochen öffnen sich die Gefängnistüren in Großbeeren wieder für Besucher: Häftlinge der JVA „Heidering“ proben zurzeit für das Stück „Die lächerliche Finsternis“.

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Theaterplakat

Quelle: Aufbruch

Großbeeren. Für eine dritte Theateraufführung öffnen sich bald die Gefängnistüren der Haftanstalt „Heidring“ Großbeeren. Das Berliner Gefängnistheater „Aufbruch“ probt mit einem Ensemble Inhaftierter Wolfram Lotz’ Stück „Die lächerliche Finsternis“ – und damit einen der erfolgreichsten Theatertexte der Gegenwartsdramatik.

Anders als bei „Schweijk“ 2014 und „Der Hauptmann von Köpenick“ 2015, als die Vorstellungen im September liefen, sollen sie jetzt im Juni und Juli gezeigt werden. „Da ist es abends länger hell, das vereinfacht die Licht- und Beleuchtungssituation auf dem Gefängnishof sehr“, erklärt Produktionsleiterin Sybille Arndt. Geprobt und gespielt wird mit freiwilligen Darstellern aus der JVA. Sie verbüßen im „Heidering“ Haftstrafen von maximal fünf Jahren.

Eine Reise in unser Inneres

Zum Inhalt sagt Arndt: „Es geht um die Finsternis in uns, um eine Reise in unser Inneres.“ Bekannte Fakten seien in eine groteske Jetzt-Zeit übertragen, das Stück im komischen Format würde mit einem Augenzwinkern an Alpträumen und Vorurteilen rühren, so Arndt. Gezeigt würden Szenen einer bitteren Farce, verknüpft mit Motiven der antiken Ilias und moderner Literatur über Kriege und andere Beutezüge: Zwei Bundeswehrsoldaten sind beauftragt, einen deutschen Oberstleutnant ausfindig zu machen, der nach dem Massaker an seiner Truppe im Kriegsgebiet verschollen ist. Im Patrouillenboot geht es den Fluss Hindukusch hinauf, durch undurchdringliche Urwälder Afghanistans. Angelehnt an Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und Francis Ford Coppolas Film „Apocalypse Now“ erzähle Lotz von der Unmöglichkeit, das Fremde zu verstehen, so Sybille Arndt. Sie findet die Aufführung spannend, weil das Leben mit den Erfahrungen der Insassen als Expedition ins Ungewisse erscheine: „Da sind die Jungs mit ihrer Vielfältigkeit in Alter und Nationalität natürlich tolle Protagonisten.“

Seiten und Kehrseiten der Gesellschaft

Wieder arbeiten für das Stück Regisseur Peter Atanassow und Journalist Hans-Dieter Schütt als Dramaturg miteinander. Zu seiner Motivation erklärt Schütt: „Wer als Kritiker oft ins Staats- und Stadttheater geht, für den ist die Berührung mit Gefängnistheater mehr als nur ein Wechsel des Spielorts.“ Er fühle sich bei dieser Arbeit stets herausgerissen aus landläufig gelebter Bürgerlichkeit, zugleich wachse das Gefühl einer ungeteilten Welt: „Seiten und sogenannte Kehrseiten der Gesellschaft gehören zusammen“, so Schütt. Es sei eine große Chance, das nicht nur zu wissen und zu behaupten, sondern es auch mehrere Probenwochen lang zu erleben.

Vor allem interessiere ihn „die ästhetisch gern wuchtige, chorische Arbeit von Peter Atanassow“. Schütt findet es stets wieder mutig, wie dieser das Raue, das Ungefüge und das Unprofessionelle „seiner“ Spieler in Form gieße. Bei der Truppe „Aufbruch“ prallten mit jeder neuen Aufführung Fremdheiten aufeinander, sowohl bei Biografien als auch bei literarischen Texten. „Für die Häftlinge ist es ja eine fremde Art, sich – öffentlich – auszudrücken“, sagt er. Bei jedem Projekt sei das ein Kampf zwischen künstlerischem Anspruch und extremen Bedingungen, die mit Regie führen.

Von Jutta Abromeit

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