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Hala beim Tanzen

MAZ-Serie: „In der neuen Heimat“ Hala beim Tanzen

Sport verbindet. Das hatte sich eine Ludwigsfelder Rentnerin überlegt, als sie die Flüchtlingskinder vom Birkengrund mit deutschen Kindern in Kontakt bringen wollte. Seit Mai fährt sie einmal pro Woche die Mädchen aus dem Heim zu einem Bauchtanzkurs, die mittanzen wollen. Hala ist gerne mit dabei, hat so ein neues Hobby gefunden.

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Hala (3.v.r.) beim Bauchtanz im City-Treff Ludwigsfelde.

Quelle: Anja Meyer

Ludwigsfelde. An der Koordination hapert es bei allen noch ein bisschen. In acht Schritten nach vorn, mit den Schultern im Takt nach unten und wieder hoch, dann acht Schritte weiter zur nächsten Position. Die zwölf Mädchen im orientalischen Tanzkurs haben sich in Dreiergruppen aufgeteilt. So sollen sie gleichzeitig einmal um sich herum im Kreis tanzen.

Aus den Lautsprechern klingt Musik wie aus Tausendundeine Nacht. Hala fängt an, sich im Takt dazu nach vorne zu bewegen, sie trägt ein Hüfttuch mit rhythmisch klimpernden Münzen – aber irgendwie steht sie schon wieder ganz woanders als sie eigentlich sollte. Sie schaut sich um: Bei den anderen Mädchen sieht es genauso chaotisch aus. Gabriela Lampe, die hier alle nur Gabi nennen, stoppt die Musik und erklärt die Reihenfolge noch einmal ganz genau. Beim nächsten Versuch läuft es schon viel flüssiger.

„Tanzen macht mir viel Spaß“

Jeden Montagnachmittag besucht Hala, die am vergangenen Wochenende ihren neunten Geburtstag feierte, den orientalischen Tanzkurs für Kinder bei Gabriela Lampe im Ludwigsfelder City-Treff. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Hamida und Linda aus dem Asylbewerberheim am Birkengrund und anderen Mädchen aus Ludwigsfelde tanzt sie hier eine Stunde lang zu arabischer Musik. Ein Termin, auf den sich die Kinder immer riesig freuen. „Tanzen macht mir viel Spaß“, sagt Hala. Bei Stadtfesten in Ludwigsfelde sind die Mädchen auch schon vor Publikum auf der Bühne aufgetreten, während des Trainings schauen ihre Eltern von hinten zu.

Die Eltern von Hala, Hamida und Linda sind jetzt nicht mit dabei, stattdessen werden die drei von Lucia begleitet. Eine 76 Jahre alte Ludwigsfelderin, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte. Weil sie befürchtet, sich damit hervorzuheben. „Hier gibt es doch noch so viele andere Ludwigsfelder, die sich für Flüchtlinge engagieren“, sagt sie. Sie ist es jedoch, die die Mädchen seit Mai jeden Montag mit dem Auto am Birkengrund abholt und mit ihnen zum Tanzen fährt. Durch ihre Initiative haben Hala, Hamida und Linda überhaupt erst von dem Kurs erfahren. Lucias Motivation ist klar: Sie will die Kinder aus dem Heim in die Stadt holen, mit anderen Kindern aus Ludwigsfelde in Kontakt bringen. Nur so kann ihrer Meinung nach Integration gelingen.

Lucia engagiert sich für Flüchtlinge

Lucias Engagement begann schon vor mehreren Jahren. „Ich war bei Edeka einkaufen“, erinnert sie sich. „Und da sah ich den Aufruf, Pfandbons für den Spielplatz des Asylbewerberheims am Birkengrund zu spenden.“ Also fragte sie an der Kasse nach, wo denn das Heim überhaupt ist. Aber so richtig konnte ihr niemand weiterhelfen. „Da dachte ich mir, das muss da ja sowas von versumpft sein“, erzählt sie. Über den Rat der Stadt erfuhr sie, wo das Heim überhaupt liegt und fuhr einfach mal vorbei. Kurz darauf war sie regelmäßig in der Eltern-Kind-Gruppe engagiert.

Und als im vergangenen Winter so viele Flüchtlinge in Ludwigsfelde ankamen, waren plötzlich auch dutzende Kinder am Birkengrund. „Ich fand die Vorstellung schrecklich, dass sie dort die ganze Zeit herumhocken müssen“, sagt Lucia. Und so machte sie sich auf die Suche nach passenden Angeboten in der Stadt. Die orientalische Tanzgruppe kannte sie von der Enkelin einer Freundin. Vor allem für die Mädchen in Halas Alter schien das geradezu perfekt. Tanzlehrerin Gabriela Lampe war sofort damit einverstanden, die Flüchtlingskinder mit in die Gruppe aufzunehmen. „Es ist doch toll, wenn Kinder aller Kulturen hier zusammenkommen“, sagt sie. „Die drei gehören mittlerweile fest zu unserer Gruppe dazu.“

Die Hobbys der Kinder

Halas Eltern Rabiha und Mohammed Yassin sind froh, dass ihre beiden ältesten Kinder Hobbys in der Stadt gefunden haben – Sohn Rabi wird wieder zum Fußballtraining gehen, sobald sein Beinbruch verheilt ist. Der Sport gibt zumindest Hala und Rabi ein bisschen das Gefühl, in ihrer Fluchtsituation ein Stück normale Kindheit zu verleben. Ihre Eltern warten indes noch etwas angespannt auf den Termin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), der bald über ihre Zukunft in Deutschland entscheiden wird.

Die Yassins sind vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und leben seit 44 Wochen in einer Flüchtlingsunterkunft in Ludwigsfelde. Die MAZ begleitet die Familie auf ihrem Weg und berichtet wöchentlich über ihr Leben in Deutschland. Alle Folgen sind zu finden unter: www.maz-online.de/Brandenburg/Eine-syrische-Familie-hofft-auf-einen-Neustart

Von Anja Meyer

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