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Teltow-Fläming Vom Flüchtling zum Existenzgründer
Lokales Teltow-Fläming Vom Flüchtling zum Existenzgründer
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16:42 13.09.2018
Zakaria Khiya Qoja (l.) und Yamen Abed Rabbo machen sich selbstständig. Quelle: Oliver Fischer
Halbe

Ob der kommende Sonnabend Eingang in die Ortschronik der 2500-Seelen-Gemeinde Halbe findet, hängt davon ab, wie penibel sie geführt wird. Aber es wäre möglich. Denn dann eröffnet ein Laden, wie es ihn Halbe bislang so nicht gibt. Das „Yalta“ ist eine Mischung aus Imbiss und Restaurant.

Fünf Beschäftigte, es soll Döner, Pommes und Pizza geben, außerdem Kaffee, Popcorn und orientalische Tellergerichte. Das Angebot dürfte auch in der Umgebung viele ansprechen, immerhin steht der nächste Dönerladen erst in Zossen.

Das eigentlich bemerkenswerte sind aber die Betreiber. Yamen Abed Rabbo, 22, und sein Cousin Zakaria Khiya Qoja, 25, sind Syrer und Flüchtlinge. Yamen, der das Geschäft managt, ist damit einer der ersten in der Region, der innerhalb von drei Jahren nicht nur Deutsch gelernt und Arbeit gefunden, sondern sich auch beruflich selbstständig gemacht hat.

Dass das bislang in der Region höchstens eine Hand voll gewagt haben, liege in der Natur der Sache, sagt Marion Schirmer, die bei der Wirtschaftsfördergesellschaft Dahme-Spreewald Existenzgründer berät. „Bei uns haben sich schon einige erkundigt, aber alle machen große Augen, wenn wir erklären, was man dafür braucht“. Betriebswirtschaftliches Verständnis gehöre auf jeden Fall dazu. „Aber bei Begriffen wie Rentabilitätsrechnung haben schon viele Deutsche Berührungsängste“, berichtet sie.

Yamen Abed Rabbo konnte immerhin auf Vorkenntnisse verweisen. In Syrien hatte er studiert, in Deutschland wurde er von Beginn an als Dolmetscher eingesetzt, weil er fünf Sprachen fließend spricht. Er übersetzte unter anderem für die Diakonie und für den Landkreis Dahme-Spreewald. Neben seinem Studium an der TH Wildau arbeitet er auch als Qualitätsprüfer für eine örtliche Metallfirma. Wie die Deutschen arbeiten, wie sie denken und wie sie verwalten, weiß er also.

Trotzdem atmet er tief durch, wenn er an die Mühsal der vergangenen Monate denkt. Dabei waren der Laden und das Geld noch die geringsten Probleme. Den Laden bekam er, weil die Vermieterin ihn sympathisch fand. Das Geld für die Einrichtung lieh ihm seine Mutter, die an einer Hochschule im Libanon arbeitet. Aber während das in Syrien für eine Geschäftsgründung reichen würde, geht es in Deutschland an diesem Punkt erst richtig los.

Yamen musste in der Amtsverwaltung vorsprechen, eine Genehmigung vom Gesundheitsamt besorgen, Unterlagen beim Bauamt einreichen, ein polizeiliches Führungszeugnis anfertigen lassen, sich bei der Industrie- und Handelskammer anmelden und vor allem umfangreiche Steuerunterlagen beim Finanzamt vorlegen und dafür lange und komplizierte Formulare ausfüllen. „Ich versuche immer alles ohne Hilfe zu schaffen, aber beim Finanzamt musste der Steuerberater einspringen, da bin ich an meine Grenzen gestoßen“, berichtet er. Yamen Abdel Rabbos Vorteil ist sein gutes Deutsch und sein großes Netzwerk. Er ist eine auffällige Erscheinung. Wer ihn getroffen hat, wird sich nicht nur wegen seiner langen, blonden Haare an ihn erinnern. Er ist einer, der in kein Raster passt und vielleicht deshalb mit den meisten Leuten klar kommt.

Schon der Name des Restaurants ist vielsagend. Yalta ist die Geburtsstadt seiner Mutter. Die ist Russin und hat ihn nicht nur zur Selbstständigkeit erzogen, sondern ihm auch die blonden Haare vererbt, die ihn schon in Syrien zu einem Sonderling machten. Zu einem, der zwischen den Welten lebte.

Inzwischen trage er aber auch viel Deutsches in sich, sagt Yamen. „Ich bin ein Mittler. Ich verstehe die Araber, aber ich verstehe auch die Deutschen.“ Deshalb weiß er auch, dass die Leute in Halbe eher den türkischen Döner essen als das arabische Shawarma. Und dass Pizza und Spaghetti dort besser ankommen als traditionelle syrische Küche.

Der Laden berge Risiken, aber er biete auch Chancen, sagt Yamen. Er selbst könne sich die Zeit besser einteilen und so parallel sein Studium schaffen. Und Cousin Zakaria werde sich neben seinem normalen Schichtdienst noch etwas dazu verdienen. Denn das Leben in Deutschland, das sagen beide, ist teuer.

Von Oliver Fischer

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