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Harmonie und Sensibilität

Herausragende Bauwerke der Region beim Tag der Architektur Harmonie und Sensibilität

Seit 20 Jahren gibt es den bundesweiten Tag der Architektur, stets am letzten Wochenende im Juni können Interessierte herausragende Neu- und Umbaumaßnahmen besichtigen, die erst kürzlich fertiggestellt wurden. An diesem Wochenende sind auch mehrere Bauwerke in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald dabei.

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Vor der Sanierung war die Ludwigsfelder Gottlieb-Daimler-Schule ein typischer DDR-Schulbau

Quelle: Promo)

Dahmeland-Fläming. Zurückhaltend und schlicht wirkt die neue Orgelempore in der ehrwürdigen gotischen St.-Moritz-Kirche in Mittenwalde. Verantwortlich für den hochmodernen und funktionalen Einbau war die Mittenwalder Architektin Stefanie Clemen, die am kommenden Sonntag zum Tag der Architektur über ihr Konzept und die Realisierung der von der Denkmalpflege begleiteten Umbaumaßnahme sprechen wird. Die Kirche ist damit eines von 42 Projekten im gesamten Land Brandenburg, die an diesem Tag mit speziellen Führungen vorgestellt werden.

Seit 20 Jahren gibt es den bundesweiten Tag der Architektur, stets am letzten Wochenende im Juni können Interessierte herausragende Neu- und Umbaumaßnahmen besichtigen, die erst kürzlich fertiggestellt wurden. „Dabei geht es darum zu zeigen, wie die Gesamtheit der Anforderungen an einen Bau – unter anderem die Wirtschaftlichkeit, die Nutzung, Energie und Städtebau – auf einen Nenner gebracht wird“, erklärt Andreas Rieger.

Der Lübbener Architekt ist nicht nur Vizepräsident der Brandenburgischen Architektenkammer, sondern am Sonntag selbst mit einem Projekt dabei, denn er hat ein Siedlungshaus in Schwerin umgebaut. Das Wohnhaus ist in den 1920er-Jahren entstanden und wurde bald erheblich erweitert durch einen großen Anbau mit Giebelwand. Realisiert wurde nun „eine sehr ambitionierte Energieversorgung“, sagt Rieger: „Das Haus wird jetzt zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt.“ Das Gebäude musste zunächst trockengelegt werden, ein Erdspeicher wurde dann eingebaut. Während der Sanierungsarbeiten wurden sogar noch Kriegsschäden entdeckt. Rieger wird am Sonntag selbst die Führung machen. Bei allen für den Tag der Architektur von der Architektenkammer ausgewählten Projekten gibt es jeweils um 13, 15 und 17 Uhr Rundgänge durch die Gebäude.

In Blankensee wird dann Detlef Grüneke die Besucher sogar in seine Wohnung bitten. Der Architekt hat das alte, um 1910 entstandene Pfarrhaus umgebaut und lebt selbst in einer der drei dadurch entstandenen Apartments. „Die größte Herausforderung war die statische Ertüchtigung“, erzählt er über die Maßnahme, die von Denkmalpflegern begleitet wurde. Denn zusammen mit der Dorfkirche gilt für einen Teil des Pfarrhaus-Komplexes Ensembleschutz. „Das brachte einige Einschränkungen, die sich dann jedoch als sehr positiv herausstellten“, sagt der Architekt. Ursprünglich wollte er vor das Gebäude ein neues Treppenhaus setzen, um so das Innere des Bauwerks besser aufteilen zu können. Doch die Fassade durfte nicht angetastet werden. Die Kirchengemeinde hat nach wie vor ihr Büro und einen großen Saal im Pfarrhaus. Und Grüneke hat sich dort einen besonderen Traum erfüllt: „Ich wollte irgendwo wohnen, wo ich weit gucken kann“, sagt er über den Ausblick in die Landschaft.

Mit der Natur kommuniziert die in Zeesen neu gebaute Kita „Spatzennest“, die vor wenigen Monaten bezogen werden konnte. Die Holzfassade und bunte Holzstützen für die außen am zweigeschossigen Bau umlaufende Galerie sind markante Details des von Christian Theurer entworfenen Gebäudes, das ebenfalls am Sonntag besichtigt werden kann.

Einen Architektur-Spaziergang können Besucher in Ludwigsfelde unternehmen, denn mit dem generalsanierten Kulturhaus aus den späten 1950er-Jahren, dem neuen Gemeindezentrum für die evangelische Kirche St. Michael und der erweiterten Gottlieb-Daimler-Oberschule werden hier gleich drei aktuelle Projekte präsentiert. Die Schule ist eigentlich ein typischer H-förmiger DDR-Schulkomplex von 1969. Eilers Architekten haben den maroden Bau saniert, vor die alte eine neue Fassade mit glasierten Keramikplatten gehängt und einen zentralen Eingangsbereich geschaffen.

Eine neue Eingangssituation zu entwerfen, war auch eine der großen Aufgaben für Stefanie Clemen bei der St.-Moritz-Kirche in Mittenwalde. Schon lange hegten die Mitglieder der Kirchengemeinde den Wunsch, eine neue Orgelempore zu schaffen und Raum für eine Art Foyer zu gewinnen. Im Herbst 2011 stieß Clemen zu dem Projekt. „Es gab zwei Baumaßnahmen parallel“, berichtet die Architektin, „eine umfassende Innenraumsanierung und die Umbaumaßnahme.“ Sie war zuständig für den Neubau der Orgelempore und für die neue, schmale Treppe, die im südlichen Seitenschiff zum Jägerchor hinaufführt. Da die vorige Orgelempore erst in den 1950er-Jahren und zudem aus Resten älterer Emporen im Kirchenraum kombiniert worden war, hatten die Denkmalpfleger keine Einwände gegen einen zeitgemäßen Einbau. Auf dem finden jetzt alle Mitglieder des Kirchenchores bequem Platz, das war vorher viel beengter. Die Brüstung ist aus Glas, der Blick in den hellen Kirchenraum wird so nicht verstellt, außerdem kann das gewaltige Orgelgehäuse aus dem späten 18. Jahrhundert so auch von unten gänzlich erfasst werden. In den Seitenschiffen führen zwei Treppen auf die Empore, unter der sich neben dem Foyer auch Lagerräume, eine Teeküche und Toiletten verbergen.

Bei der Sanierung des Kircheninneren wurden nicht nur Deckenmalereien freigelegt, sondern es wurde auch die ursprüngliche, mittelalterliche Farbgebung des dreischiffigen Gotteshauses rekonstruiert. Die sehr hellen Grautöne der Pfeiler und Wände sowie die in kräftigem Grau gehaltenen Rippen des Gewölbes haben Stefanie Clemen bei der Farbwahl ihrer Empore inspiriert. Ein leichtes Grau mit einer Nuance Grün ist es geworden, so die Architektin, „passend zum Grün der Orgel“. Dieser kaum wahrnehmbare Farbton sorgt mit dafür, dass sich der Neubau harmonisch in das herausragende Baudenkmal einfügt. Auch um die Sensibilität für solche kleinen, aber spannenden Details zu wecken, gibt es diesen Tag der Architektur.

Info: In der Regel führen die Architekten selbst durch ihre Bauten, jeweils um 13, 15 und 17 Uhr, geöffnet ist von 13 bis 18 Uhr. Weitere Informationen bei der Brandenburgischen Architektenkammer unter www.ak-brandenburg.de

Von Karen Grunow

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