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Hebammen fehlen in der Region

Dahmeland-Fläming Hebammen fehlen in der Region

Werdende Mütter haben einen rechtlichen Anspruch auf vor- und nachgeburtliche Betreuung durch freiberufliche Hebammen. Doch es werden mehr Kinder geboren und es üben weniger Hebammen ihren Beruf aus. Die Folge ist ein Betreuungsmangel junger Eltern und ihrer Babys.

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Hebamme Katrin Weller kontrolliert im Valetudo-Haus Königs Wusterhausen die Herztöne eines Ungeborenen.

Quelle: Anja Meyer

Dahmeland-Fläming. Für werdende Eltern scheint es die letzte Hoffnung auf eine Wochenbett-Betreuung zu sein: ein Inserat auf der Online-Plattform Ebay-Kleinanzeigen. Im Netz mehren sich Anzeigen mit dem Betreff „Dringend Hebamme gesucht“. Auch eine Anzeige aus Wildau ist dabei: „Ich suche eine Hebamme, der Entbindungstag ist der 10.10.2017.“ In Kommentaren aus einer örtlichen Facebook-Gruppe ist zu lesen, dass man sich am besten schon vor der Schwangerschaft um eine Betreuung bemühen müsse.

In der Region Dahmeland-Fläming herrscht ein Hebammenmangel in der vor- und nachgeburtlichen Versorgung. Diese steht allen zu, wird von der Krankenkasse gezahlt und von selbstständigen Hebammen geleistet. Dass es einen Engpass gibt, liegt daran, dass mehr Kinder geboren werden, als noch vor ein paar Jahren. Zudem gibt es immer weniger Hebammen, die im Umkehrschluss wieder mehr Frauen betreuen müssen.

Schlechte Rahmenbedingungen

Katrin Weller aus dem Hebammenverbund Valetudo-Haus in Königs Wusterhausen ist eine der wenigen, die in der Region noch in Vollzeit freiberuflich arbeiten. Pro Tag macht sie im Schnitt neun Hausbesuche, Buchführung sowie Vor- und Nachbereitung erledigt sie am Wochenende. Sie kann nachvollziehen, weshalb Kolleginnen diese Tätigkeit aufgeben und sich entweder in Kliniken fest anstellen lassen oder sich beruflich umorientieren. „Es ist ein toller Beruf, aber die Rahmenbedingungen sind zu schlecht.“ Ein geringer Verdienst steht steigenden Haftpflichtpolicen und Lebenshaltungskosten gegenüber.

So gebe es ständig Ärger mit den Krankenkassen, die lediglich 30 Minuten für einen Hausbesuch vergüten. „Das ist nicht zu schaffen“, sagt Katrin Weller. „Schließlich will man sich ja Zeit nehmen für all die Fragen und Probleme, die auftauchen.“ Sie selbst benötige etwa eine Stunde pro Hausbesuch, eine Zeit, die auch der Deutsche Hebammenverband empfiehlt. „So verdienen wir etwa 7,50 Euro die Stunde, Verwaltungsarbeit noch nicht mal mit eingerechnet“, rechnet Katrin Weller vor. „Das ist ja noch unter Mindestlohn.“

Bis Dezember ausgebucht

Katrin Weller könnte doppelt so viele Frauen annehmen. „Ich bin schon jetzt für Geburtstermine im November und Dezember komplett ausgebucht.“ Die Konsequenz: Weil viele Eltern nach der Geburt auf sich allein gestellt sind, gehen sie häufiger zum Frauen- oder Kinderarzt.

Hebamme Katja Britz aus Mellensee hatte vor knapp zwei Jahren mit dem Gedanken gespielt, beruflich umzusatteln. Gerade von alleinerziehenden Kolleginnen weiß sie, dass sie diesen Schritt gegangen sind. Katja Britz ist in der Wochenbettbetreuung geblieben. „Irgendeiner muss es ja noch machen“, sagt sie. Heute arbeitet sie zur Hälfte als Hebamme und zur anderen als Yogalehrerin. „Das ist ein toller Ausgleich zu dem harten Job“, sagt sie.

Auch Katja Britz muss immer wieder Frauen absagen – im vergangenen August konnte sie 30 Anfragen nicht annehmen. Gerade im Sommer wird es eng. „Da kommen noch mehr Babys zur Welt und es ist auch Urlaubszeit“, erläutert sie.

Kliniken gut versorgt

Entspannung gibt es derweil in den drei hiesigen Geburtskliniken. Dort sei noch keine Schwangere aufgrund mangelnder Kapazitäten weggeschickt worden – so wie es in Berliner Häusern bereits passierte. Dennoch sieht etwa Sylvine Freese, Chefärztin der Gynäkologie im DRK-Krankenhaus Luckenwalde, dass es in den kommenden Jahren zu personellen Engpässen kommen kann. „Es ist wichtig, dass jetzt ausreichend Nachwuchs ausgebildet wird“, sagt sie. In einigen Hebammenschulen seien bereits neue Klassen eröffnet worden.

Von Anja Meyer

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