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Teltow-Fläming Helfer bei den großen und kleinen Sorgen
Lokales Teltow-Fläming Helfer bei den großen und kleinen Sorgen
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00:18 27.12.2015
Marianne Gosen, Sara Lietsch und Pamela Becker (v. l.) in der gut gefüllten Kleiderkammer der Blankenfelder Notunterkunft. Quelle: Christian Zielke
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Blankenfelde

Die Zimmertür öffnet sich. Ein junger Mann, Mitte 20, tritt heraus. Er wirkt müde und ein bisschen genervt. Mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Englisch versucht er, seine Lage zu erklären. Er wollte in der Nacht in die Küche, doch die Tür war verschlossen. Für Marianne Gosen vom Verein Hominum International war damit auch die Nacht vorbei. Sie musste gegen drei Uhr in die Käthe-Kollwitz-Straße eilen, um die Küchentür zu öffnen.

Alltag in der Blankenfelder Notunterkunft. Wo 120 Menschen auf engem Raum zusammenleben, bleiben Konflikte nicht aus. Marianne Gosen und ihre Mitstreiterinnen Pamela Becker und Sara Lietsch von Hominum International bekommen die Sorgen der Menschen, die seit gut einem Monat in Blankenfelde leben, täglich mit. Sie hören immer wieder schlimme Erzählungen von Krieg und Flucht. „Das geht an uns nicht spurlos vorüber“, sagt Pamela Becker. Aber der Alltag besteht nicht nur aus Sorgen. Vor allem den vielen Kindern verdanken die Helfer immer wieder schöne Momente. „Es ist herzergreifend, wie unvoreingenommen die Kleinen sind und wie schnell sie Deutsch lernen“, sagt Pamela Becker, die Sprecherin des Vereins. Die Eltern verbringen täglich vier Stunden im Deutschkurs. Die syrischen Kriegsflüchtlinge bekommen den Unterricht von Anfang an. Diejenigen mit einer unklaren Bleibeperspektive aus Afghanistan, Pakistan und dem Irak werden von Hominum-Mitgliedern unterrichtet. „Das schafft Struktur im Alltag“, sagt Sara Lietsch, die zweite Vorsitzende des Vereins. Sie hat selbst eine syrische Familie bei sich aufgenommen und bereits einige Worte Arabisch gelernt. Beim gemeinsamen Kochen am Abend komme man regelmäßig ins Gespräch. „Es ist eine wunderbare Erfahrung. Man muss vor den Menschen keine Angst haben“, sagt sie.

Eine große Zahl von Helfern engagiert sich in den Flüchtlingsunterkünften in der früheren Kaserne am Jühnsdorfer Weg und in der ehemaligen Kita „Wirbelwind“. Alle Kirchengemeinden, die Volkssolidarität und Privatleute wollen helfen. Die Kleiderkammer in der Käthe-Kollwitz-Straße ist gut gefüllt, die in der Kaserne wird ausgestattet. „Wir sind bestens vernetzt“, sagt Pamela Becker.

Nach den internen Streitereien um den bisherigen Vereinsvorsitzenden Kay Drews, der sein Amt zum Jahresende niedergelegt hat, blicke man optimistisch in die Zukunft. Im kommenden Jahr soll zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde ein Begegnungscafé eingerichtet werden, bei dem Flüchtlinge und Einheimische sich näher kennenlernen sollen. Die Hominum-Helfer hoffen, dass viele Menschen aus der Gemeinde Flüchtlingspaten werden wollen, um den neuen Nachbarn das Leben in Deutschland zu erleichtern. Wir wollen den Kontakt zur Bevölkerung intensivieren“, sagt Marianne Gosen, die Schatzmeisterin des Vereins. Noch immer gebe es Vorurteile und Ablehnung, auch wenn diese weniger geworden seien, seitdem die Flüchtlinge unauffällig im Ort leben. Sie sind jedoch, so lange das Asylverfahren dauert, zum Nichtstun verdammt. Um der Langeweile zu entkommen, soll im kommenden Jahr eine Fahrradwerkstatt eingerichtet werden. Auf zwei Rädern sollen die Flüchtlinge auch mobiler sein.

„Wir haben eine unglaubliche Dankbarkeit erlebt“, sagt Pamela Becker. Als Frauen würden sie von den männlichen Flüchtlingen respektiert und höflich behandelt. „Es sind echte Freundschaften entstanden“, sagt sie und hofft, dass mehr Menschen aus der Gemeinde ihre Scheu vor den Neuen überwinden.

Kontakt und Spendenmöglichkeit: www.hominum-international.de

Von Christian Zielke

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