Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Schutz vor Sonne und Hautkrebs auf dem Bau
Lokales Teltow-Fläming Schutz vor Sonne und Hautkrebs auf dem Bau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:49 02.08.2018
Lutz Jacobs (l.), Betriebsratsvorsitzender der Wildauer Filiale des Baukonzerns „Ludwig Freytag“, wird von Hivzi Kalayci (IG Bau) eingecremt.
Anzeige
Wünsdorf

Schutz vor Hautkrebs war das Thema in der Hitzepause auf der Sportplatz-Baustelle am Wünsdorfer Burgberg. Hier kamen Gewerkschafter der IG Bau und Mitarbeiter der Wildauer Filiale des Konzerns „Ludwig Freytag“ Mittwoch im schmalen Schatten des blauen Baucontainers ins Gespräch.

„Bauarbeiter sind ja hart im Nehmen“, so Gewerkschaftssekretär Hivzi Kalayci. Gerne würden viele Kollegen bei diesen tropischen Temperaturen schon früh um fünf statt um sieben Uhr anfangen und dafür eher Feierabend machen. Aber das sei mit Rücksicht auf die Anwohner nur in den wenigsten Fällen möglich. Dabei machen Temperaturen von mehr als 30 Grad gerade in dieser Woche Bauleuten, Gärtnern und Forstarbeitern in der Region schwer zu schaffen. Deshalb startete die IG Bau eine Informationskampagne auf heimischen Baustellen. Erste Station im Land Brandenburg war Wünsdorf.

Arbeiter schuften für Sportanlagen

Hier entstehen rund drei Millionen Euro teure Außenanlagen für den Schul- und Vereinssport. Vorgesehen sind in Ergänzung des Fußballplatzes eine 400-Meter-Tartanbahn mit vier Laufspuren, eine Weitsprunganlage mit Anlaufbahn und Sandgrube, Kugelstoßanlage, Kleinfeld, Kunstrasenplatz, Umzäunung, eine Zufahrt und ein Parkplatz.

Dafür schuften und schwitzen die Arbeiter in der prallen Sonne. „Jeder Sonnenbrand erhöht das Risiko, später an hellem Hautkrebs zu erkranken“, sagt Hivzi Kalayci. Per „Sonnometer“ – eine Karte, die nach 30 Sekunden die UV-Intensität anzeigt – können Beschäftigte herausfinden, welcher Lichtschutzfaktor nötig ist und dementsprechend die richtige Creme auftragen.

Kalayci: „Sonnenschutz ist Arbeitsschutz!“

„Sonnencreme und Wasserflasche gehören genauso zum Job wie Mörtel und Maurerkelle“, betont Kalayci. Mindestens zweieinhalb Liter Wasser sollten Bauarbeiter am Tag trinken. „Bei diese Hitze gern deutlich mehr.“ Wichtig sei außerdem, möglichst viele Körperteile mit Kleidung zu bedecken. „Mein orangefarbenes Funktionshirt wirkt zwar auf den ersten Blick sehr dick, aber das täuscht“, sagte der Gewerkschafter. Vielmehr lasse das Spezialgewebe die unsichtbaren UV-Strahlen des Sonnenlichtes nicht durch.

„Hilfreich ist die Faustregel: Wenn der eigene Schatten kleiner ist als die Körpergröße, ist die Gesundheitsgefahr besonders hoch“, so Kalayci. Für Bauarbeiter, Fassadenreiniger, Garten- und Landschaftsbauer sei dann maximaler Schutz angesagt. „Sonnenschutz ist Arbeitsschutz!“ Arbeitgeber sollten Sonnenschutzmittel verteilen, kalte Getränke bereitstellen und Funktionskleidung anschaffen. Bei größeren Betrieben mit Betriebsrat funktioniere das in der Regel schon ganz gut, so Kalayci.

Heller Hautkrebs ist Berufskrankheit

„Gebt diese Informationen auch an eure Kollegen weiter“, sagte Gewerkschafter Erhard Strobel. „Ich habe 45 Jahre als Zimmermann gearbeitet. Und ich habe hellen Hautkrebs auf dem Kopf“, so der ehrenamtliche Baustellenbetreuer. Weil heller Hautkrebs seit 2015 als Berufskrankheit anerkannt wird, werde er mit Sonnencreme und Medikamenten versorgt. An Hautkrebs könne man nicht sterben. Aber wenn man nichts dagegen tue, könne es passieren, dass einem das Ohr oder die Nase „abfaule“. „Auch mir haben die Ärzte schon ein kleines Stück vom Ohr weggeschnitten. Seht zu, dass es bei euch nicht so weit kommt“, sagte Strobel.

„Das mit dem Eincremen habe ich bisher nicht so im Blick gehabt“, sagte Rami Hommeyer. Dabei creme er seine beiden kleinen Kinder an Sonnentagen immer ein. Aktuell trinke er drei, vier Liter Wasser pro Tag. „Die Getränke bekommen wir vom Arbeitgeber gestellt.“ Weiter trage er ein helles anstelle des dunklen „Ludwig Freytag“-Shirts. „Das ist bei diesem Wetter viel angenehmer.“ Berührt hätten ihn die Worte von Strobel schon, sagte er. Aber er sei kein anfälliger Hauttyp und kriege nie Sonnenbrand. „Wahrscheinlich wacht man erst auf, wenn es am Kopf juckt und kratzt“.

Anregung für Betriebsratsvorsitzenden

Mit Sonnenschutzlotion cremt sich Lutz Jacobs täglich ein. „Das ist das erste, was ich morgens nach dem Duschen mache“, so der ehrenamtliche Betriebsratsvorsitzende der 60 Mitarbeiter zählenden Wildauer „Ludwig Freytag“-Filiale. Von der Funktionskleidung gegen UV-Strahlen habe er bisher nichts gewusst. „Diese Anregung nehme ich mit zur nächsten Sitzung des Konzern-Betriebsrates“, sagte Jacobs.

Von Frank Pechhold

Nahe des Gewerbegebiets Bernhardsmüh in Baruth hat es am Mittwochnachmittag einen Waldbrand gegeben. Einen Hektar Fläche standen in Flammen.

01.08.2018

Mitarbeiter der Sterilgut-Aufbereitung im Luckenwalder Krankenhaus arbeiten relativ abgeschottet. Um ihre Arbeit bekannter zu machen, ließen sie das Krankenhaus-Personal hinter die Kulissen schauen.

31.07.2018

Im Internet solidarisieren sich Menschen mit einem Polen, dessen Wohnwagen bei einem Unfall auf der A 10 vollständig zerstört wurde.

01.08.2018
Anzeige