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Teltow-Fläming Herausforderung Elektromobilität
Lokales Teltow-Fläming Herausforderung Elektromobilität
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11:14 19.09.2017
In Trebbin gehören Elektro-Parkplätze schon zum gewohnten Stadtbild, die meisten Kommunen in der Region sind nicht so gut aufgestellt. Quelle: Hartmut F. Reck
Dahmeland-Fläming

Zu hoher Anschaffungspreis, zu geringe Reichweite, zu wenig Ladestationen: Das sind die drei Hauptargumente, die für viele Menschen in der Region Dahmeland-Fläming noch immer gegen die Alltagstauglichkeit eines Elektroautos sprechen. Nur langsam nimmt die Zahl der hierzulande angemeldeten Elektrofahrzeuge zu und macht bislang lediglich einen geringen Prozentsatz der Fahrzeuge im Straßenverkehr aus: In Teltow-Fläming fahren derzeit 59 von 142 600 Kraftfahrzeugen über einen Elektro- oder Hybridantrieb, in Dahme-Spreewald sind es 1003 von 146 446 zugelassenen Fahrzeugen.

Das sind insgesamt nur knapp 0,4 Prozent aller Autos auf den Straßen der Region. Und doch sehen alle Akteure, die sich in der Region für den Klimaschutz einsetzen, Elektromobilität als Mobilitätsform der Zukunft – denn laut Umweltbundesamt (UBA) sind die Verbrennungsprozesse im Straßenverkehr für knapp 20 Prozent der CO2-Emissionen Deutschlands verantwortlich. Ein Umstieg auf Elektrofahrzeuge könnte Emissionen deutlich reduzieren, die Umsetzung ist allerdings mit großen Herausforderungen verbunden – eine davon ist flächendeckende Versorgung mit Strom.

Vorreiter Trebbin

Als Vorreiter in Sachen Klimaschutz und Elektromobilität gilt die Stadt Trebbin. Bürgermeister Thomas Berger (CDU) setzte sich bereits im Jahr 2012 für die erste Strom-Zapfsäule für E-Fahrzeuge ein. „Die Idee war damals, dass Elektroautobesitzer so auch nach Trebbin fahren können“, sagt er. 2015 kamen drei öffentlich und vier privat finanzierte Ladestationen in der Stadt hinzu, 2016 noch eine weitere öffentliche Säule am Marktplatz. „Damit die Leute während des Einkaufens in der Innenstadt ihr Auto aufladen können.“

Das Engagement der Stadt trägt Früchte. „2012 gab es erst ein Elektroauto in Trebbin“, berichtet Thomas Berger. Ende 2016 waren es 14 – und damit 14,34 Zulassungen auf 10 000 Einwohner. In Berlin sind es 3,27 Zulassungen auf 10 000 Einwohner. „Auf Stadtfesten haben mir schon zwei Leute gesagt, dass sie sich wegen der guten Lademöglichkeiten in Trebbin ein E-Fahrzeug zugelegt haben.“ Berger selbst fahre privat eines, zudem unterhalte die Stadt zwei elektrisch betriebene Dienstwagen. Die Argumente, die E-Mobilitätskritiker nennen, kann Berger nicht nachvollziehen. „Die neuen E-Autos schaffen alle 200 Kilometer, die nächste Generation wird eine Reichweite von 380 Kilometern haben.“ Sein Auto schaffe um die 100 Kilometer ohne neues Aufladen, damit sei er noch nie liegengeblieben. „Ich lade nachts Zuhause in der Garage auf.“

Drei Lösungen für Ladeproblematik

Das private Aufladen in der eigenen Garage stellt für ihn eine wichtige Antwort auf die Frage zum Lösen der Ladeproblematik dar. Doch was ist mit denen, die keine Garage oder keinen Stellplatz haben? Berger sieht die Kommunen in der Verantwortung. Indem sie zum einen die privaten und öffentlichen Wohnungsunternehmen dazu verpflichten, ihren Mietern Ladesäulen zur Verfügung stehen und zum anderen ausreichend weitere öffentliche Stationen geschaffen werden.

„Das Bereitstellen von Ladesäulen muss ein Standard der Bauherrenberatung werden“, fordert Berger. Derzeit bauen Lidl, Rewe, Norma und Aldi in Trebbin neu, alle vier Bauherren mussten zusichern, dort auch Ladestationen zu integrieren. „Wir haben in unserer kleinen Stadt doch gezeigt, dass es geht. Die Kommunen müssen nur endlich mal alle anfangen und machen.“

Tatsächlich wird in vielen Kommunen darüber diskutiert, die Infrastruktur für Elektroautos voranzutreiben. Das Amt Schenkenländchen etwa diskutiert im Rahmen seines Klimaschutzkonzeptes über einen Parkplatz für Elektroautos in Halbe. Königs Wusterhausen, Wildau und Schönefeld wollen in der Flughafenregion ein bundesweites Vorbild in Sachen Elektromobilität werden – aktuell werden dazu in Kooperation mit der TH Wildau Konzepte erarbeitet. Und auch in den Landkreisen steht das Thema auf der Tagesordnung. Bislang allerdings eher theoretisch.

Lithium nicht unendlich verfügbar

So berichtet Andreas Bleschke, Klimaschutzkoordinator des Landkreises Teltow-Fläming, dass die Kreisverwaltung selbst noch keine elektrischen Dienstwagen besitzt. „Wir prüfen, ob wir uns ein E-Auto als positives Vorbild anschaffen“, sagt Bleschke. „Bislang war das wirtschaftlich noch nicht möglich.“ Genauso sieht es mit der Ladestation aus, die vor dem Kreishaus in Luckenwalde errichtet werden sollte. „Da stellt sich dann die Frage, wie die Stromversorgung ausgebaut wird, wer die Stromkosten abrechnet, wer sie wartet und so weiter.“ Das Problem: So lange das noch eine freiwillige Leistung ist, sei es für die Verwaltung schwierig, sie in ihren Haushalt einzubringen. „Da müssten Verpflichtungen vom Bund kommen.“

Als schwierig erachtet Bleschke die flächendeckende Bereitstellung des Stroms. Da sei zum einen die endliche Verfügbarkeit von Lithium. „Wenn jedes zehnte Auto mit Lithium-Akkus der heutigen Bauart bestückt werden müsste, müsste die Lithium-Gewinnung um das Vierfache gesteigert werden“, sagt Bleschke. Zum anderen seien die Stromnetze schon jetzt so belastet, dass sich nicht jede Privatperson eine eigene E-Tankstelle in die Garage bauen könne. „Ob das reine E-Fahrzeug das Auto der Zukunft sein kann, wage ich zu bezweifeln“, sagt Bleschke. Aber es sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. „Es wird da sicher noch weitere Fortschritte im Hinblick auf andere Batterien oder Energiegewinnung aus Wasserstoff geben.“

Alternative Lademöglichkeit

Der Meinung ist auch Manfred Deutzer, Geschäftsführer der Firma Deutzer Technische Kohle (DTK) aus Zeuthen. „Den benötigten Strom werden wir nicht nur über Wind und Sonne bekommen“, sagt der Chemiker. „Da müssen sich die Wissenschaftler noch weitere Gedanken machen.“ Seine Firma hat ein Patent für alternative Lademöglichkeiten entwickelt: Ein partielles Fahrleitungssystem wie bei den früheren Oberleitungsbussen, in das sich Elektrobusse oder auch Hybrid-Lkw oder Hybrid-Müllautos automatisch eindrahten können und so für einen Teil ihrer Fahrt über die Oberleitungen ihre Akkus aufladen. So ist die Verwendung von kleineren und ressourcenschonenderen Batterien möglich. Außerdem soll von den Oberleitungen aus Strom für Elektroladesäulen von E-Autos abgezapft werden. „Damit können mehr Ladestationen zur Verfügung gestellt werden“, sagt Deutzer.

Die aktuellen Forderungen im Hinblick auf Elektromobilität sieht Manfred Deutzer eher kritisch. „Meiner Meinung nach muss erst einmal alles richtig durchdacht und eine ordentliche Infrastruktur geschaffen werden, bevor man E-Fahrzeuge anschafft“, sagt er. „Erst dann kann der Umstieg gelingen.“

Von Anja Meyer

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