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Herdenschutzhunde trotzen dem Wolf

Borgisdorf Herdenschutzhunde trotzen dem Wolf

Das Klagelied über die Rückkehr des Wolfes nach Brandenburg wird häufig gesungen und hat viele Strophen. Besser als dieser Gesang ist der Einsatz von Herdenschutzhunden, deren Einsatz zwar teuer, aber wirksam ist. Zu Besuch bei einem Schäfer in Borgisdorf.

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Ab und an motiviert Jürgen Körner seinen vierbeinigen Kollegen mit ein paar Streicheleinheiten.

Quelle: Uwe Klemens

Borgisdorf. Das Schäfchenzählen gilt allgemein als probates Beruhigungsmittel, besonders vor dem Einschlafen. Seit der Wolf, den man hierzulande bis vor wenigen Jahren nur aus dem Märchen kannte, wieder in die Realität zurückgekehrt ist, bereitet die Sorge

Jürgen Körner ist einer von ihnen. 2003 wagte der heute 48-Jährige den Schritt in die Selbstständigkeit. „Das Thema Wolf stand da noch nicht auf der Tagesordnung“, sagt der Borgisdorfer, der nach der Auflösung des Schafbestandes der Welsickendorfer Agrargenossenschaft alle 700 Merino-Schafe übernahm. Mut gemacht hatte ihm der Umstand, dass die gerade gegründete Stiftung Naturlandschaften einen Vertrag zur Flächenpflege versprach, der bis heute die Grundlage seiner Existenz ist. Doch dass sich gerade hier ein paar Jahre später vermehrt Wölfe niederlassen würden, ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand.

Einsatz von Herdenschutzhunden hat Tradition

„2006 gab es dann die ersten Berichte über Wolfssichtungen in der Lausitz. Da war mir klar, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis der Wolf auch bei uns ein Thema wird“, sagt Körner. Die Hände in den Schoß legen, um die Dinge einfach laufen zu lassen, das will der Schäfer nicht. Bei der Recherche, wie sich Herdenbesitzer in traditionellen „Wolfsländern“ gegen das Raubtier zur Wehr setzen, stieß Jürgen Körner auf den Einsatz spezieller Herdenschutzhunde. „Eine traditionelle Methode, die man hierzulande aber schon vergessen hatte, weil es lange keine Wölfe gab und kein Schutz nötig war“, so Körner.

Bald darauf begann auch er seine Herden mit Hunden zu schützen, die alles andere als Hütehunde sind. „Der Gegensatz zwischen Hüte- und Herdenschutzhund könnte nicht größer sein“, betont der Fachmann. „Ein Hütehund ist ein richtiges Arbeitstier und immer in Bewegung, um die Schafe beisammen zu halten. Dem Herdenschutzhund ist das egal, solange er alles im Blick hat. Aktiv wird er erst bei Gefahr.“

Zwei Hunde pro Herde sind optimal

Als 2009 auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Heidehof die ersten Wölfe gesichtet wurden, war der Schäfer bereits gewappnet. Zwei Herdenschutzhunde pro Schafherde sind optimal. „Einer alleine würde in einer brenzligen Situation vielleicht doch mal den Schwanz einkneifen, bei zwei Hunden will keiner eine Schwäche zeigen, so dass sie sich gegenseitig in ihrem Verteidigungsehrgeiz anheizen“, erklärt Körner.

Mutig, wehrhaft und unbestechlich

Der Chien de Montagne des Pyrénées, hierzulande Pyrenäenb

Sein furchtloser Charakter und seine Wehrhaftigkeit machten sich bald darauf auch Besitzer von Viehherden zunutze.

Heute erfolgt der Einsatz zunehmend auch als Begleithund im Schutzdienst, sowie als Familienhund.

Pyrenäenberghunde sind aufmerksam, ausgeglichen, wachsam, mutig, intelligent, relativ selbstständig, zäh, beweglich und sehr abgehärtet.

Der kinderliebe Hund ist Fremden gegenüber misstrauisch und unbestechlich. Er verteidigt seine Familie und Herde mit ganzer Kraft unter Einsatz seines Lebens.

Weitere Infos zum Einsatz von Herdenschutzhunden unter www.ag-herdenschutzhunde.de.

Dass trotz der inzwischen zahlreichen Wölfe in der Region bisher kein einziges seiner mittlerweile 1 200 Bentheimer- und Suffolkschafe dem grauen Jäger zum Opfer fiel, sieht der Schäfer als Bestätigung seiner Entscheidung. „Immer wieder bestätigen mir Förster und Jäger, dass sie Wölfe in den Wäldern ringsum und Wolfsspuren, die bis an den Zaun heranführten, gesichtet haben, darüber hinweggesprungen ist noch keiner.“

Hohe Kosten für Unterhalt der Tiere

Doch die Sicherheit hat auch in diesem Fall ihren Preis. 20 Pyrenäenberghunde hat der Borgisdorfer mittlerweile im Einsatz, um alle zehn Herden bestmöglich zu schützen. „Die Kosten für Futter, Tierarzt und Pflege belaufen sich auf 1 000 Euro pro Hund und Jahr“ rechnet Körner vor.

Darin sind noch nicht einmal die Kosten für die Anschaffung und Ausbildung enthalten. „Für die Anschaffung gibt es zwar Fördermittel, in deren Genuss ich aber nicht komme, weil ich meine Hunde selbst züchte“, sagt der Schäfer aus der Gemeinde Niederer Fläming. „Ich muss mich schließlich auf meine Hunde verlassen können. Bei einem gekauften Hund weiß ich nicht, was ich bekomme, bei einem selbst aufgezogenen schon.“ Gäbe es Gerechtigkeit in der Fördermittelwelt, würde es auch hierfür einen Zuschuss geben, so Körner.

Nicht nur deshalb gehört der Schäfer zu den Gründungsmitgliedern der seit 2011 bestehenden „Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde“ (AG HSH), dessen Wiege das Körner’sche Wohnzimmer war. Ziel des Vereins ist es, Herdenschutz durch den Hundeeinsatz praktikabel und finanzierbar zu machen. Im Mittelpunkt stehen Weiterbildung und Erfahrungsaustausch, sowie die Zertifizierung der Hundezüchter. Zudem versteht sich der bundesweit agierende Verein als Sprachrohr für die Interessen der Herdenbesitzer.

Von Uwe Klemens

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