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Hier haben es Hundehalter so richtig gut

Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald Hier haben es Hundehalter so richtig gut

Die Potsdamer Bürger fordern eine deutliche Erhöhung der Hundesteuersätze zur Entlastung des städtischen Haushalts. Für die Kommunen in der Region Dahmeland-Fläming ist das keine Option. Die Hundesteuer macht nur einen geringen Teil des Haushalts aus, gerade im ländlichen Raum wäre eine Erhöhung ungerecht.

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Hunde sind vor allem in den ländlichen Gemeinden nicht nur Luxus, sondern dienen auch dem Schutz des Grundstücks.

Quelle: Fotolia

Dahmeland-Fläming. Hunde sind mit wenigen Ausnahmen die einzigen Haustiere, für die deutsche Kommunen Steuern erheben. Für die Haushaltskassen der Städte und Gemeinden in der Region könnte das recht lohnenswert sein, immerhin sind die Menschen hierzulande Hundefans: Im vergangenen Jahr waren 26 304 Hunde in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald steuerpflichtig angemeldet – im Durchschnitt kamen damit 9,3 Hunde auf 100 Einwohner.

Für den Gesamthaushalt spielt das keine überdimensional große Rolle. In den meisten Kommunen beträgt der Steuersatz für die beliebten Vierbeiner weniger als ein Prozent der Gesamteinnahmen. Der Satz liegt für den Ersthund zwischen 20 Euro in Zossen und 60 Euro in Königs Wusterhausen.

Idee aus Potsdam findet in der Region kaum Resonanz

Jenseits der Landkreisgrenzen, in Potsdam, sollte sich das nach Meinung der Bürger möglichst bald ändern. In den Potsdamer Bürgerhaushalt brachten die beteiligten Bürger insgesamt 40 Vorschläge zur Haushaltssicherung ein. Die deutliche Anhebung des Hundesteuersatzes liegt dabei auf Platz eins. Laut einer MAZ-Umfrage unter Bürgermeistern und Kämmerern in der Region käme ein solcher Vorschlag hier nicht in Frage. Damit es einen nennenswerten Effekt gäbe, müsste die Steuer häufig mehr als verdoppelt werden

Hintergrund zur Hundesteuer

Eine Hundesteuer gibt es nur noch in Deutschland, Österreich und Namibia – alle anderen Staaten haben sie abgeschafft.

Die Steuer ist sehr umstritten, deshalb gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Klagen von Tierschutzorganisationen und -verbänden. Das Argument der Kläger: Lebewesen werden als Luxusgüter behandelt und ähnliche wie Zigaretten oder Zweitwohnsitze versteuert.

Ausgenommen von der Steuer sind Hunde, die ausschließlich dem Schutz und der Hilfe blinder, tauber oder sonst hilfloser Personen dienen – also zum Beispiel Blindenhunde.

Manche Kommunen ermäßigen den Hundesteuersatz für Vierbeiner aus dem Tierheim.

So ist der Satz für solche Tiere beispielsweise in Ludwigsfelde für drei Jahre um die Hälfte reduziert.

So erklärt Swen Marth, Kämmerer der Gemeinde Nuthe-Urstromtal, dass es seit 2012 keine Hundesteueränderungen mehr gab und darüber derzeit auch nicht nachgedacht werde – obwohl die Gemeinde einen Haushalt mit Fehlbedarf hat und mit 15,2 Hunden pro hundert Einwohnern die proportional hundereichste Gemeinde in der Region ist. In Nuthe-Urstromtal beträgt die Steuer für den ersten Hund 30 Euro, ab zwei Hunden 42 Euro und ab drei 60 Euro pro Hund. Für einen Kampfhund, sogenannte Listenhunde, liegt sie zwischen 320 und 470 Euro pro Hund.

Kampfhunde aus Berlin sind in der Region „zu Gast“

Das Halten von Listenhunden, zu denen Rassen wie Dobermann oder Rottweiler zählen, soll durch höhere Steuersätze eingedämmt werden. Dabei stelle sich nach Angaben von Bürgermeister Klaus Rocher (FDP) aus Rangsdorf ein wenig beachtetes Problem: „Diese Hunde sind hier nicht offiziell angemeldet sondern dauerhaft zu Besuch“, sagt Rocher. „Die Halter sind angeblich in Berlin gemeldet und gelten dort als unbekannt verzogen.“ Mit diesem Phänomen – ansässiger, aber nicht gemeldeter Kampfhunde – hätten vor allem die berlinnahen Kommunen zu tun.

Die Erhöhung der normalen Hundesteuer von 35 Euro für einen, 45 Euro je Hund ab zwei und 55 Euro je Hund ab drei Hunden, schätzt Rocher als wenig effizient ein. „Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis“, sagt er. Als die Gemeinde den Grundsteuersatz erhöhte, habe das Verschicken der Briefe schon 6000 Euro gekostet. Derzeit betragen die Hundesteuereinnahmen laut Rocher 37 000 Euro, bei einem Haushaltsvolumen von 17 Millionen Euro.

Hundesteuer keine relevante Einnahmequelle

Auch Zossens Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) sagte, dass eine Hundesteuer für Kommunen keine relevante Einnahmequelle sei. Sie selbst sehe für deren Erhebung einen ganz anderen Grund: „Uns geht es darum, einen Überblick zu bekommen, wie viele und welche Hunde es in der Stadt überhaupt gibt“, sagt sie. In Zossen kosten die beiden ersten Hunde jeweils 20 Euro – der günstigste Steuersatz unter den verglichenen Kommunen.

Hunde sind keine große Steuerquelle

Hunde sind keine große Steuerquelle.

Quelle: dpa

Dass die Potsdamer Bürger jetzt selbst eine Erhöhung der Steuer vorschlagen und es in der Region keine ähnlichen Pläne gibt, könnte auch ein typischer Stadt-Land-Unterschied sein. Wie Dahmes Amtsdirektor Frank Pätzig (parteilos) sagt, sind Hunde in der Stadt eher ein Luxus. Auf dem Land hingegen bedeute Hundehaltung auch Schutz des Grundstücks. Aus diesem Grund würde er den Steuersatz nicht anheben wollen. In vielen Kommunen gibt es für Hunde mit speziellem Nutzen wie Blindenhunde Steuerbefreiungen.

In Ludwigsfelde sind seit diesem Jahr auch Rettungshunde von der Steuer befreit. Dazu sagt Bürgermeister Andreas Igel: „Sie begleiten ein Ehrenamt mit, das muss entlastet werden.“ Zudem weist er auf den sozialen Wert der Vierbeiner hin. „Hunde sind für viele Menschen ein Partner, das darf sie finanziell nicht belasten.“

Von Anja Meyer

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