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Hier wohnen Brandenburgs Besserverdiener

Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald Hier wohnen Brandenburgs Besserverdiener

Boomende Wirtschaft, niedrige Arbeitslosenquote: das schlägt sich auch im Einkommen nieder. In keinem ostdeutschen Flächenkreis verdienen die Einwohner so viel wie in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald. Bundesweit reicht es allerdings noch nicht einmal zum Mittelmaß.

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Johann Nestroy (1801 bis 1862) fragte bereits: „Die Phönizier haben das Geld erfunden – aber warum so wenig?“

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Auch wenn derzeit viel über Krisen gesprochen und geschrieben wird: Für Arbeitnehmer ist die Zeit gut. Wie das statistische Landesamt mitteilt, haben sich die Reallöhne im Land Brandenburg im zweiten Quartal dieses Jahres erneut um rund drei Prozent erhöht. Unter Reallöhnen verstehen die Statistiker preisbereinigte Bruttomonatsverdienste. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Arbeitnehmer also mehr Geld zur Verfügung.

Der Verdienst unterscheidet sich natürlich von Branche zu Branche und auch regional. Im produzierenden Gewerbe lag der monatliche Durchschnittsverdienst bei 3115 Euro, im Dienstleistungsgewerbe dagegen deutlich niedriger: bei 2539 Euro. Ganz oben beim Verdienst steht die Energiebranche (durchschnittlicher Bruttoverdienst: 5036 Euro), ganz unten das Gastgewerbe (1500 Euro).

Wie sich dieses Einkommen regional verteilt, darüber sagen die aktuellen Zahlen nichts aus. Einordnen lassen sie sich aber trotzdem – und zwar anhand von Daten zu den regionalen Durchschnittseinkommen, die das Statistik-Amt ebenfalls jetzt veröffentlicht hat, die sich aber auf das Jahr 2014 beziehen. Laut dieser Zahlen gehören die Einwohner von Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald zu den Vielverdienern im Land. Die Landkreise liegen auf den Rängen zwei und vier in der Einkommensrangliste aller brandenburgischen Kreise und kreisfreien Städte.

In Teltow-Fläming hat ein durchschnittlicher Arbeitnehmer jährlich 28.099 Euro erhalten. Mehr verdiente man landesweit nur in Potsdam (29.318). Ein Arbeitnehmer in Dahme-Spreewald verdiente fast 1000 Euro weniger als einer in Teltow-Fläming, nämlich 27.223 Euro. Das war aber immer noch deutlich über dem Landesschnitt. Der lag bei 26.155 Euro.

In keinem ostdeutschen Flächenkreis wird mehr gezahlt

Die Region Dahmeland-Fläming liegt auch im ostdeutschen Vergleich weit vorn. In keinem einzigen ostdeutschen Flächenlandkreis bekamen die Einwohner höhere Bruttolöhne. Nur in den großen Städten wie Rostock, Schwerin, Dresden, Erfurt oder Jena gab es mehr Geld zu verdienen.

Löhne und Gehälter steigen in Brandenburg seit der Wende stetig. Pro Jahr beträgt der Anstieg in der Regel zwischen zwei bis drei Prozent. Besonders stark war er in den vergangenen Jahren in Teltow-Fläming. Bei einer Erhebung im Jahr 2000 lag der Landkreis mit einem durchschnittlichen jährlichen Bruttoverdienst von 20.591 Euro landesweit nur auf Rang acht. Innerhalb von 15 Jahren ist das Einkommen damit um 36,5 Prozent gestiegen – also um mehr als ein Drittel. Damit hat Teltow-Fläming auch Dahme-Spreewald überflügelt. Zur Jahrtausendwende verdiente ein Arbeitnehmer aus Dahme-Spreewald im Schnitt noch rund 700 Euro mehr als ein Arbeitnehmer aus Teltow-Fläming.

Hintergrund

Unter Bruttolöhne und -gehälter verstehen die Statistiker die Einkommen vor Abzug der Lohnsteuer und der Sozialbeiträge. Hinzugezählt werden Sachleistungen, die den Arbeitnehmern zur Verfügung gestellt werden.

Das verfügbare Einkommen besteht aus den Nettoeinkommen zuzüglich aller Sozialleistungen wie Hartz IV, die im Landkreis gezahlt werden. Es entspricht dem Geld, das von der Bevölkerung ausgegeben oder gespart werden kann. In manchen Landkreisen – etwa Elbe-Elster oder Oberspreewald-Lausitz – ist das verfügbare Einkommen höher als das Bruttoeinkommen. Die Einwohner dort beziehen mehr Sozialleistungen als sie Steuern und Abgaben zahlen.

Die Bruttolöhne werden statistisch in zwei Stufen erhoben: mit geringfügig Beschäftigte und ohne geringfügig Beschäftigte, deren niedrige Einkommen den Schnitt erheblich drücken.

Rechnet man die geringfügig Beschäftigten aus dem Gesamtbrutto heraus, liegt das durchschnittliche Einkommen der Brandenburger um etwa 3000 Euro höher. Im Jahr 2015 etwa lag der Durchschnittsverdienst aller Brandenburger bei 27 306 Euro. Nimmt man die geringfügig Beschäftigten aus der Statistik heraus, lag das Einkommen bei 30 353 Euro. Für Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald liegen allerdings keine „bereinigten“ Daten vor.

Brandenburg hat den höchsten Einkommensschnitt aller neuen Länder. Der Abstand zum Bundesschnitt bleibt aber hoch. Das Durchschnittseinkommen ohne geringfügig Beschäftigte betrug im vorigen Jahr bundesweit 37 300 Euro.

Zu den Gründen für die unterschiedlichen Niveaus und Entwicklungen der Verdienste gehört laut Statistik unter anderem die Wirtschaftsstruktur im Kreis. In kreisfreien Städte etwa arbeiten prozentual mehr Menschen in öffentlichen Verwaltungen. Deshalb sind auch die Durchschnittsverdienste dort oft höher. Der Norden von Teltow-Fläming ist ein ausgewiesener Industriestandort. Und in der Industrie wird ebenfalls in der Regel deutlich besser gezahlt als in anderen Branchen wie dem Handel.

Wenig Niedriglöhner in Teltow-Fläming

Hinzu kommt, dass auch geringfügig Beschäftigte und Ein-Euro-Jobber in die Statistiken einfließen. In Regionen, in denen es weniger geringfügig Beschäftigte gibt, ist das Durchschnittseinkommen entsprechend höher. Auch das macht sich in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald bemerkbar. Im Havelland dagegen, wo an großen Logistikstandorten zahlreiche Niedriglöhner und geringfügig Beschäftigte arbeiten, liegt der durchschnittliche Jahresverdienst nur bei 22.585 Euro. Das ist nicht nur landesweit, sondern sogar bundesweit der letzte Platz.

Da also in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald die Gutverdiener leben, ist es folgerichtig, dass beide auch zu den Landkreisen mit dem höchsten verfügbaren Einkommen in Brandenburg zählen. In Teltow-Fläming betrug es 19.160 Euro pro Kopf und Jahr, in Dahme-Spreewald 19.393 Euro. Das verfügbare Einkommen entspricht ungefähr dem Nettoeinkommen. Einberechnet werden aber noch Transferleistungen wie Hartz IV.

Auch wenn die Region Dahmeland-Fläming in Ostdeutschland zu den einkommensstärksten gehört: Mit dem bundesdeutschen Durchschnitt kann sie noch lange nicht mithalten. Beim Brutto-Jahreseinkommen lag der Bundesschnitt im Jahr 2014 bei 31.615 Euro. Das sind immerhin noch gut 3000 Euro mehr als der durchschnittliche Angestellte in Teltow-Fläming verdient hat.

Die bundesweit höchsten Löhne und Gehälter werden – wenig überraschend – im Süden Deutschlands gezahlt. An der Spitze der Rangliste liegt der VW-Standort Wolfsburg mit 50.200 Euro Durchschnittsverdienst. Und das war im Jahr 2014. Seither sind die Einkommen um gut sechs Prozent gestiegen.

Von Oliver Fischer

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