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Hilfe für die Wiesenweihe

Rohrbeck Hilfe für die Wiesenweihe

Die Erntezeit steht bevor. das bedeutet nicht nur für die Landwirte viel Arbeit: Bis August ist Vogelexperte Helmut Brücher aus Rohrbeck (Teltow-Fläming) in Alarmbereitschaft, um die seltene Wiesenweihe vor den Landmaschinen zu retten.

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Die Wiesenweihe steht auf der Roten Liste und ist geschützt.

Quelle: Gertraud Behrendt

Rohrbeck. Wenn Helmut Brücher der Wiesenweihe auf der Spur ist, kann es vorkommen, dass er die maximal zulässige Geschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde, die auf Feldwegen rund um Rohrbeck erlaubt ist, überschreitet. Blitzschnell, mit bis zu 30 Kilometer pro Stunde, fliegt der Greifvogel nach der Jagd mit der Beute zurück zum Nest – und ist oft schneller im Getreidefeld verschwunden, als Helmut Brücher gucken kann. Verliert der 63-jährige Ornithologe die Wiesenweihe aus den Augen, kann das aber ihr Todesurteil sein. Deshalb tritt er, sobald er den grau gefiederten Vogel mit den schwarzen Flügelspitzen am Horizont erblickt, aufs Gaspedal.

Mit der Wiesenweihe ist es wie mit der Nadel im Heuhaufen: Als Bodenbrüter ließ sie sich früher bevorzugt in Wiesen und Sumpfgebieten nieder. Im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft sind solche Feuchtgebiete, Rückzugsorte für viele Vögel, Insekten und andere Tiere, jedoch selten geworden. Heute ist die Wiesenweihe meist in Getreidefeldern zu finden. Weil sie dicht am Boden brütet und – mitten in der Erntezeit – ihre Jungen aufzieht, lebt sie in ständiger Gefahr, von den Erntemaschinen der Landwirte getötet zu werden.

Alarmbereitschaft ab Mai

Helmut Brücher will das verhindern. Jedes Jahr opfert er dafür seinen Jahresurlaub. Von Mai bis August ist er in Alarmbereitschaft und sucht auf den Feldern zwischen Niemegk (Potsdam Mittelmark) und Dahme (Teltow-Fläming) nach Nestern. Denn die Wiesenweihe kann man nur schützen, wenn man weiß, wo sie brütet. An die 5000 Kilometer Feldwege fährt er dafür jedes Jahr ab.

Zählungen des Naturschutzbundes (Nabu) zufolge, bei dem auch Brücher Mitglied ist, gibt es aktuell nur knapp 400 Brutpaare in ganz Deutschland. Mehr als die Hälfte davon ist im Freistaat Bayern beheimatet. In Brandenburg brüten in diesem Jahr laut Brücher nur etwa 20 Paare, davon 14 im Gebiet der Gemeinde Niedergörsdorf, ganz in der Nähe von Rohrbeck, Bochow, und Langenlipsdorf. „Der aktuelle hohe Bestand hier hat sicher auch mit meinen Schutzmaßnahmen seit 2010 zu tun“, begründet der Artenschutzreferent. In anderen Gebieten Brandenburgs sei die Vogelart stark zurückgegangen, zum Teil sogar ganz verschwunden. „Ohne Schutzmanagement hat die Wiesenweihe keine Chance“, sagt Brücher. Umso mehr freut sich der Vogelexperte, dass er in diesem Jahr drei Helfer aus der Region gewinnen konnte, die sich mit ihm auf den Äckern auf die Suche nach der bedrohten Art machen.

Ausschau nach dem Greifvogel

Denn die Wiesenweihe zu schützen ist leichter gesagt als getan: Oft stundenlang hält Brücher ab Mai mit dem Fernrohr Ausschau nach dem Greifvogel. Glaubt er, ein Nest geortet zu haben, dokumentiert er die genaue Stelle und macht sich Skizzen von der Umgebung. Per Funk lotst er dann einen seiner Helfer zum Fundort. Mit einem langen Stock, der über das Getreide hinausragt, wird das Nest markiert. Nachdem Brücher den Landwirt, auf dessen Acker die Wiesenweihe brütet, informiert hat, stellt er mitten Feld rund um das Gelege einen zwei mal zwei Meter langen Zaun auf. „Die Zusammenarbeit mit den Landwirten klappt hervorragend. Viele freuen sich über den seltenen Gast in ihren Feldern und sind sogar stolz darauf“, erzählt der Naturschützer aus Rohrbeck.

„Danach meide ich das Nest, um die Brut nicht zu stören“, sagt er. Aktiv wird der Ornithologe erst kurz vor der Ernte. Damit der Landwirt das Brutgebiet der Wiesenweihe bei der Mahd auslässt, steckt er rund herum einen 50 mal 50 Meter großen Bereich ab. Für die Verzögerung bei der Ernte erhält der Bauer einen finanziellen Ausgleich von der Vogelschutzwarte des Lands Brandenburg. Erst wenn die Jungvögel drei Wochen alt sind, nähert sich Brücher dem Nest, um den Nachwuchs zu beringen. Denn nur durch die Erkennungsmarker weiß der Vogelexperte im nächsten Jahr, ob sich seine Arbeit gelohnt hat und seine Schützlinge nach den Wintermonaten in Afrika wieder zurückkehren in ihre Heimat, den Fläming.

Von Josefine Sack

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