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MAZ-Serie: „In der neuen Heimat“ Hilfe unter Nachbarn

Mal eben zum Bäcker, Supermarkt oder Friseur? Wenn man wie die Yassins aus Syrien im Flüchtlingsheim in Ludwigsfelde-Birkengrund wohnt, ist das ohne längeren Fußmarsch kaum möglich. Darum organisieren die Heimbewohner inzwischen viele Dinge des täglichen Lebens in Eigenregie.

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Hilfe bekommt Fahrradmonteur Kuschanaschwilli (M.) von seinem Sohn Obeida und Hala Yassin.

Quelle: Martin Küper

Dahmeland-Fläming. Zentral gelegen ist das Flüchtlingsheim Ludwigsfelde-Birkengrund nicht. Nebenan befinden sich das Oberstufenzentrum und ein Standort der Busgesellschaft, ansonsten bestimmen Industriebetriebe, Brachen und die nahe Bundesstraße 101 das Ortsbild. Mal eben zum Bäcker, Supermarkt oder Friseur? Nicht ohne längeren Fußmarsch. Kein Wunder also, dass sich in dem Heim schon eine Art interner Wirtschaftskreislauf entwickelt hat.

Albert Kuschanaschwilli hat sich auf Fahrräder spezialisiert. Nicht die schlechteste Geschäftsidee angesichts der weiten Strecken, die das Heim von den Läden der Umgebung trennen. Der 46-jährige Tschetschene lebt mit seiner Familie im gleichen Haus wie die Yassins aus Syrien, nur ein Stockwerk tiefer. Den kleinen Schuppen vor dem Haus hat Kuschanaschwilli zum Fahrrad-Depot umfunktioniert, kleinere Reparaturen erledigt er direkt vor seiner Haustür.

Die Räder sind Spenden von Ludwigsfeldern

An dem Fahrrad von Rabi Yassin ist die Gangschaltung kaputt. Dabei hatte Kuschanaschwilli dem zwölfjährigen Nachbarsjungen das Rad doch gerade erst hergerichtet. Wie die meisten Räder auf dem Gelände ist auch Rabis Mountainbike eine Spende von Ludwigsfeldern. Rabis Schwester Hala hat schon eins und Mutter Rabiha Yassin steht schon auf der Warteliste. Wenn Vater Mohammed auch noch versorgt ist, steht der ersten sonntäglichen Radtour durch Brandenburg nichts mehr im Weg.

Albert Kuschanaschwilli ist nicht der einzige Heimbewohner, der sich mit seinen Fingerfertigkeiten die Zeit vertreibt und sein Taschengeld aufbessert. Vor allem die Frauen in Heim schätzen die Talente von Aboud, einem Palästinenser aus Syrien. Er wohnt in einer der beiden Traglufthallen auf dem Gelände und hat sich aufs Haareschneiden verlegt: „Die Leute stehen Schlange, um sich von ihm frisieren zu lassen“, erzählt Rabiha Yassin.

Aber nicht für alle Heimbewohner gibt es vor Ort eine sinnvolle Beschäftigung. „Ich weiß von einigen Somaliern und Eritreern, die in Berlin Gärten schneiden“, erzählt Rabiha Yassin. „Andere arbeiten bei Coca-Cola oder Mercedes.“ Beide Unternehmen haben ihre Werke ganz in der Nähe.

Drohende Abschiebung nach Belgien

Bei Mercedes hätte auch Mohammed gerne gearbeitet, man hatte ihn und fünf andere zum Vorstellungsgespräch geladen. Die vier Praktikumsplätze sind wohl an die Mitbewerber gegangen, Mohammed hat keine Rückmeldung mehr von dort bekommen. Das ist aber nicht seine größte Sorge. Noch immer lastet die drohende Abschiebung nach Belgien auf der Familie. Dagegen haben die Yassins inzwischen geklagt. Trotz der Ungewissheit hat sich auch Mohammed eine Sprachschule in Berlin gesucht, um deutsch zu lernen. Noch ist schließlich nichts entschieden und schaden kann es sicher nicht.

Info : Die Yassins sind vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und leben seit 13 Wochen in einer Flüchtlingsunterkunft in Ludwigsfelde. Die MAZ begleitet die Familie auf ihrem Weg und berichtet wöchentlich über ihr Leben in Deutschland.

Von Martin Küper

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