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06:00 26.07.2016
Dietfried Röthel hat auf seinem Weinberg immer zu tun. Quelle: Margrit Hahn
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Dobbrikow

Dietfried Röthel ist zufrieden. Die Rebstöcke auf dem Dobbrikower Weinberg hängen voller Trauben. Insgesamt zwölf verschiedene Sorten hat er dort angebaut. Die Trauben werden allerdings nicht gekeltert. Er mag lieber die Früchte und deren Saft.

Hintergrund

Beim Anlegen des Dobbrikower Weinbergs ging man wegen der großen benachbarten Wasserflächen davon aus, dass die Rebstöcke nicht so leicht erfrieren würden.


Einst gewann man in Dobbrikow bis zu 30 halbe Fuder, das entspricht einer Menge von 123 Hektolitern.

1712 wurde der Weinberg für 18 Jahre an Tobias Fellgetreu verpachtet. Der Weinberg hatte eine Größe von 15 Morgen. Dazu gehörten Weinmeisterhof, Garten und Wiese. Die Jahrespacht betrug zunächst 26 Taler.

Vor fünf Jahren begann er, 160 Quadratmeter auf dem historischen Weinberg in Dobbrikow urbar zu machen. Er hat sich mit der Geschichte des Weinanbaus vertraut gemacht und von einigen alten Pflanzen Senker genommen. Um welche Sorten es sich dabei genau handelt, weiß er noch nicht. Es gibt aber in der Pfalz ein Unternehmen, dass Weinsorten bestimmen kann. Das will der 76-Jährige in Anspruch nehmen. „Laut Zeichnung gab es in Dobbrikow auch ein Weinmeisterhaus, dass wird in verschiedenen historischen Büchern erwähnt. Es weiß aber niemand, wo das mal gestanden haben soll“, berichtet Röthel.

Mit dem Fahrrad zum Weinberg

Alle 14 Tage kommt er von seinem Wohnort Wilhelmshorst nach Dobbrikow – meist mit dem Fahrrad. Dann schaut er, ob alles in Ordnung ist. „Wenn Hornissen und Waschbären nicht vorher kommen, wird es eine richtig gute Ernte“, freut sich Dietfried Röthel. Der Waschbär würde innerhalb von zwei Nächten alles vernichten. Dann wäre die ganze Arbeit umsonst. Es ist ja nicht so, das er zu Hause in Wilhelmshorst auf seinem Grundstück nicht genug zu tun hätte. Aber er wollte unbedingt einen eigenen kleinen Weinberg – und diesen Wunsch hat er sich in Dobbrikow erfüllt.

Erklärtafel zum Weinbau. Quelle: Margrit Hahn

Im September dürften die ersten Trauben reif sein für die Ernte. „Ich hoffe natürlich, dass der Sommer so schön bleibt, ansonsten wird der Zuckergehalt zu gering“, fügt Rö-thel hinzu. Im vorigen Jahr konnte er zwei Körbe ernten, wobei die Wespen und Hornissen vorher einiges geholt hatten. Trotzdem verzichtet er auf Chemie. „Das ist rein biologischer Anbau“, erläutert der 76-Jährige. Den Dampfentsafter hat er zu Hause schon bereit gestellt. Wenn alles optimal verläuft, rechnet er mit drei Kilogramm pro Rebstock. Da die Trauben unterschiedlich reif werden, kann er sie nicht gleichzeitig abernten. „Jede Traube schmeckt anders“, weiß er aus Erfahrung. Um zu wissen, um welche Trauben es sich handelt, steckt an jedem Rebstock ein Zettel mit Aufschriften wie: Isabella, Osella, Bianka oder Solara.

Dietfried Röthel erstellt einen Pflanzplan

Falls Nachpflanzungen nötig sind, gibt es einen Pflanzplan, im dem Sonnenstand und Bodencharakter berücksichtigt werden. Bei den ganz alten Sorten sind nur einige kleine Trauben dran, die wurden damals zum Keltern verwendet. Hin und wieder, wenn es sehr trocken ist, müssen die Pflanzen gewässert werden. Auch der Rasen muss alle drei bis vier Wochen gemäht werden. „Wenn ich den Rasenmäher oder die Sense mitnehme, fahre ich mit dem Auto. Ansonsten bin ich lieber mit dem Fahrrad unterwegs“, sagt der gebürtige Gottsdorfer.

Die Trauben können schon bald geerntet werden. Quelle: Margrit Hahn

Manchmal nutzt er seinen Besuch auf dem Weinberg für einen Abstecher zu seinen Bruder Martin Röthel. Beide haben den Beruf des Müllers gelernt. Während sein Bruder nach wie vor als Müllermeister tätig ist, sattelte Dietfried Röthel um und wurde Bauingenieur – inzwischen ist er im Ruhestand. Oder besser gesagt im Unruhestand, denn er muss immer etwas zu tun haben.

Abstecher nach Australien

Wenn er seine Tochter in Australien besucht, schaut er sich dort die Weinberge an und kauft Weintrauben, um den Geschmack zu testen. Und er bringt sich immer Traubenkernöl mit, um Gemüse zu dünsten. von seinen Trauben Öl zu machen, kommt ihm aber nicht in den Sinn – das wäre ihm viel zu aufwendig. „Von meinem Weinberg will ich Trauben essen und Traubensaft trinken. Das reicht mir“, sagt Dietfried Röthel und gießt ein Glas vom dunkelroten Sagt ins Glas.

Von Margrit Hahn

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