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Teltow-Fläming Höcke will auf Trumps Spuren wandeln
Lokales Teltow-Fläming Höcke will auf Trumps Spuren wandeln
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00:17 13.03.2017
Björn Höcke (2.v.l.) zwischen den brandenburgischen AfD-Landtagsabgeordneten Andreas Kalbitz und Birgit Bessin im „Bergschlösschen“ in Jüterbog. Quelle: Uwe Klemens
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Jüterbog

Der Besuch des umstrittenen AfD-Politikers Björn Höcke in Jüterbog hat am Donnerstagabend zu vielfältigen Protesten und großem Andrang beim Veranstaltungsort geführt. Höcke war auf Einladung des AfD-Kreisverbands Teltow-Fläming zu einem Bürgerdialog in das Jüterboger „Bergschlösschen“ geladen worden. Rund 200 Menschen kamen zu der Veranstaltung, die sich vor allem um die Frage der AfD-Arbeit in den Landtagen und die Bundespolitik drehte. Rund 150 Menschen haben gegen den Auftritt von Björn Höcke demonstriert. Dazu hatte ein breites Bündnis aus Parteien, die evangelische Kirche und der Deutsche Gewerkschaftsbund aufgerufen.

Voller Saal beim Höcke-Auftritt. Quelle: Uwe Klemens

Als Höcke den Saal betrat hörte man laute „Höcke, Höcke“-Rufe. Unter den Zuhörern waren allerdings nicht nur Höcke-Anhänger. Als sie sich bemerkbar machten, kam im Saal Unruhe auf. „Schmeißt das Gesindel raus“, riefen einige. Bevor Höcke seine Ansprache hielt, richteten die Gastgeber ein Wort an die Zuhörer. Landtagsabgeordnete und AfD-Kreisvorsitzende Birgit Bessin sprach davon, dass es eine Willkommenskultur für Kinder und eine aktive Familienpolitik braucht, die die Geburtenrate steigere. Andreas Kalbitz, Vize-Chef der Partei, sagte unter dem Beifall vieler Zuhörer, dass die Brandenburger AfD zu Höcke stehe. Er sei ein unverzichtbarer Teil der Partei.

Björn Höcke sparte nicht mit Kritik an anderen Parteien. Quelle: Uwe Klemens

Björn Höcke zeigte sich in seiner Rede angriffslustig. Er sprach davon, dass die AfD einen knallharten „Anti-Establishment-Wahlkampf“ machen und auf den Spuren von Donald Trump wandeln müsse. In seiner Rede teilte er gegen die Feindbilder der AfD aus – gegen Merkel („Ich kann sie nicht mehr ertragen“), gegen Martin Schulz („Multikulturalist“) und offene Familienpolitik („Hände weg von den Seelen unserer Kinder“). Politiker der etablierten Parteien nannte er „Knallknöpfe“. Zu den Reaktionen auf seine umstrittenen Äußerungen zum Holocaust-Mahnmal oder Adolf Hitler äußerte Höcke sich nicht.

Friedensrundgang der AfD-Gegner durch Jüterbog. Quelle: Uwe Klemens

Gerade diese Aussagen des AfD-Politikers hatten die Art des Protests gegen seinen Auftritt geprägt. Mit einem Friedensrundgang zu mehreren Kriegsdenkmälern in Jüterbog wollten die Teilnehmer die „Geschichtsumdeutung“ Höckes – so der SPD-Landtagsabgeordnete Erik Stohn – nicht unbeantwortet stehen lassen. „Rufe wie ,Unsere Nation zuerst’ können uns wieder in ein Zeitalter der Kriege führen“, warnte Stohn.

Geschichtslehrer mit politischen Ambitionen

Der 44-jährige Politiker Björn Höcke stammt aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied und ist von Beruf Lehrer für Geschichte und Sport.

Seit zweieinhalb Jahren sitzt Höcke für die AfD im thüringischen Landtag und ist deren Fraktionsvorsitzender. Als Lehrer ist er für sein Mandat beurlaubt.

Höcke trat mehrfach mit völkisch-rassistischen Aussagen in Erscheinung. Daher soll er aus der Partei ausgeschlossen werden.

Er selbst kündigte an, im Jahr 2019 für das Amt des thüringischen Ministerpräsidenten zu kandidieren.

Mit Bezug auf Höckes Verunglimpfung des Berliner Mahnmals für die ermordeten Juden in Europa als „Mahnmal der Schande" sagte Pfarrerin Mechthild Falk, dass es sich dabei um ein „Mahnmal der Demut“ handele. Auch in Jüterbog gebe es mit den unscheinbaren Stolpersteinen für jüdischer Bürger solche Mahnmale. Es sei nicht leicht, „in den Abgrund des Bösen zu schauen, man ist versucht sich abzuwenden, aber dem muss man widerstehen – hier und in Berlin“, so Falk.

Demonstration am Abend in Höckes Hörweite. Quelle: Uwe Klemens

Pfarrer Bernhard Gutsche gestand ein, „dass Geschichte immer einen hohen emotionalen Anteil habe und Gedenken umstritten“ sei. Man müsse jedoch aufpassen, „welche Signale aus der Stadt entsendet werden.“ Weiter berichtete der Pfarrer, dass in der Nacht zu Donnerstag rund um die Kirche, dem Startort des Spaziergangs, viele AfD-Aufkleber angebracht wurden. Er selbst, so Gutsche, habe diese entfernt.

Friedlicher Protest mit Trillerpfeifen

Auch Frank Techen, Geschäftsführer der Gewerkschaft DGB Mark Brandenburg, protestierte. „Die Gewerkschaften war immer eines der ersten Opfer von Geschichtsklitterung“, sagte er. Ginge es nach der AfD, so Techen, sollten sich Gewerkschaften nicht zu gesellschaftlichen Themen äußern. Den Ruf nach der Nation will Techen so nicht gelten lassen: „Nur in einem gemeinsamen Europa kann man soziale Standards und Arbeitnehmerrechte durchsetzen“. Mit Sprechchören und Trillerpfeifen machten die vereinten Demonstranten deutlich, dass sie Höckes Geschichtsverständnis in Jüterbog ablehnen. Der Protest blieb friedlich und störungsfrei. Die Polizei war aber auf eine härtere Auseinandersetzung vorbereitet und mit insgesamt 104 Beamten im Einsatz.

Von Peter Degener und Christian Meyer

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