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Höhenflug mit Hindernissen

Trebbin Höhenflug mit Hindernissen

Bei Kaffee, Kuchen und Sekt wurde die Eröffnung des behindertengerechten Aufzugs am Trebbiner Rathaus gefeiert. Bis dahin galt es einige Hindernisse zu überwinden. Das was bei einer der ersten Fahrt nach oben als technischer Defekt vermutet wurde, als nichts mehr ging, war lediglich eine technische Sicherheitsmaßnahme, die funktionierte.

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Die beiden Rollstuhlfahrer Rolf Sutter (l.) und Detlev Heinrich aus Trebbin freuen sich, dass auch sie jetzt mit dem neuen Aufzug (im Hintergrund) ins Rathaus gelangen können.

Quelle: Hartmut F. Reck

Trebbin. Bei Kaffee, Kuchen und Sekt wurde am Dienstagnachmittag der neue Fahrstuhl am Trebbiner Rathaus eingeweiht. Sein Bau war von vielen in der Stadt seit Langem ersehnt worden. Gekommen waren vor allem ältere und behinderte Trebbiner, die sich nun freuen können, dass ihnen der Weg ins Rathaus nicht mehr versperrt ist.

So hatte unmittelbar vorher eine Mitgliederversammlung des Beirats für Senioren und Menschen mit Behinderung der Stadt Trebbin stattgefunden, der sich in den vergangenen Jahren für diese Lösung stark gemacht hatte. Die neu gewählte Vorsitzende Christine Feuerstake sagte: „Ich freue mich natürlich, dass der Aufzug endlich da ist. So können nun wirklich alle Trebbiner ins Rathaus kommen.“

Behinderte Menschen mussten bisher leider draußen bleiben

Das war bisher den älteren und behinderten Menschen weitgehend verwehrt. Sie konnten weder die Amtsstuben aufsuchen noch an Ausschusssitzungen teilnehmen. Und wenn jemand aus der Familie heiratete, mussten sie bei der standesamtlichen Trauung leider draußen bleiben.

Das ist nun vorbei. Doch zu aller Freude kam noch ein Wermutstropfen dazu: Wer beispielsweise mit dem Rollstuhl den Lift benutzen will, kann die Klapptür selber nicht öffnen und braucht dazu jemanden, der ihm dabei hilft. „Das ist wirklich schade“, sagte Detlev Heinrich, der als Rollstuhlfahrer den Aufzug gleich mal testen wollte.


Detlev Heinrich wagt die Fahrt mit dem Aufzug

Detlev Heinrich wagt die Fahrt mit dem Aufzug. Dabei blieb er gleich stecken, weil sich seine Kopilotin an die Außenwand gelehnt hatte.

Quelle: Hartmut F. Reck

Die stellvertretende Bürgermeisterin Ina Schulze öffnete Detlev Heinrich die Tür und fuhr mit ihm hinauf. Doch plötzlich stoppte die Kabine in dem gläsernen Turm. Nervös wurde auf alle möglichen Knöpfe gedrückt, aber nichts bewegte sich. „Das ist wohl der typische Vorführeffekt“ wurde halb belustigt, halb besorgt gesagt.

Bürgermeister Thomas Berger (CDU) blickte etwas entsetzt hoch, doch dann bewegte sich der Fahrstuhl doch wieder. Berger erkannte gleich den Grund: „Frau Schulze hat sich gegen die Außenwand gelehnt. Da ist eine Lichtschranke als Sicherheitsvorkehrung, die dafür sorgt, dass dann der Aufzug sofort anhält.“ Als erstes müsse also ein Schild mit der Aufschrift „Bitte nicht an die Wand lehnen“ angebracht werden, ordnete der Bürgermeister gleich an, als seine Stellvertreterin mit Detlev Heinrich wieder wohlbehalten unten auf dem Hinterhof des Rathauses ankam.

Die neue Beiratsvorsitzende Christine Feuerstake bedankt sich mit einem Blumenstrauß bei Trewo-Geschäftsführer Manfred Renner für seine Bemü

Die neue Beiratsvorsitzende Christine Feuerstake bedankt sich mit einem Blumenstrauß bei Trewo-Geschäftsführer Manfred Renner für seine Bemühungen.

Quelle: Hartmut F. Reck

Dort hatten sich die neue Beiratsvorsitzende Christine Feuerstake und ihr wiedergewählter Stellvertreter Fritz Peschka bei Manfred Renner, dem Geschäftsführer der Trebbiner Wohnungsbaugesellschaft (Trewo), mit einem Blumenstrauß dafür bedankt, dass er den Wunsch der Senioren und Behinderten endlich erfüllen konnte.

Die Verwirklichung dieses Vorhabens war aber keine reine Wunscherfüllung für den Seniorenbeirat, sondern ist auch eine europäische Maßgabe, die es an öffentlichen Gebäuden zu erfüllen gilt, betonte Manfred Renner am Rande der Veranstaltung.

Rund 80.000 Euro für den Aufzug

Die Trewo ist Eigentümerin des Rathauses und vermietet es an die Stadtverwaltung. Als Hausbesitzerin musste sie das Bauvorhaben auch umsetzen. Der Kostenpunkt für diese nicht unerhebliche Investition liegt laut Manfred Renner bei etwa 80 000 Euro. Davon werden 60 Prozent gefördert. Die restlichen 40 Prozent (rund 32 000 Euro) muss die Trewo aufbringen und als Modernisierungsumlage in den kommenden zehn Jahren in Höhe von 11 Prozent jährlich auf die Miete aufschlagen, womit sie die Investition wieder refinanzieren kann.

Mit ein Grund für die lange Wartezeit war, dass nicht jeder handelsübliche Aufzug für das Rathaus geeignet war. Da es ein Einzeldenkmal ist, stellte die Denkmalschutzbehörde bestimmte Anforderungen. So durfte der Aufzug nicht über den Traufbereich des Gebäudes hinausreichen. „Dieses Modell war das einzige, das uns angeboten wurde, ohne ein Maschinenhaus, das noch über dem Aufzug angebracht ist“, sagte Trewo-Geschäftsführer Renner. Auch unten war kein Platz. Hier musste ein neues Fundament gegossen werden.

Hohe Anforderungen

„Wir haben lange um diesen Tag gekämpft“, sagte Bürgermeister Thomas Berger, „der Beirat hat sich sehr lange dafür stark gemacht.“ Dass es dann doch etwas länger gedauert habe, sei kein böser Wille, sondern eben den besonderen Anforderungen geschuldet. Die gefundene Lösung, vielleicht bis auf die Klapptür, werde sowohl den Nutzern gerecht als auch dem Denkmalschutz. Dadurch, dass überwiegend Glas verbaut wurde, sei das Rathaus nicht verbaut worden, sagte Berger.

Er freut sich über das weitere Engagement des Beirats für Senioren und Menschen mit Behinderung, der es sich zum Ziel gesetzt habe, in jede Ausschusssitzung einen Vertreter zu entsenden. Dank dem Aufzug sei das ja nun auch leichter möglich. Die Vertreter sollen Entscheidungen der Stadtverordneten so begleiten, dass auch die Belange von alten und behinderten Menschen berücksichtigt werden.

Jetzt, da der Fahrstuhl das ist und auch behinderte Menschen ins Rathaus gelangen könnten, müsse noch bei den Toiletten nachgerüstet werden, räumte der Bürgermeister ein. Bei diesen gäbe es noch Stufen, die zwar nicht besonders hoch seien, aber trotzdem beseitigt werden sollen.

Von Hartmut F. Reck

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