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Holper-Start in der Region

Elektro-Autos Holper-Start in der Region

Auch in der Region ist die Skepsis gegenüber E-Autos groß, gerade einmal 118 Fahrzeuge sind aktuell in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald gemeldet. Doch abgesehen von mangelnder Reichweite, fehlender Infrastruktur und teurer Anschaffungskosten werfen Elektro-Autos auch viele ungeklärte technische Probleme auf. Was passiert etwa bei einem Unfall?

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Einfach an die Strom-Zapfsäule – auftanken – weiterfahren. Das klingt zwar gut, ist in der Region allerdings noch nicht Realität.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Eine Million Elektroautos bis 2020, das war schon 2009 ein ziemlich ambitioniertes Ziel, als es die Bundesregierung erstmals formulierte. Sechs Jahre später sind in ganz Deutschland gerade einmal rund 30 000 batteriegetriebene Autos auf den Straßen und Pessimisten bezweifeln, dass diese sich jemals durchsetzen werden. Auch für die Region sind die Zahlen mehr als ernüchternd: Aktuell sind in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald insgesamt gerade einmal 118 reine E-Fahrzeuge zugelassen (siehe Infokasten). Gerade im ländlichen Raum scheint die umweltfreundliche Alternative kaum eine Chance zu haben – trotz mancher Anstrengung auf lokaler Ebene.

Die Stadtverwaltung von Königs Wusterhausen zum Beispiel hat seit drei Jahren zwei Elektroautos im Gebrauch und bisher gute Erfahrungen gemacht: „Die Wagen sind hauptsächlich im Stadtbereich unterwegs, abends kommen sie an die Ladestationen und sind am nächsten Morgen wieder einsatzbereit“, berichtet Stadtsprecherin Dana Zellner. „Das funktioniert sehr gut.“ Auch die Stadtverwaltungen von Trebbin und Ludwigsfelde haben jeweils ein Elek-troauto in Gebrauch. In Trebbin können E-Auto-Fahrer zudem kostenlos an den acht im Stadtgebiet verteilten Ladestationen Energie „auftanken“.

Weitere Privilegien für Elektroautos gibt es in der Region nach MAZ-Informationen bislang allerdings nicht. Dabei steht es den Kommunen seit Juni 2015 frei, den Nutzern von E-Autos etwa kostenloses Parken oder die Nutzung von Busspuren zu gestatten. So sieht es das damals in Kraft getretene Elektromobilitätsgesetz vor. Doch weit abschreckender als fehlende Privilegien dürfte für die Kaufinteressenten eines E-Autos die fehlende Infrastruktur sein.

Auf der Internetseite Chargemap.com sind für die Region gerade einmal 19 Ladestationen eingezeichnet. Chargemap.com funktioniert nach dem Wikipedia-Prinzip, das heißt, die Nutzer der Seite können die Standorte der Ladestationen selbst eintragen. Insgesamt dürften es nicht mehr als 30 Stationen in der Region sein – inklusive dreier Schnelllade-Stationen des amerikanischen E-Autoherstellers Tesla Motors.

Tesla ist der weltweit erfolgreichste E-Autohersteller, allein 2015 hat das seit 2003 existierende Unternehmen weltweit mehr als 50 000 Fahrzeuge verkauft. Für die braucht es spezielle Ladestationen, so genannte Super Charger. Ein solcher Super Charger steht am Schönefelder Flughafen, zwei weitere hat Tesla in Zusammenarbeit mit den Van der Falk-Hotels in Rangsdorf und Bersteland im Spreewald aufgebaut – und sie scheinen gut angenommen zu werden: „Wenn ich zur Arbeit komme, sehe ich immer ein oder zwei Autos an der Ladestation stehen“, berichtet Astrid Honko, die Assistentin der Geschäftsleitung des Rangsdorfer Hotels. Auch in Bersteland seien jeden Tag mehrere Teslas zu sehen, heißt es. Doch allein mit den Nobel-Fahrzeugen aus Kalifornien – die Einstiegspreise liegen in Deutschland bei etwa 70 000 Euro – wird sich die Wende zur Elektromobilität kaum bewerkstelligen lassen. Und in der Region ist das Interesse an den E-Autos der klassischen Hersteller offenbar nicht besonders groß.

Mancher Autohändler reagiert fast ein wenig gereizt, wenn man nach der spritfreien Alternative fragt. Und andere haben wegen mangelnder Nachfrage nicht einmal E-Fahrzeuge im Fuhrpark für Probefahrten. Auch Manfred Schäm, Mitsubishi-Händler in Zossen, ist skeptisch bei dem Thema: „Das ist eine tolle Technik, aber bei Preisen von 50 000 Euro ist es schwierig, den Kunden die Vorteile des Elektroautos herauszustreichen“, formuliert der 64-Jährige vorsichtig. Die meisten Elek-trofahrzeuge hat Schäm nach Norwegen verkauft. Dort gibt es massive Steuernachlässe und andere Anreize wie Gratis-Strom, die wie eine Kaufprämie wirken, mit der Folge, dass dort mittlerweile fast jedes vierte neu zugelassene Auto ein Stromer ist. „Eine Kaufprämie würde die Nachfrage sicherlich auch in Deutschland ankurbeln“, sagt Schäm. Tatsächlich war gerade wieder im Gespräch, Käufer von Elektrofahrzeugen mit 5000 Euro zu unterstützen. Doch der Vorschlag hat sich beim Elektromobilitäts-Gipfel der Bundesregierung in der vorigen Woche nicht durchgesetzt.

Doch der fehlende Kaufanreiz ist bei Weitem nicht das einzige Problem: Die mangelnde Reichweite und die relativ geringe Höchstgeschwindigkeit vieler Elektroautos schreckt auch viele Interessenten ab, berichtet Manfred Schäm: „Und wenn Sie dann an einer Tankstelle vorbeifahren und sehen, dass Diesel unter einem Euro kostet, ist das auch nicht gerade förderlich.“ Außerdem habe ihm noch niemand erklären können, was eigentlich passiert, wenn ein Elektroauto verunglückt: „Wenn das ganze Fahrzeug dann unter Strom steht, kommt ja auch keine Feuerwehr mehr daran, um die Insassen zu bergen“, so der Diplom-Ingenieur für Fahrzeugtechnik. In den Werkstätten ergebe sich ein ähnliches Problem: „Ein normaler Schlosser darf an so ein Fahrzeug ja gar nicht heran, die müssen alle besonders geschult werden.“

Auch der öffentliche Verkehrssektor tut sich schwer mit E-Fahrzeugen. „Wir verschließen uns dem Thema nicht“, sagt Thomas Mock, Betriebsleiter der Regionalen Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald (RVS) in Mittenwalde. „Aber es müsste ausreichend Ladestellen an geeigneten Plätzen geben und die Ladezeiten müssten so kurz sein, dass sich das mit dem Fahrplan in Einklang bringen lässt.“ Bisher seien aber auch die Fahrzeuge noch zu teuer. Vor den gleichen Problemen steht die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming (VTF): „Damit Elektromobilität für die Kommunen bezahlbar wird, geht es nicht ohne Zuschüsse vom Bund“, sagt Andreas Franke, Prokurist bei der VTF. „Die Bundesregierung bemüht sich ja, aber es reicht bisher nicht aus.“

Von Martin Küper

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