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Für meinen Hund einen Irokesen, bitte!

MAZ macht mit im Hundesalon Für meinen Hund einen Irokesen, bitte!

Seit bald 17 Jahren betreibt Petra Pietschker in Zossen den Hundesalon „Benny“. MAZ-Reporter MArtin Küper ist ihr einen Vormittag lang zur Hand gegangen. Seine Erfahrung: Mit Hunden beim Friseur verhält es sich ähnlich wie mit Menschen beim Zahnarzt.

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In dem Hundefrisiersalon gibt es auch Accessoires rund ums Tier.

Zossen. Einen dankbareren ersten Kunden als Nico hätte ich mir für meine beginnende Karriere als Hundefriseur kaum wünschen können. Geduldig lässt sich der Dackelmischling mit dem Haarschneider trimmen und schaut mich auch noch treuherzig aus großen braunen Augen an, nachdem ich ihm gerade eine Scharte in die Seite rasiert habe. Ups.

Im Menschenhaar-Gewerbe hätte ich damit wohl eine mittelschwere Katastrophe ausgelöst, aber meine Ausbilderin ist zum Glück nachsichtig. „Jeder Hund ist anders, das ist genau wie bei Menschen“, sagt Petra Pietschker. „Für manche ist der Besuch kein Problem, manche mögen es aber auch gar nicht und zittern oder beißen sogar. Da braucht man einfach Einfühlungsvermögen.“

Selbst geduldige Hunde brauchen ein Leckerli

Seit bald 17 Jahren betreibt die gebürtige Potsdamerin in Zossen ihren Hundesalon „Benny“ – benannt nach dem Spitznamen ihres Mannes. Anfangs ist mir etwas mulmig, als ich den ausgebauten Kellerraum betrete. Es riecht ein wenig wie im Großkatzengehege, nur hundelastiger. Und hatte mir ein Arzt nicht mal eine Hundehaar-Allergie attestiert?

Dackelmischling Nico ist ein besonders entspannter Hund, wenn es zum Hundefriseur geht

Dackelmischling Nico ist ein besonders entspannter Hund, wenn es zum Hundefriseur geht. Er verzeiht auch schon mal kleine Fehlleistungen mit dem Haarschneider.

Quelle: G.I.

Aber egal, Nico muss noch gebürstet werden und selbst der geduldigste Hund braucht irgendwann sein Leckerli. „Mit der anderen Hand ein bisschen Halt geben“, rät mir Petra Pietschker, während ich das Dackelfell mit der Hundebürste bearbeite. „Der Nico ist wirklich ein Modell von einem Hund. Der steht wie eine Eins und macht alles mit“, sagt die Hundefriseurin.

Zum ersten Mal im Hundesalon

Bei unserem nächsten Kunden hilft dagegen auch alles Einfühlungsvermögen der Welt nicht weiter. Fredo ist an diesem Tag zum ersten Mal im Hundesalon. Der ein Jahr alte Chihuahua-Mischling lebt erst seit ein paar Wochen in Deutschland. „Tierschützer haben ihn in Spanien aus einer Tötungsstation geholt“, erzählt Uta Müller, Fredos neue Halterin. Seine erste Familie wollte den kleinen Kerl nicht mehr haben und hat ihn der Giftspritze überlassen. „Grauenhaft, wie kann man so was machen?“, sagt Petra Pietschker.

Immer schön akkurat in der Wuchsrichtung scheren

Immer schön akkurat in der Wuchsrichtung scheren!

Quelle: Irmscher

In Anbetracht der Situation lasse ich der Expertin den Vortritt. Zitternd steht das handgroße Tier auf dem Frisiertisch, eng angeleint, damit es vor Schreck nicht hinunterspringt. Die Behandlung mit der Hundebürste lässt Fredo noch über sich ergehen. Doch als Petra Pietschker mit der Schere ansetzen will, packt ihn die Panik.

Manche Hunde sind so verfilzt, dass sie kaum Luft holen können

Fredo jault und schnappt immer wieder nach der sich nähernden Hand. Petra Pietschker bricht ab: „Das hat keinen Sinn, ich kann ihn nicht zwingen. Er muss ein paar sehr schlimme Erfahrungen gemacht haben.“ Sie nimmt das Tier auf den Arm und redet ihm gut zu, bis es sich wieder entspannt hat. „Da werden wir viel Geduld brauchen, bis das klappt.“ Uta Müller soll ihren Fredo in den kommenden Monaten langsam an den Friseurbesuch gewöhnen, immer mal wieder vorbeischauen, damit der Hund die Umgebung kennenlernt. Ihn an das Geräusch der Schere gewöhnen. Und vor allem: gut bürsten.

„Was ich hier manchmal erlebe, grenzt wirklich an Tierquälerei“, erzählt Petra Pietschker. „Manche Hunde sind so verfilzt, dass sie kaum noch Luft bekommen.“ Hunde können nicht schwitzen, sie regulieren ihre Körpertemperatur über das Hecheln. Wenn das Fell verfilzt ist, überhitzen sie und müssen ständig hecheln. „Ich habe auch schon geweint, wenn ich hier fertig war“, sagt Petra Pietschker, die selbst zwei Yorkshire-Terrier hat.

In dem Hundefrisiersalon gibt es auch Accessoires rund ums Tier

In dem Hundefrisiersalon gibt es auch Accessoires rund ums Tier.

Quelle: G.I.

Die 54-Jährige liebt aber nicht nur Hunde, am liebsten wäre sie Tierpflegerin im Zoo geworden. „Ich hätte so gerne mal ein Affenbaby mit der Flasche aufgezogen.“ Aber die Ausbildung blieb ihr zu DDR-Zeiten verwehrt. Stattdessen wurde sie erst Krippen-Erzieherin und später Buchhändlerin: „Und beides hilft mir jetzt“, sagt Petra Pietschker.

Traumberuf Hundefriseurin

Als Hundefriseurin hat sie ihren Traumberuf gefunden. Als sie damals von Potsdam nach Zossen zog, fand sie weit und breit keinen guten Hundesalon. „Also habe ich meine Hunde selbst frisiert. Freunde und Bekannte fanden das toll und wollten, dass ich ihre Hunde auch schneide. Und dann sagte mein Mann, ich sollte mich doch selbstständig machen.“ Und das tat sie.

In ihrem alten Hundesalon in Potsdam ließ sie sich alles beibringen, eine reguläre Ausbildung gibt es für den Beruf nicht. Inzwischen müssen es hunderte Tiere sein, die Petra Pietschker frisiert hat. Auf Werbung ist sie schon lange nicht mehr angewiesen, die Kundschaft wächst allein durch Mundpropaganda. „Es gibt sogar Leute, die extra aus Berlin angereist kommen“, erzählt Petra Pietschker.

Alles Haar muss weg

Alles Haar muss weg.

Quelle: Irmscher

Wirklich extravagante Frisuren werden aber nur selten verlangt. „Ich schneide schon mal einen Irokesen oder einen Löwenschwanz“, erzählt Petra Pietschker. „Aber die meisten wollen einfach einen Mittelschnitt.“ Es geht schließlich vor allem um Fellpflege. „Draußenhunde brauchen keinen Hundefriseur, aber Drinnenhunde sollten einmal im Vierteljahr geschnitten werden und Pudel sogar alle sechs Wochen“.

Ob ich so bald wieder einen Hundesalon betrete, wage ich dagegen zu bezweifeln. Am Ende juckt es schon ein wenig an den Augen.

Von Martin Küper

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