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IT-Sicherheit für viele Firmen kein Thema

Dahmeland-Fläming IT-Sicherheit für viele Firmen kein Thema

Die Zahl der Hackerangriffe im Großraum Berlin ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, wie eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern ergeben hat. Doch für viele kleine Firmen in der Region ist IT-Sicherheit kein Thema. Dabei können auch sie getroffen werden – mit schlimmen Folgen.

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Gezielte Hackerangriffe richten sich meist gegen größere Firmen, aber treffen kann es jede, die im Internet aktiv ist (Symbolfoto).

Quelle: Foto: dpa

Dahmeland-Fläming. Diebstahl, Vandalismus, Einbruch und Betrug: Wenn brandenburgische Firmen Opfer von Kriminalität werden, handelt es sich meistens noch immer um analoge Verbrechen. Doch die Zahl der von Hackerangriffen betroffenen Unternehmen in Berlin und Brandenburg hat sich zwischen 2010 und 2016 mehr als verdoppelt – von 11,9 auf 27,4 Prozent. Das geht aus dem jüngsten Kriminalitätsbarometer der Industrie- und Handelskammern (IHK) hervor.

32,4 Prozent der Firmen in Berlin und dem Umland betroffen

Die Umfrage unter 6129 Unternehmen (von denen 1685 antworteten) unterscheidet nicht nach Landkreisen oder IHK-Bezirken, sondern nach der Nähe zu Berlin. Dabei zeigte sich, dass 32,8 Prozent aller Firmen in Berlin und im Umland von Hackerangriffen betroffen waren. Damit belegt die Cyberkriminalität inzwischen den zweiten Platz in der Statistik, nur Diebstahl macht noch mehr Firmen zu schaffen, nämlich 38,5 Prozent der Befragten.

Kleine Firmen unterschätzen das Thema

In der Region Dahmeland-Fläming scheinen viele Firmen das Thema IT-Sicherheit aber noch immer zu unterschätzen. „Kleine Handwerksbetriebe zum Beispiel, die legen da überhaupt keinen Wert drauf“, berichtet Michel Kuphal, der als PC-Doktor in Ludwisgfelde und Umgebung gerufen wird, wenn der Schaden erstmal da ist. „Hauptsache der Nagel kommt in die Wand, was der Rechner da unten macht, ist egal“, beschreibt er das Phänomen. Kuphals Metier sind aber auch keine gezielten Angriffe von Hackern, die Kundendaten erbeuten oder einen Geschäftsführer mit einer Verschlüsselungssoftware erpressen wollen. „Wir werden eher dann gerufen, wenn jemand in der Firma eine Email mit Trojaner-Software geöffnet hat und Daten gesichert werden müssen.“

Hintergrund

Das Kriminalitätsbarometer der Industrie- und Handelskammern (IHK) in Berlin und Brandenburg wird einmal im Jahr erstellt

Zusammen mit der Konjunkturumfrage schicken die IHK ihren Mitgliedsunternehmen einen Fragebogen zum Thema Kriminalität.

Für das Jahr 2016 haben sich 1685 Unternehmer an der Umfrage beteiligt. Unterschieden wird zwischen Grenzraum, Berlin mit Umland und weiterer Metropolenraum.

Insgesamt nehmen die Firmen das Thema Kriminalität zurzeit am bedrohlichsten wahr, gefolgt vom Fachkräftemangel und der Energieversorgung.

Am stärksten betroffen von Hackerangriffen sind Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor – 34,6 Prozent der Befragten. An zweiter Stellen folgen Industrieunternehmen mit 24 Prozent.

Für einen kleinen Betrieb können verlorene Daten zum großen Problem werden: „Das ist eine Katastrophe, wenn das Finanzamt kommt und man nicht mehr beweisen kann, was man gemacht hat, weil die Daten alle weg sind“, erklärt Kuphal. „Und die meisten Betriebe nutzen kostenlose Antivirenprogramme, obwohl jeden Tag mehr als 1000 neue Viren in Umlauf kommen. Das geht gar nicht.“ Die Betriebe würden IT-Sicherheit nur als Kostenfaktor sehen, dabei sei der Preis viel höher, wenn der Schaden erstmal da sei.

Schadprogramme frei im Internet verfügbar

Hinzu kommt: Im Jahr braucht es 2017 keine großen Computerkenntnisse mehr, um einen Schaden anzurichten oder ein Unternehmen zu attackieren: „Im Internet sind immer mehr Programme im Umlauf, mit denen auch Kleinkriminelle Daten abgreifen können“, sagt Alexander Szanto. Der 32-Jährige hat am Londoner King’s College Internet-Sicherheit studiert und forscht nun am Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit in Potsdam zu dem Thema. Allerdings wachse bei den Unternehmen auch das Bewusstsein für die Problematik, glaubt Szanto: „Große Hackerangriffe werden inzwischen häufiger publik und die Medien berichten auch darüber. So langsam spricht sich herum, was eine Phishing-Mail ist und dass man keine dubiosen Email-Anhänge öffnen sollte.“ Getroffen werden könne grundsätzlich jede Firma, die ans Internet angeschlossen ist: „Früher waren vor allem große Unternehmen im Fadenkreuz der Hacker da sie eher digitalisiert und somit für Cyberattacken erreichbar waren. Durch die zunehmende Digitalisierung und die damit einhergehenden Vorteile für kleine und mittlere Unternehmen, sind diese inzwischen auch immer häufiger betroffen, und sei es nur als Kollateralschaden eines größeren Angriffs. Dies liegt vor allem an der häufig fehlenden Sensibilisierung für dieses Thema und damit einhergehend fehlendes Knowhow und Personal, und den limitierten finanziellen Möglichkeiten“, sagt Szanto.

Davon ist Gerald Krüger bislang verschont geblieben, aber der Elektroinstallateur und Kreishandwerksmeister aus Bestensee hat die Tipps vom Experten längst verinnerlicht: „Vor Jahren hatte ich mal eine Schadsoftware auf dem Rechner und konnte nichts mehr machen. Da habe ich einen Freund gerufen, der Netzwerkadministrator für mehrere Gemeinden ist, der konnte mir helfen.“ Seither öffnet Krüger keine E-Mails mehr von Absendern, die er nicht kennt. „Und ich bin mir sicher, dass meine Kollegen das auch so machen.“

Von Martin Küper

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