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„Ich bin eher praktisch orientiert“

Nuthe Urstromtal „Ich bin eher praktisch orientiert“

Keine sechs Wochen mehr, dann tritt Stefan Scheddin sein neues Amt als Bürgermeister von Nuthe-Urstromtal an. Der parteilose Überraschungssieger muss sich nun auf ganz andere Lebens- und Arbeitsumstände einstellen. Derzeit bereitet er sich auf seine neue Tätigkeit vor. An der Struktur der Verwaltung will er nicht rütteln.Über seine ersten Vorhaben sprach er mit der MAZ.

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Stefan Scheddin (parteilos) aus Ahrensdorf wurde zu neuen Bürgermeister der Gemende Nuthe-Urstromtal gewählt

Quelle: Margrit Hahn

Ahrensdorf. Es ist ungefähr Halbzeit zwischen der Wahl und dem Amtsantritt des neuen Bürgermeisters von Nuthe-Urstromtal. Am 15. Oktober wurde der parteilose Kandidat Stefan Scheddin in der Stichwahl gewählt und obsiegte damals über die Amtsinhaberin Monika Nestler (Linke). Jetzt sind es noch knapp sechs Wochen bis der gelernte Bauklempner und aktuelle Ahrensdorfer Ortsvorsteher am 15. Januar sein Amt als Bürgermeister der flächengrößten Gemeinde Deutschlands antreten wird.

Herr Scheddin, haben Sie inzwischen den Schock Ihres Wahlsiegs überwunden – oder haben Sie immer noch Angst vor der eigenen Courage?

Stefan Scheddin: Nein, Angst habe ich nicht. Aber es war schon ein außergewöhnliches Gefühl und sicherlich eine ziemliche Überraschung, als das Wahlergebnis bekannt wurde. Dass ich in die Stichwahl komme, damit hatte ich schon gerechnet, aber nicht mit einem Wahlsieg – hatte Frau Nestler doch im ersten Wahlgang rund 600 Stimmen mehr als ich.

Die Überraschung war überall groß. Was für Reaktionen haben Sie erlebt?

Das war auch eine Überraschung, denn es gab viele positive Reaktionen, aber leider auch negative, von denen einige arg unter der Gürtellinie lagen.

Was hat sich für Sie seitdem geändert? Steigen Sie noch auf Dächer?

Dazu komme ich gar nicht mehr. Der Terminkalender ist voller geworden. Ich habe die Zeit genutzt und mich mit vielen Bürgern getroffen, mit Firmeninhabern und mit Bürgermeistern der Region.

Soso. Waren Sie auch schon bei Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue, wie mal kolportiert wurde?

Nein, bisher noch nicht, aber auch ihn werde ich in Jüterbog besuchen. Wenn ich erst mal selber im Amt bin, werde ich auch noch offizielle Antrittsbesuche machen. Aber es schadet ja nicht, wenn man sich vorher schon mal gesehen hat.

Es gibt Gerüchte, dass man in der Gemeindeverwaltung nicht gerade entzückt darüber ist, Sie als neuen Vorgesetzten zu bekommen. Wie gehen Sie damit um?

Das kann ich so nicht bestätigen. Jedenfalls habe ich mich schon mit mehreren Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung getroffen, unter anderem mit Frau Kaiser. Ich hatte nicht den Eindruck, dass irgendjemand mir absolut negativ gegenüberstand. Mein Überraschungserfolg hat vermutlich manchen Mitarbeiter der Verwaltung kopflos gemacht, aber ich denke, das hat sich gelegt.

Jetzt müssen die Verwaltungsmitarbeiter aber ihren neuen Chef erst einmal in seinem Job einarbeiten.

Das ist richtig. Ich gehe aber mal davon aus, dass sie sich dem gewählten Bürgermeister gegenüber loyal verhalten. Warum sollte es auch anders sein?

Na, vielleicht haben einige von ihnen auch Angst davor, dass sich allerhand ändern wird.

Angst braucht niemand zu haben. Ich habe nicht vor, an den Verwaltungsstrukturen mit den einzelnen Fachbereichen zu rütteln. Diese haben sich bewährt. Die Mitarbeiter zu entlassen geht erstens nicht und wäre zweitens Unfug!

Was haben Sie überhaupt vor?

Da habe ich schon eine ganze Liste vorbereitet. Auf jeden Fall will ich eine Bürgersprechstunde einrichten und das nicht nur am Verwaltungssitz in Ruhlsdorf, sondern auch in den Ortsteilen. Neben dem bestehenden Seniorenbeirat würde ich gern einen Jugendbeirat in Leben rufen. Besonders am Herzen liegt mir der Nahverkehr. Den würde ich gern mit dem Kreis und der Verkehrsgesellschaft VTF unter die Lupe nehmen. Es ist für die Bewohner vieler Ortsteile gar nicht mögliche, mit Bus und Bahn zu verreisen. Warum fährt zum Beispiel der Schulbus nach Trebbin nur bis zur Schule und nicht weiter bis zum Bahnhof? Auch gilt es, das Tourismuskonzept zu überdenken. Der Fläming-Walk wird teilweise gar nicht genutzt. Dafür sollte man über ein Reitwegekonzept nachdenken. Auch sollten wir einige Ökoprojekte in Angriff nehmen wie zum Beispiel in Trebbin.

Was wird für Sie die größte Herausforderung sein?

Das Zeitmanagement wird sich verlagern. Das war mir aber auch schon vorher klar. Bisher habe ich die Verwaltungsangelegenheiten meines Betriebs, der nun ganz auf meinen Bruder übergeht, morgens, abends und am Wochenende erledigt. Das wird jetzt anders. Wenig Zeit für die Familie hatte ich auch vorher schon und bin selten abends pünktlich nach Hause gekommen. Außerdem bin ich eher praktisch orientiert; jetzt muss ich mehr verwalten. Aber auch hier will ich meine Ideen einbringen, auch wenn sie vielleicht nicht alle umsetzbar sind. Aber mehrere Ideen sind immer noch besser als nur eine. Und dafür sollte man ein offenes Ohr haben

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Am Tag vor der Stichwahl geheiratet

Stephan Scheddin ist (noch) 38 Jahre alt und inzwischen verheiratet. Er hat zwei Kinder, einen Hund und eine Katze.

Gelernt hat er den Beruf des Bauklempners. Er übernahm gemeinsam mit seinem Bruder den Dachdeckerbetrieb des Vaters.

Seit 2010 sitzt Scheddin als parteiloser Abgeordneter in der Gemeindevertretung. Er wurde über die Liste der CDU gewählt, deren Fraktionsmitglied er bisher auch war.

Am 15. Januar 2018 wird er sein Amt als Bürgermeister von Nuthe-Urstromtal antreten.

Geheiratet hat Stefan Scheddin am Tag vor der Stichwahl. Der Termin stand schon lange fest. Es sollte alles ganz heimlich sein – bei der Auszählung am Tag danach fiel aber sein Ehering auf. Nach der Siegesfeier mussten seine Frau und er jede Menge Scherben vor der Haustür abräumen.

Von Hartmut F. Reck

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