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Teltow-Fläming "Ich konnte mich austoben"
Lokales Teltow-Fläming "Ich konnte mich austoben"
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00:18 26.10.2013
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Wie wird man eigentlich Museumsleiterin?

Ich bin 1986 der Liebe wegen nach Glau gezogen. Mein Mann schlug mir damals vor, zu Hause zu bleiben. Doch das war mir zu langweilig. Ich hatte jahrelang in einem Kunstgewerbezirkel mitgearbeitet und dort Glasmalerei gelernt. Dass habe ich nebenbei gemacht. Mir fehlten aber die Menschen. Meine Freundin Kirsten erzählte mir dann, dass jemand fürs Museum gesucht wird. Ich habe gedacht, das ist genau das, was ich machen möchte. Ich habe sie gefragt, ob sie den Job will. Aber für sie kam das nicht in Frage. So habe ich mich beworben. Aber bis zur Museumsleiterin war es ein weiter Weg.

20 Jahre hat Martina Pahlow das Bauernmuseum geleitet. Jetzt geht sie in Ruhestand und hat der MAZ vorher noch einige Schmuckstücke gezeigt.

War er steinig?

Nein, das nicht. Erstmal habe ich ja nur nebenberuflich gearbeitet. Am 1. November 1989 erhielt ich dann die Festanstellung. Damals war das Blankenseer Museum noch Außenstelle von Luckenwalde. Rosemarie Illner war die Leiterin hier in Blankensee und meine Chefin.

Woran erinnern Sie sich nicht so gern?

An meinen ersten Arbeitstag. Der war ein Alptraum. Meine Chefin war krank und sie erklärte mir, dass am nächsten Tag ein Reisebus kommt und ich die Führung durchs Museum übernehmen muss. Sie gab mir eine Kassette mit allen Informationen. Ich hatte eine schlaflose Nacht, habe die Kassette rauf und runter gehört, und konnte sie in und auswendig. Dann kam die Chefin doch und meinte, sie könne mich doch nicht allein lassen. Einerseits war ich erleichtert, anderseits sauer, denn ich hatte mir die Führung so etwas von eingebläut.

Wie habe Sie hier in den alten Gemäuern die Wende erlebt?

Das war auch toll. Wir hatten gerade eine Tagung mit on Vertretern verschiedner Agrarhistorischer Museen. Die hatten sich am 9. November eine Führung durchs Haus gewünscht. Aber nachdem sie von der Maueröffnung erfahren hatten, wollte jeder nur schnell nach Hause. Und ich stand allein da.

Welche Veränderungen haben sich durch den Mauerfall für Sie ergeben?

Nach der Wende sind wir regelrecht überrollt worden. Wir hatten damals nur Sonnabend Nachmittag geöffnet. Sonntag war zu. Ich habe vorgeschlagen, sonntags aufzumachen. Karl Kreuz, der Leiter des Luckenwalder Heimatmuseums, zu dem wir ja noch gehörten, war völlig irritiert, dass wir freiwillig am Wochenende arbeiten wollen.

Hatten Sie damals schon den Hut fürs Museum auf?

Nein, das kam erst durch unsern neuen Bürgermeister Eckehard Möller. Er setzte sich dafür ein, dass das Bauernmuseum in Trägerschaft der Gemeinde zurückging. Mit der Bedingung, dass ich die Leiterin wurde. Und dann konnte ich mich so richtig schön austoben.

Wie darf man das verstehen?

Ich habe erstmal versucht, Künstler ranzukriegen. Blankensee war immer schon ein Aushängeschild. Viele Künstler sind hierher gekommen und konnte mir dann aussuchen, wer hier ausstellt. So habe ich sehr interessante Menschen kennen gelernt.

Wie viele Besucher kommen jedes Jahr ins Bauernmuseum?

Der Rekord lag im Jahr 1996 bei 16.000 Besuchern. Jetzt sind es im Schnitt 3000. Das hat mit der Einführung des Euros schlagartig abgenommen. Außerdem wurde auch das Wanderdorf Gröben geschlossen, da sind früher 2000 Kinder im Jahr gekommen.

Hatten Sie mal Sorgen, dass das Museum geschlossen wird?

Ja, 1998 als wir eingemeindet wurden, gehörten das Museum zur Stadt Trebbin. Und Museum kosten Geld. Deshalb wurde überlegt das Bauernmuseum abzustoßen. Dagegen habe ich immer gekämpft. Aber es stand immer wieder auf der Kippe. Trebbins Bürgermeister Thomas Berger und die Stadtverordneten haben sich irgendwann positioniert und sich für den Erhalt ausgesprochen.

Welches war die bisher lustigste Begebenheit?

Ein kleiner Junge wollte mal wissen was es mit den Hochzeitsstrümpfen auf sich hat, die im Laufe der Jahre ein wenig löchrig geworden sind. Er war völlig verwundert, dass sie so kaputt sind und meinte, oh, dann muss der aber oft geheiratet haben. Und in der schwarzen Küche, wenn ich den Vergleich mit Max und Moritz anbringe, wollen die Kinder oft wissen ob die hier gewohnt haben. Dass werde ich übrigens auch oft gefragt. Besonders freut es mich, wenn Kinder die zu Führungen hier waren wenig später mit ihren Eltern wiederkommen und dann erzählen, was sie noch alles wissen.

Wer war der bisher prominenteste Gast im Haus?

Gräfin Bernadotte, der die Insel Mainau gehört. Blankensee hatte am Bundeswettbewerb teilgenommen und sie war die Vorsitzende der Kommission.

Sie sind fürs Museum sogar schon von der Treppe gefallen. War das nicht etwas übereifrig?

Ich glaub ja. Es war zwei Tage vor dem Museumsfest. Ich wollte Gerätschaften von der Bodentreppe räumen, weil es ordentlich aussehen sollte. Dabei habe die Balance verloren und bin rückwärts dreieinhalb, vier Meter runtergestürzt. Ich wurde mit dem Hubschrauber ins Bergmann Klinikum geflogen und war ein halbes Jahr außer Gefecht.

Welches sind die schönsten Erlebnisse im Museum?

Es sind so viele. Mir haben immer besonders gut die Ausstellungen gefallen – auch die ich selbst gestaltet habe. Puppen, Geschirr, alles um die Wäsche, Küche in Omas Zeiten. Aber auch die Vorbereitungen für die 800-Jahrfeier waren sehr schön. Da haben wir Tag und Nacht gesessen, um für die Schüler die Kleidung für den Festumzug zu nähen. Auch die Lange Nacht der Museen und das Museumsfest, das Federnreißen gehören Fall zu den Höhepunkten. Im Museum wurde ja auch schon etliche Filme gedreht. Dass war immer aufregend aber auch interessant.

Erinnern Sie sich an einen Film besonders?

Einmal wurde mit einer dressierten Gans in unserem Museum-Wohnzimmer gedreht. Allerdings hat sie ihr Geschäft mitten im Raum verrichtet. Da hat die Dressur dann doch nicht so geklappt.

Sie planen Ihren Ruhestand. Wann ist Ihr letzter Tag im Museum? Gibt es einen Nachfolger?

Pahlow: Am 20. November ist mein letzter Arbeitstag. Karsten Bartoll wird mein Nachfolger, das steht schon fest. Er hat seinen Arbeitsvertrag bereits unterschrieben.

Wie stellt man sich als Unruhige den Ruhestand vor?

Ich bin seit 1997 Vereinsvorsitzende und das bleibe ich auch erstmal. Außerdem habe ich noch Haus und Garten. Da ist viel liegen geblieben, da weiß ich gar nicht, wo zuerst anfangen.

Werden Sie öfter ins Museum kommen?

Zu Ausstellungseröffnungen würde ich schon gerne kommen. Die fürs nächstes Jahr habe ich alle organisiert und ich kenne die Leute ja alle persönlich. Da will ich schon noch ein kleines Schwätzchen machen.

Welche Wünsche haben Sie sich als Museumsleiterin erfüllt?

Den Kräutergarten und den Lehmbackofen. Das wollte ich immer, und habe es letztendlich auch bekommen.

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