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Teltow-Fläming „Ich sehe mich nicht als großer Bestimmer“
Lokales Teltow-Fläming „Ich sehe mich nicht als großer Bestimmer“
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00:27 06.12.2015
David Kaluza ist seit vier Jahren der parteilose Bürgermeister der Gemeinde Niederer Fläming. Privat ist er weiterhin dem Fußball treu – als Nachwuchskoordinator beim Zellendofer SV. Quelle: Gertraud Behrendt
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Lichterfelde

Im Jahr 2011 wurde David Kaluza (parteilos) zum Bürgermeister von Niederer Fläming gewählt. Er schob das Großprojekt Campus der Generationen an, bekam die Gemeinde schuldenfrei und freut sich vor allem über das Engagement der Einwohner in den vielen kleinen Ortsteilen. Zeit für eine Halbzeitbilanz.


MAZ:
Ein Großprojekt prägt bisher Ihre Amtszeit: der Umbau der Schule Werbig zum Campus der Generationen. Kommen da andere Ortsteile nicht zu kurz?

David Kaluza: Das Mega-Projekt Campus ist schon am wichtigsten, um den Schulstandort zukunftssicher zu machen. Unseren Eigenanteil haben wir schuldenfrei zusammenbekommen. Daneben haben wir, ebenfalls ohne Kredite, größere Reparaturen an Straßen sowie Straßenbeleuchtungen finanziert. 2016 wird die Wendeschleife in Lichterfelde befestigt, und wir lassen mehrere kostenintensive Straßenbeleuchtungen auf LED umstellen, um zugleich die Energiekosten zu senken.

Gibt es weitere Schwerpunkte?

Kaluza: Auch in die Kindereinrichtungen wurde seit meinem Amtsantritt viel investiert, um Defizite hinsichtlich Ausstattung und Personal auszugleichen. Mein Credo ist, dort zu investieren, wo es den größten Nutzen bringt, beispielsweise auch bei der Photovoltaik auf der Schulküchen-Mensa. Wir hatten errechnet, dass sich die Anlage in neuneinhalb Jahren amortisiert. Sie ist jetzt gut zwei Jahre am Netz und wird bei der Preisentwicklung bereits nach sieben Jahren rentabel sein.

„In den Dörfern wächst mehr Eigeninitiative.“

Welche Erfolge zählen Sie außerdem zu Ihrer Halbzeit-Bilanz?

Kaluza: Das ist nicht immer in Zahlen auszudrücken. Als ich begonnen habe, hat jeder Gemeindevertreter nur von seinem Dorf gesprochen. Jetzt fühlen sie und auch die Ortsvorsteher sich der Flächengemeinde im Ganzen verbunden. Da bin ich schon stolz, dass da inzwischen was passiert ist. Aber auch in den Dörfern wächst mehr Eigeninitiative.

Wo denn?

Kaluza: Paradebeispiele sind Hohenseefeld und Meinsdorf. Hohenseefeld hat 2014 den ersten Platz beim Kreiswettbewerb und 2015 den dritten Platz beim Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ belegt, nachdem die Einwohner 2013 das Kreiserntefest ausgerichtet hatten. Hohenseefeld wird das Land Brandenburg beim Europäischen Dorferneuerungspreis 2016 vertreten. In Meinsdorf wurde erst auf die Verwaltung geschaut, um das Trachtenfest auszurichten. Wir unterstützen, sind aber nicht der Veranstalter.

„Stolz bin ich auch auf die Schaffung von sechs neuen Spielplätzen.“

Wie sieht diese Unterstützung aus?

Kaluza: Ich möchte derjenige sein, der Anstöße gibt, so wie bei der Bildung des Gemeindeentwicklungsausschusses nach der Kommunalwahl 2014. Dieser hat sehr intensiv gearbeitet und Prioritäten nach der Notwendigkeit gesetzt, unabhängig davon, ob im größten Ortsteil Hohenseefeld oder im kleinen Weißen etwas gemacht werden muss. So ist die Straßenreparatur im Nachtragshaushalt 2015 für beide Orte veranschlagt. Dass die Gemeindevertreter nun die Erarbeitung eines Leitbildes beschlossen haben, freut mich auch. Ich hatte dafür plädiert, weil wir dann alle Maßnahmen daran messen können, ob sie zum Leitbild passen, also zu den Zielen, wohin sich die Gemeinde entwickeln soll. Ein anderes Beispiel sind die Ortsteilarbeiter. Sie halten ihre Dörfer in Ordnung, die nun gepflegter aussehen und entlasten so den Bauhof. Für den haben wir einen Vorarbeiter eingestellt, da noch genug Aufgaben bleiben. Stolz bin ich auch auf die Schaffung von sechs neuen Spielplätzen in Zusammenarbeit mit Eltern-Patenschaften, die für Ordnung und Sicherheit auf den Spielflächen sorgen. Für 2016 sind weitere zwei Spielplätze in Planung.

Welche Erwartungen erfüllten sich nicht? Gab es Enttäuschungen?

Kaluza: Aus der Debatte um die Dienstwagenbeschaffung habe ich gelernt. Auch die zeitliche Inanspruchnahme habe ich ein wenig unterschätzt. Nach wie vor mache ich die Erfahrung, dass ich anders wahrgenommen werde, wenn die Leute erfahren, dass ich Bürgermeister bin, obwohl ich mich selbst nicht verändert habe.

Kitzelt das die Eitelkeit, wenn man auf jedem Dorffest erwartet wird?

Kaluza: Ich denke, dass ich nicht eitel bin. Da ich immer noch im Fußball aktiv bin, werde ich da nicht vorrangig als Bürgermeister wahrgenommen. Das ist nach wie vor ein großer Ausgleich für mich. Im Freundeskreis darf ich Kaluza sein und dafür bin auch sehr dankbar. Dass ich nicht jedes Jahr zu allen Festen fahren kann, habe ich von Anfang an gesagt.

„Erfolg habe ich, weil ich eine leistungsstarke Verwaltung habe.“

Wie umfassend waren die Veränderungen für die Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung?

Kaluza: Mittlerweile wissen die Amtsleiter, dass sie mir sagen können, wenn sie andere Vorstellungen haben als ich. Wenn ich Erfolg habe, dann, weil ich eine leistungsstarke Verwaltung habe. In der Vergangenheit gab es auch deshalb personelle Veränderungen, damit am Ende jeder dort arbeitet, wo er seine Fähigkeiten am besten einsetzen kann. Um das herauszufinden, führe ich jedes Jahr Mitarbeitergespräche. Wir sind eine kleine Verwaltung, jeder Mitarbeiter muss vielfältige Aufgaben erfüllen.

Und wie ist es als Parteiloser? Fehlt da manchmal die Unterstützung?

Kaluza: Ich bin ganz zufrieden, parteilos zu sein und keinen parteilichen Zwängen zu unterliegen. Dass man öfter in der Funktion in eine politische Rolle geschoben werden soll, missfällt mir. Ich muss die Verwaltung gesetzestreu führen. Die Vorlagen, die wir erarbeiten, werden meist mit großer Mehrheit beschlossen. Dabei sehe ich mich nicht als großer Bestimmer, eher als Mitbestimmer, zumal ich auch nur eine Stimme in den politischen Gremien habe. Die meisten Gemeindevertreter sind ebenfalls nicht parteigebunden. Selbst diejenigen, die ein Parteibuch haben, leben das in der Gemeindevertretung nicht aus. Das ist sehr angenehm. Wir alle haben die Haushaltslage im Blick, und ich sehe mich als Hauptverwaltungsbeamter.

Wie groß werden die Sorgen, wenn die Eröffnungsbilanz zum Haushalt erst vorliegen wird?

Kaluza: Die sehe ich nicht so kritisch an. Wir haben auch für 2016 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen können, obwohl sich der Gewerbesteuereffekt, der vieles erleichtert hat, sich nicht wiederholen wird. Notwendige Investitionen werden uns auf die Füße fallen, da die Abschreibungen erwirtschaftet werden sollen. Aber für Kollegen, die Museen und Bäder betreiben, ist das schier unmöglich. Wir bezuschussen die Schulküche Werbig GmbH. Ziel ist es, den Zuschuss mittelfristig auf Null zu senken. Die Entwicklung der GmbH verläuft sehr positiv. Andere Kommunen leisten sich mehr. Außerdem sind diejenigen doppelt benachteiligt, die keine Fördermittel erhalten. Einmal zahlen sie mehr für eine Investition. Außerdem werden die Abschreibungen ohne die Fördersumme gebildet und sind demzufolge höher.

„Sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Dahme“

Gibt es bereits ein Vortasten bei Nachbar-Gemeinden, wenn der Druck in Richtung kommunaler Zusammenschlüsse steigt?

Kaluza: Die Gemeindevertretung und der Gemeindeentwicklungsausschuss befassen sich immer mal wieder mit dem Thema. Ich halte die jetzigen Vorgaben des Landes (10 000 Einwohner im Jahr 2030) für völlig absurd. Wir reden dann über Gemeindegrößen von mehr als 600 Quadratkilometern Fläche. Was hat das noch mit Bürgernähe zu tun? Sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit haben wir mit dem Amt Dahme gemacht. Das Amtsmodell mit rechtlich selbstständigen Gemeinden wäre für mich persönlich ein guter Lösungsansatz für die Zukunft.

Wird Ihre Gemeinde auch in den nächsten vier Jahren keine Flüchtlinge aufnehmen müssen?

Kaluza: So blauäugig bin ich nicht. Die Pforte, welche Frau Merkel geöffnet hat, schließt niemand mehr so leicht. Wir haben dem Kreis unsere Unterbringungsmöglichkeiten gemeldet. Das sind die alte Schule in Hohenseefeld und das dortige Gewerbegebiet, wobei es für beide Objekte Kaufinteressenten gibt. Ob daraus etwas wird, ist noch ungewiss. Außerdem haben wir dem Kreis das Gutsarbeiterhaus in Hohenahlsdorf zur Schenkung angeboten. Dort könnten Unterkünfte für Familien entstehen – und der Denkmalschutz könnte im eignen Haus seinen Stellenwert unter Beweis stellen.

Das „Geschenk“ wird doch sicher zurückgewiesen. Sie hatten sich für den Abriss eingesetzt. Ist da nicht ein negativer Punkt in der Bilanz, dass die Ruine stehen bleibt?

Kaluza: Der Kreis hat noch nicht geantwortet. Ich bin realistisch geworden und sehe ein, dass der Abriss des Gutsarbeiterhauses nicht in meiner Macht steht. Ich habe einen Zettel auf meinem Schreibtisch, auf dem steht, was ich zur Wahl versprochen habe. Das unterstützt die Selbstreflexion.


Von Gertraud Behrendt

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